Samstag, 21. September 2019

Nach dem Rücktritt von Carlos Ghosn Dieser Mann soll Renault-Chef werden

Thierry Bollore, bislang COO bei Renault, soll Vorstandschef des Autobauers werden

Frankreich als größter Renault-Aktionär stellt nach dem Rücktritt von Carlos Ghosn die Weichen. Über das neue vorgeschlagene Führungsteam soll heute der Verwaltungsrat entscheiden. Dabei dürfte dem neuen Verwaltungsratschef als Teil der Doppelspitze vor allem die Aufgabe zukommen, die Allianz mit dem Partner Nissan zu festigen, heißt es.

Nach dem Rücktritt des inhaftierten Renault-Konzernchefs Carlos Ghosn begrüßt Frankreich die Bewegung beim japanischen Renault-Partner Nissan. Der Hersteller bereitet eine außerordentliche Aktionärsversammlung für Mitte April vor.

Das zeige den Willen Frankreichs und Japans zur Zusammenarbeit, sagte Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire am Donnerstag am Rande der Jahrestagung Weltwirtschaftsforums. Frankreichs vorrangiges Ziel sei es, den Fortbestand der von Ghosn geschmiedeten Auto-Allianz zwischen Renault und Nissan abzusichern, sagte Le Maire.

Bei der Nissan-Hauptversammlung soll es nur um den Ex-Verwaltungsratschef Ghosn, seine Nachfolge bei Renault sowie Ghosns kürzlich auf Kaution freigelassene frühere rechte Hand bei Nissan, Greg Kelly, gehen. Ghosn hatte nach Angaben von Le Maire seinen Rücktritt bei Renault am Mittwochabend dem amtierenden Verwaltungsratschef Philippe Lagayette mitgeteilt. Der französische Staat ist mit 15 Prozent größter Anteilseigner von Renault.

Verwaltungsrat soll heute über Führungsteam entscheiden

Renault selbst stellt bereits die Weichen für einen Führungswechsel bei dem französischen Autobauer. Als künftiges Führungsteam würden dem Verwaltungsrat der bisherige Michelin-Chef Jean-Dominique Senard und Interimschef Thierry Bollore vorgeschlagen, sagte ein Regierungssprecher vor Beginn der Sitzung. Von Insidern hatte Reuters zuvor erfahren, dass Senard Verwaltungsratsvorsitzender und Bollore Vorstandschef werden soll.

Le Maire lobte ausdrücklich den scheidenden Michelin-Chef Jean-Dominique Senard. "Jean-Dominique Senard wird ein hervorragender Präsident von Renault sein", erklärte Le Maire. Die Aufgabe des Präsidenten werde es sein, die Allianz mit Nissan zu konsolidieren.


Lesen Sie auch: Was Carlos Ghosn auszeichnete - und wie er abstürzte


Ghosn sitzt seit Mitte November in Tokio in Untersuchungshaft. Ihm wird finanzielles Fehlverhalten und Untreue beim japanischen Renault-Partner Nissan vorgeworfen, an dessen Spitze er stand. Der 64-Jährige soll seine Einkünfte zu niedrig angegeben haben.

Carlos Ghosn bestreitet alle Vorwürfe, konnte dem Druck aber offenbar nicht mehr standhalten und trat jetzt als Renault-Chef zurück

Der Manager selbst weist die Vorwürfe zurück. Nissan hatte Ghosn unmittelbar nach seiner Verhaftung als Verwaltungsratschef abgesetzt. Renault hatte gezögert, weil die Gesetzesverstöße noch nicht erwiesen sind. Die französische Regierung machte zuletzt Druck und forderte Ghosns Ablösung.

Der Manager war einst treibende Kraft hinter der Auto-Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi. Seit seiner Verhaftung wankt das Bündnis. Die neue Renault-Spitze soll jetzt die Wogen glätten. Zu einem späteren Zeitpunkt soll zudem erneut an einer Änderung der Beteiligungsstruktur gearbeitet werden. Renault besitzt gut 43 Prozent an Nissan, die Japaner wiederum sind mit 15 Prozent an dem französischen Autobauer beteiligt.

rei/dpa/Reuters

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung