In ehemaligem Renault-Werk Der "russische Wartburg" Moskwitsch soll auferstehen

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin will den russischen Wartburg wiederbeleben: den Moskwitsch. Doch ohne Hilfe kann er in einem ehemaligen Renault-Werk nicht produzieren. Unterstützung kommt wohl aus China.
Soll wieder aus der Garage geholt werden: Die russische Automarke Moskwitsch war vor rund 20 Jahre Pleite gegangen

Soll wieder aus der Garage geholt werden: Die russische Automarke Moskwitsch war vor rund 20 Jahre Pleite gegangen

Foto: Sergei Fadeichev / imago/ITAR-TASS

Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine hat auch der französische Autobauer Renault die Geschäfte in seinem zweitgrößten Markt nach Europa gestoppt. Vor rund zwei Wochen gab der Konzern bekannt, sich wegen des Kriegs in der Ukraine komplett von seinem Russland-Geschäft zu trennen. Sämtliche Anteile an Renault Russland würden an die Stadt Moskau verkauft, die Beteiligung an dem russischen Hersteller Avtovaz gehe an das Zentralinstitut zur Entwicklung von Automobilen und Motoren (Nami), wie Renault-Generaldirektor Luca de Meo (54) damals erklärte.

Kurz darauf kündigte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin (63) in der "Moscow Times" an, die Produktion in Moskaus Renault-Werk unter der historischen Marke Moskwitsch wieder aufnehmen zu wollen. "Wir werden im Jahr 2022 eine neue Seite in der Geschichte von Moskwitsch aufschlagen." Seit Ende des Zweiten Weltkriegs wurden in der Sowjetunion beziehungsweise im späteren Russland Fahrzeuge der Marke Moskwitsch gebaut; das Auto ist so etwas wie der russische Wartburg. Doch das Auto verlor im Kalten Krieg zunehmend an Konkurrenzfähigkeit, im Jahr 2006 ging der Autohersteller in die Insolvenz.

Große Pläne: Moskaus Bürgermeister Sergei Sobjanin (l., im Bild mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin) will in einer ehemaligen Renault-Fabrik Fahrzeuge der Marke Moskwitsch bauen lassen

Große Pläne: Moskaus Bürgermeister Sergei Sobjanin (l., im Bild mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin) will in einer ehemaligen Renault-Fabrik Fahrzeuge der Marke Moskwitsch bauen lassen

Foto: ALEXEI DRUZHININ/ AFP

Sobjanin steht jetzt vor einem Problem: Er hat zwar die Fabriken und die Mitarbeiter, um Autos zu bauen – aber weder das Material noch die Rechte an der Technologie. Ohne Unterstützung aus dem Ausland lässt sich die Produktion also nicht aufnehmen. Wie die russische Zeitung "Wedomosti" berichtet, kommt Hilfe nun offenbar aus China. Demzufolge verhandelt Sobjanin mit dem Automobilhersteller FAW über eine mögliche Technologiepartnerschaft. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge gibt es zudem Gespräche mit dem russischen Lkw-Hersteller Kamaz, der das Renault-Werk weiterbetreiben soll, und dem chinesischen Konzern JAC.

Beide Konzerne, JAC und FAW, sind in China über Joint Venture mit internationalen Autokonzernen verbunden. FAW baut schon seit Jahrzehnten gemeinsam mit Volkswagen und Toyota Fahrzeuge, auch JAC arbeitet seit 2017 mit den Deutschen zusammen.

Dass die Chinesen Moskau unterstützen, scheint auch auf politischer Ebene nicht abwegig. Staatspräsident Xi Jinping (68) hat sich trotz des russischen Überfalls auf die Ukraine bisher nicht öffentlich von Kreml-Chef Wladimir Putin (69) distanziert. China erscheint vielmehr als einer der Profiteure der westlichen Sanktionen. So ist das Handelsvolumen mit Russland in den ersten vier Monaten 2022 um knapp 26 Prozent auf rund 51 Milliarden US-Dollar in die Höhe geschossen. Peking zeigt zudem Interesse daran, mehr russisches Öl und Gas zu kaufen, das der Westen zunehmend boykottiert. So könnte der "Moskwitsch 2.0", wie ihn Kreml-Sprecher Dimitri Peskow (54) bereits genannt hat, in Wahrheit ein "Peking Car" sein.

mg
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.