Elektroautobauer Rivians Produktionschef ist unbemerkt ausgestiegen

Mit mehr als 70 Milliarden Dollar Börsenwert zählt Rivian zu den wertvollsten Autobauern der Welt. Dabei hat die US-Firma 2021 nur 920 Autos ausgeliefert. Nun wurde bekannt, dass der COO bereits gegangen ist.
Starqualitäten: Mit dem Elektro-Pick-up R1T sorgt Rivian für Furore und legte im November einen spektakulären Börsengang hin

Starqualitäten: Mit dem Elektro-Pick-up R1T sorgt Rivian für Furore und legte im November einen spektakulären Börsengang hin

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Von Investoren und Öffentlichkeit unbemerkt, hat der gefeierte US-Elektroautobauer Rivian seinen Chief Operating Officer verloren. Bereits im Dezember hat Rod Copes, der für den schwierigen Aufbau der Produktion zuständig war, das Unternehmen verlassen. Das geht aus dem LinkedIn-Profil  des erfahrenen Managers hervor. In mehr als drei Jahrzehnten hatte er unter anderem für die Motorradbauer Harley Davidson und Royal Enfield gearbeitet, bevor ihn Rivian-Gründer Robert "RJ" Scaringe (38) im März 2020 zu dem Start-up lockte.

Mitten im Hochfahren der Produktion – im September rollte überhaupt erst das erste Rivian-Modell aus der Fabrik – hat sich Copes offenbar langsam verabschiedet. "Rod hat vor einigen Monaten mit dem schrittweisen Rückzug von Rivian begonnen, um dem Team Kontinuität zu bieten, während wir die Produktion hochfahren", erklärte das Unternehmen jetzt gegenüber der Finanznachrichtenagentur Bloomberg . Seine Aufgaben würden vom übrigen Führungsteam übernommen.

Rivian hatte im November einen der spektakulärsten Börsengänge des Jahres 2021 hingelegt – obwohl das Unternehmen bis dahin so gut wie kein Auto produziert hatte. Die Bewertung der Firma schoss zwischenzeitlich auf mehr als 140 Milliarden Dollar – sackte aber seitdem wieder um mehr als die Hälfte zusammen. Mit aktuell 73,8 Milliarden Dollar Börsenwert zählt Rivian noch immer zu den Top Ten der Branche und ist wertvoller als etwa BMW oder Stellantis (Fiat, Opel, Peugeot, Chrysler).

Nur kommt die Produktion nicht richtig in Gang. Dass nicht alles rundlief, zeichnete bereits länger ab. Im Dezember erklärte Scaringe, man werde das Ziel von 1200 Autos 2021 wohl um einige Hundert verfehlen. Der Aufbau der Produktion sei schwieriger als gedacht. Jetzt erklärte die Firma in einer knappen Mitteilung , sie habe bis Ende Dezember nur 920 Autos ausgeliefert. Immerhin konnten 1015 produziert werden – eine vierstellige Zahl sieht nicht ganz so klein aus.

Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas hält Rivian noch immer für überbewertet. "Tesla hat uns gezeigt, wie extrem schwer der Weg zum Aufbau einer Elektroauto-Produktion ist", schrieb er. "Man bekommt den Lohn nicht ohne die Schmerzen."

An der Börse war das Jahr für Rivian denn auch ein Fehlstart. Der Kurs sackte um knapp 20 Prozent ab. Dazu beigetragen hat auch eine Nachricht aus der ersten Januar-Woche. Rivians Großaktionär Amazon verkündete, künftig bei Elektrolieferwagen mit Stellantis zusammen arbeiten zu wollen. Der Deal, bis 2025 auch von Rivian 100.000 Elektrovans zu kaufen, sei davon unberührt, versicherte Rivian zwar. Aber man rechne damit, dass Amazon künftig auch mit etlichen anderen Herstellern paktiere. Offenbar hatten Investoren gedacht, die Partnerschaft wäre exklusiver.

Rivian gleicht eher einer Wette auf die Zukunft. "Es ist immer noch nicht bewiesen, dass diese Aktie im Vergleich zu anderen Namen wie Tesla oder wohl auch Ford investierbar ist", erklärte David Keller, Chefstratege von StockCharts.com.

lhy
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