Dienstag, 26. Mai 2020

Das Zerrbild vom selbstfahrenden Roboterauto Google-Fahrer müssen oft Unfälle verhindern

Selbstfahrendes Auto von Google: Hunderte Male gab die Software die Kontrolle an den Fahrer wieder ab, oft mussten die Fahrer selbst eingreifen - auch um Unfälle zu verhindern

Der Mann ragt aus dem Fenster seines Autos, streckt die Hände hoch in die Luft. Der unscharfe Hintergrund und der Blick auf die rotierenden Felgen verrät: Der Audi bewegt sich mit nicht geringer Geschwindigkeit ohne Einwirkung des Fahrers fort.

Ob Autobauer wie Audi oder Technologiekonzerne wie Google - Bilder von selbstfahrenden Gefährten gibt es zuhauf. Sie suggerieren, das völlig autonome Fahren ist nicht mehr weit entfernt, die Aufmerksamkeit und Hände des Autofahrers braucht es bald nicht mehr. Gaspedal, Schaltung und Lenkrad dürften bald überflüssige Steuerelemente sein, der Computer macht das schon - das Gegenteil ist der Fall.

Zwar forschen und arbeiten Autobauer und Technologiekonzerne wie Google schon länger am selbstfahrenden Auto. Aber ohne den Menschen wird es auch auf längere Sicht wohl nicht gehen. Der Fahrer wird weiter eingreifen müssen, sonst ist die Gefahr für Leib, Leben und andere Verkehrsteilnehmer zu groß.

Auf der Autobahn die Hände vom Steuer: Schön wär's, aber so weit sind auch die Autobauer noch lange nicht
So hat Google hat eingeräumt, dass in seinen selbstfahrenden Autos die Menschen am Steuer immer wieder eingreifen müssen, um Unfälle zu verhindern. Seit Herbst 2014 sei dies 13 Mal nötig gewesen, erklärte Projektleiter Chris Urmson in einem Blogeintrag in der Nacht zum Mittwoch.

272 Mal gab die Software die Kontrolle wieder an den Menschen ab

In drei Fällen sei das Verhalten anderer Fahrer der Auslöser gewesen, in zwei sei es um Verkehrshütchen gegangen, schränkte er ein. Außerdem gingen acht der Zwischenfälle auf drei Monate im Jahr 2014 zurück und fünf auf elf Monate im vergangenen Jahr. Das sei ein positiver Trend.

In 272 Fällen habe die Software selbst Probleme festgestellt und die Kontrolle an den Menschen am Steuer abgegeben. In weiteren 69 Situationen übernahmen die Google-Mitarbeiter dagegen von sich aus die Steuerung übernommen, hieß in einem Bericht von Google an die kalifornische Straßenverkehrsbehörde. Nach Google-Berechnungen hätte es sonst in 13 Fällen wahrscheinlich Zusammenstöße gegeben.

Google muss der Behörde ausführliche Berichte über seine Tests von selbstfahrenden Autos vorlegen. Die Vision des Konzerns ist, bei den Fahrzeugen ganz auf Steuerelemente wie Lenkrad oder Pedale zu verzichten und die Kontrolle ganz dem Computer zu überlassen.

rei mit dpa-afx

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