Freitag, 18. Oktober 2019

Autonom fahrender Bus im Testbetrieb "Da springen Leute aktiv vors Fahrzeug"

Der autonom fahrende Kleinbus "Heat" auf Testfahrt in Hamburg
picture alliance/dpa
Der autonom fahrende Kleinbus "Heat" auf Testfahrt in Hamburg

Im autonomen Fahren liegt die Zukunft - Roboterwagen und -busse sollen die Mobilität in den Städten revolutionieren. Pendlerströme sollen umgelenkt werden, der öffentliche Nahverkehr ein noch stärker auf die Passagiere abgestimmtes Streckennetz anbieten. Weltweit arbeiten und tüfteln Autobauer und Start-Ups an dieser Vision für die Zukunft. Umso mehr Beachtung finden deshalb die Testfahrten von Roboterwagen unter realen Bedingungen - nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande.

So schickt zum Beispiel die Hamburger Hochbahn, Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs mit U-Bahnen und Bussen in der Hansestadt, derzeit autonome Kleinbusse auf die Straße. Doch womit wohl kaum einer der Forscher gerechnet haben dürfte, sind ganz spezielle Erfahrungen: Offenbar reagieren einige Menschen auf autonom fahrende Fahrzeuge anders als auf den Anblick eines normalen Busses: "Wir haben schon Leute, die aktiv vor das Fahrzeug springen, um zu gucken, ob das Fahrzeug hält", sagte Fabian Pucks vom Forschungsinstitut Ingenieursgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) in einem Bericht des NDR.

Der E-Kleinbus mit dem Namen "Heat" bewegt sich derzeit mit einer Geschwindigkeit von 15 Stundenkilometern durch die Straßen. Ein Fahrer lenkt dabei den Bus über weite Strecken mit einem Joystick-ähnlichen Ruder und greift auch bremsend ein, wenn erforderlich.

"Wir fahren das erste Mal auf öffentlichen Straßen. Das ist eine große Herausforderung", sagte Pucks IAV-Kollege Veit Lemke im NDR. Erst nach einer ganzen Reihe von Testfahrten sollen im kommenden Jahr Passagiere regulär mit an Bord dürfen.

Zunächst gilt es, die Erfahrungen in die weitere Forschung und Entwicklung einfließen zu lassen. Dass Fußgänger sich und andere dabei jedoch offenbar absichtlich in lebensgefährliche Situationen bringen könnten, stellen die Forscher mit Erstaunen fest."Das finden wir kritisch. Man würde das auch im normalen Busverkehr ja nicht wollen, dass jemand einfach davor springt, um zu sehen, ob der Busfahrer hält", sagte Puck.


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So dienen die Fahrten des Busses auch nicht nur als Test unter rein technischen Aspekten, sondern auch als Test, wie andere Verkehrsteilnehmer auf autonom fahrende Fahrzeuge reagieren.

Ob auch Volkswagen ähnliche Erfahrungen gesammelt hat, ist zurzeit nicht bekannt. Die Wolfsburger starteten ebenfalls in Hamburg vor einigen Wochen den in Deutschland einmaligen Testbetrieb von Roboterwagen. Dabei werden autonom fahrende eGolfs auf eine fest abgesteckte Strecke auf die Straße geschickt. Ein Fahrer, der notfalls eingreifen kann, sitzt auch hier hinterm Steuer.

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