Quartalsbilanz Russland-Abhängigkeit brockt Renault massiven Absatzeinbruch ein

Die Verkäufe des französischen Autobauers sind im ersten Quartal so stark eingebrochen wie seit 13 Jahren nicht mehr. Nun gibt es Spekulationen über ein Ende der Allianz mit Nissan. Das Geld könnte Renault-Chef Luca de Meo gut für die Abspaltung der Elektroautosparte gebrauchen.
Massiver Absatzeinbruch: Renault-Chef Luca de Meo

Massiver Absatzeinbruch: Renault-Chef Luca de Meo

Foto: JOEL SAGET / AFP

Die Präsenz in Russland und der weltweite Halbleitermangel haben Renault den höchsten Absatzrückgang seit mehr als zehn Jahren eingebrockt. Im ersten Quartal brachen die Verkäufe um 17 Prozent auf 552.000 Fahrzeuge ein, wie der französische Autobauer am Freitag mitteilte. So stark waren die Auslieferungen seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2009 nicht mehr gefallen.

Beim Umsatz schlug das Absatzminus jedoch nicht so stark zu Buche, weil Renault dank höherer Preise und steigender Elektroautoverkäufe einiges wettmachen konnte. Die Erlöse schrumpften hier um 2,7 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro. Ohne die Tochter Avtovaz und Renault Russland fiel der Umsatz nur um 1,0 Prozent.

Mit Blick auf die Zukunft der Mehrheitsbeteiligung am Lada-Hersteller Avtovaz teilte Renault mit, die Gespräche machten Fortschritte. Der Konzern hatte wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine den Betrieb in seinem Werk in Russland Ende März eingestellt und erklärt, man prüfe Optionen für Avtovaz. Den bei diesem Anlass auf 3,0 Prozent gesenkten Ausblick für die operative Rendite bekräftigte Renault nun.

Die Verkäufe von Elektro- und Hybridautos stiegen zu Jahresbeginn um 13 Prozent und machten 36 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Wegen der in der Branche weiter bestehenden Chipknappheit muss der Konzern seine Produktionspläne für dieses Jahr um 300.000 Fahrzeuge senken. Der größte Teil davon entfalle auf das erste Halbjahr. Wie bei anderen Autobauern auch, sind die Auftragsbücher von Renault voll. Wegen fehlender Bauteile kann die Nachfrage aber kaum bedient werden. Kunden müssen oft lange auf einen Neuwagen warten.

Spekulationen über Verringerung der Nissan-Beteiligung

Renault erklärte weiter, für eine Abspaltung des Geschäfts mit Elektroautos lägen alle Optionen auf dem Tisch, auch die eines möglichen Börsengangs. Die Pläne müssten vom Allianzpartner Nissan abgesegnet werden. Dazu stehe man in Kontakt mit den Japanern. Renault-Chef Luca de Meo (54) hatte vergangene Woche die Möglichkeit einer Börsennotierung ins Gespräch gebracht. Die Trennung des Geschäfts mit Verbrennungsmotorfahrzeugen von dem mit Elektroautos könnte Nissan oder langfristige Investoren interessieren.

Der Konzern wollte sich nicht zu einem Bericht äußern, wonach die Nissan-Beteiligung verringert werden könnte, um den Schwenk in die E-Mobilität zu finanzieren. Die Agentur Bloomberg hatte berichtet, Nissan selbst könne Renaults NIssan-Anteile übernehmen. Auch andere Investoren kämen dafür infrage. Renault hält 43 Prozent an Nissan, die wiederum mit rund 15 Prozent an den Franzosen beteiligt sind, allerdings ohne Stimmrecht. Dieses Ungleichgewicht sorgt schon länger für Unstimmigkeiten zwischen den Allianzpartnern.

Die Renault-Aktie  zog nach der Bloomberg-Meldung um bis zu 8 Prozent auf 25,475 Euro an, musste die Gewinne aber schnell wieder abgeben. Zuletzt lag sie in einem schwachen Umfeld noch rund 1,0 Prozent im Plus. Renault wird am Finanzmarkt derzeit mit knapp sieben Milliarden Euro bewertet und damit in etwa so hoch wie die Beteiligung an Nissan.

hr/Reuters