Schuldenabbau Renault trennt sich von milliardenschwerem Daimler-Paket

Die Corona-Krise hat dem französischen Autobauer Renault arg zugesetzt. Um die Schulden ein wenig zu reduzieren, nutzt der Konzern nun die gute Performance der Daimler-Aktie.
Ende einer Partnerschaft: Im Jahr 2010 hatten der damalige Daimler-Chef Dieter Zetsche (r.) und sein Pendant Carlos Ghosn noch von einer gemeinsamen Plattform geträumt

Ende einer Partnerschaft: Im Jahr 2010 hatten der damalige Daimler-Chef Dieter Zetsche (r.) und sein Pendant Carlos Ghosn noch von einer gemeinsamen Plattform geträumt

Foto: GEORGES GOBET/ AFP

Der französische Autobauer Renault will sich über Nacht von seinem milliardenschweren Paket von Daimler-Aktien trennen. Die 16,45 Millionen Papiere haben zum Xetra-Schlusskurs von 72,09 Euro einen Wert von 1,18 Milliarden Euro und entsprechen einem Anteil von rund 1,54 Prozent des Aktienkapitals des Dax-Konzerns. Sie sollten bei institutionellen Anlegern platziert werden, teilte Renault am Donnerstagabend mit.

Eine der beteiligten Banken erklärte, die Aktien sollten möglichst nah am Börsenkurs verkauft werden. Üblicherweise müssen bei großen Platzierungen aber Abschläge in Kauf genommen werden. Die Daimler-Aktie hat allein seit Anfang November mehr als 60 Prozent zugelegt.

An der Partnerschaft mit den Stuttgartern werde sich durch den Ausstieg nichts ändern, betonte Renault. Die Autobauer arbeiten unter anderem bei Vans und Transportern zusammen. Mit dem Erlös wollen die Franzosen einen Teil ihrer Schulden abbauen. Renault hat im vergangenen Jahr vor allem wegen tiefroter Zahlen bei seinem japanischen Partner Nissan und wegen der Corona-Krise einen Rekordverlust von acht Milliarden Euro eingefahren.

Daimler arbeitet lieber mit Geely zusammen

Renault hält das Daimler-Aktienpaket seit mehr als zehn Jahren. Damals hatten die beiden Autobauer und Nissan eine umfassende Kooperation verkündet und diese mit einer Überkreuzbeteiligung untermauert. Renault und Nissan halten seither je 1,55 Prozent an Daimler, der Stuttgarter Oberklasse-Hersteller war mit je 3,1 Prozent bei Renault und Nissan eingestiegen. Das Renault-Aktienpaket von Daimler ist heute nur noch rund 360 Millionen Euro wert.

Seit der Dieselskandal vor drei Jahren auch Daimler erfasste – als erstes wegen eines Dieselmotors von Renault im Van-Modell Vito –, soll sich die Partnerschaft der beiden Hersteller abgekühlt haben. Daimler bestritt das immer wieder. Doch arbeiten die Schwaben inzwischen mehr mit dem chinesischen Autobauer Geely zusammen, dem Unternehmen des Daimler-Großaktionärs Li Shufu (57): etwa bei der Entwicklung und dem Bau des Elektro-Smart und bei Motoren. Im Jahr 2010 war Daimler-Chef Dieter Zetsche (67) und seinem Pendant Carlos Ghosn (67) noch eine gemeinsame Plattform für den Smart und den Renault Twingo vorgeschwebt. Beide sind nicht mehr im Amt.

Der kleine Mercedes-Transporter Citan teilt sich die Fahrzeugarchitektur mit dem Renault Kangoo. Zuletzt hatten zwei Insider gesagt, Renault und Daimler seien in Gesprächen über die Entwicklung großer Transporter. Es gehe um die nächste Generation des Renault-Kastenwagens Master. Das Projekt könnte der Zusammenarbeit neuen Auftrieb geben. Es sei aber nicht sicher, ob daraus etwas werde. Das Pendant zum Master, der im Renault-Werk Batilly vom Band rollt, ist der Mercedes Sprinter.

mg/Reuters, dpa-afx