Samstag, 21. September 2019

Renault und Nissan verhandeln die Allianz neu "Wir wollen es unumkehrbar machen"

Thierry Bolloré, Renault-Generaldirektor und verantwortlich für das operative Geschäft

Der französische Autokonzern Renault und sein japanischer Partner Nissan sprechen über die weitere Zukunft ihrer Allianz nach der Verhaftung ihres früheren Chefs Carlos Ghosn. Der neue Präsident von Renault, Jean-Dominique Senard, trifft sich dazu ab Donnerstag zu zweitägigen Gesprächen mit Nissan-Chef Hiroto Saikawa in Japan.

Wie es mit der von Ghosn entworfenen Allianz mit Nissan und Mitsubishi im Detail weitergehen soll, blieb am Donnerstag zunächst unklar. "Wir wollen es unumkehrbar machen", sagte der nun für das operative Geschäft verantwortliche Generaldirektor Thierry Bolloré. Auf die Frage, ob das eine Fusion der Hersteller einschließe, sagte Bolloré lediglich: "Es ist zu früh, darüber zu sprechen." Der Staat ist bei Renault mit 15 Prozent beteiligt und hat deshalb ein gehöriges Wort mitzureden.

Senard wiederum soll die Allianz mit Nissan festigen. Die Stimmung zwischen Nissan und Renault ist derzeit nicht die beste, da die Affäre um Ghosn die Beziehung der beiden Partner belastet hat. So hatte Renault das Vorgehen Nissans bei internen Ermittlungen deutlich kritisiert. Zugleich scheint die ungleiche Machtverteilung in der Allianz wieder zum Thema zu werden. Nissan produziert viel mehr Autos als Renault, Renault aber hält doppelt so viele Aktien am Nissan-Konzern wie Nissan an Renault - die zudem noch ohne Stimmrecht sind.

Nissan hatte zuletzt seine Prognose wegen schwächerer Nachfrage für das laufende Jahr senken müssen Nissan-Chef Hiroto Saikawa warnte zugleich Richtung Frankreich, dass eine übermäßige Machtanhäufung wie unter Ghosn künftig vermieden werden müsse.

Renaults Betriebsgewinn brach im vergangenen Jahr um 22 Prozent ein auf 2,99 Milliarden Euro, wie die Franzosen am Donnerstagmorgen mitteilten. Verantwortlich dafür machte Renault unter anderem die Wirtschaftskrise in Argentinien. Zudem belasteten Rückstellungen für ein Programm zum freiwilligen Ausscheiden von älteren Mitarbeitern in Frankreich die Bilanz.

Auf schwieriger Mission: Jean-Dominique Senard, neuer Renault-Präsident, bei seiner Ankunft auf dem Tokioter Flughafen am Donnerstag. Es soll die Allianz mit Nissan festigen und womöglich auch in neue Bahnen lenken. Es wird erwartet, dass er am 8. April bei einer außerordentlichen Aktionärsversammlung in den Vorstand von Nissan berufen wird.

Der Umsatz der Gruppe sank im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent auf 57,42 Milliarden Euro. Wegen eines deutlich gesunkenen Beitrags vom japanischen Partner Nissan sank der Nettogewinn um rund 35 Prozent auf 3,45 Milliarden Euro. Renault hält 43,4 Prozent der Anteile an dem japanischen Hersteller.

Der seit drei Monaten in Japan in Untersuchungshaft sitzende Ghosn soll unter anderem gegen Börsenauflagen verstoßen haben. Der 64-Jährige hat vor Gericht seine Unschuld beteuert. Nach wiederholt gescheiterten Anträgen auf Freilassung gegen Kaution wechselte Ghosn seinen japanischen Anwalt aus und soll künftig von dem Juristen Junichiro Hironaka verteidigt werden. Dieser hat schon mehrmals prominente Angeklagte vertreten und häufig Freisprüche erreicht. Einen Termin für einen Prozess gegen Ghosn in Japan gibt es noch nicht.

rei/dpa/dpa-afx

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