Freitag, 26. April 2019

Verhaftung des Renault-Nissan-Chefs Der jähe Absturz des Carlos Ghosn - um diese Fragen geht es

Carlos Ghosn, Architekt und Strippenzieher der Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi

Die Umstände seiner Verhaftung werfen Fragen auf, zahlreiche Unternehmenskenner vermuten eine gezielte "Palastrevolution": Nach der Festnahme von Renault-Nissan-Lenker Carlos Ghosn sickern nun weitere Details durch, was es mit den Veruntreuungs-Vorwürfen gegenüber dem 64-jährigen Manager auf sich hat.

Seinen Job als Chef des Verwaltungsrats bei Nissan und Mitsubishi ist Ghosn wohl in Kürze los, der französische Staat will außerdem schnell einen Interims-Chef bei Renault sehen. Was bisher bekannt ist - und welche Verwerfungen Ghosns Verhaftung bei der Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi auslöst.

Welches Fehlverhalten wird Ghosn konkret vorgeworfen?

Offiziell erklärte Nissan Börsen-Chart zeigen , dass Ghosn nach internen Untersuchungen die Angabe zu niedriger Bezüge sowie der Einsatz von Firmeneigentum für private Zwecke vorgeworfen werden. Zu Details der Ghosn gemachten Vorwürfe äußerte sich Nissan-CEO Hiroto Saikawa in einer Pressekonferenz nicht.

Berichten japanischer Medien zufolge soll Nissan Wohnungen gekauft und unterhalten haben, die Ghosn vor allem privat nutzte. und für die er zumindest in Teilen kaum Miete bezahlte. Laut der Tageszeitung Nikkei gründete Nissan in den Niederlanden eine Firma, die offiziell in Startups investieren sollte. Tatsächlich soll das Unternehmen gut 18 Millionen Dollar investiert haben für den Kauf und Unterhalt von Luxusdomizilen in Rio de Janeiro und Beirut.

Andere Quellen berichten von weiteren, von Nissan finanzierten und renovierten Luxusimmobilien in Paris und Amsterdam, die Ghosn jederzeit zur Verfügung standen. Ghosn selbst hat brasilianisch-libanesische Wurzeln und Pässe beider Länder, die französische Staatsbürgerschaft hat er ebenso. Drei der von Nissan erworbenen Wohnungen liegen also Ghosns Heimatländern. Die Immobilien hätten keinen Geschäftszweck gehabt und seien in Berichten an die Börse nicht als zusätzliches Einkommen oder geldwerter Vorteil erwähnt, heißt es in einem Bericht von Japans öffentlichem Rundfunk NHK. Angeblich soll Ghosn sich von Nissan auch Familienurlaube bezahlen haben lassen, die Kosten dafür sollen sich auf über 100.000 Dollar summieren.

Zudem soll Ghosn laut "Nikkei" auch über fünf Jahr lang Boni kassiert haben, die an die Aktienkursentwicklung gekoppelt waren. Diese tauchten aber nicht im Vorstandsvergütungsbericht von Nissan auf - laut Insidern auf Drängen von Ghosn, der die Offenlegung solcher Kompensationszahlung als nicht notwendig erachtet haben soll. Es geht dabei laut Nikkei um eine Summe von 36 Millionen Dollar. Insidern zufolge sind die Untersuchungen auf nun auch auf die Finanzierung der Allianz von Renault und Nissan ausgeweitet worden.

Wo hält sich Ghosn aktuell auf?

Ghosn und sein Kollege Greg Kelly wurde am Montagabend auf dem Tokioter Flughafen festgenommen, wie Nissan bestätigte. Noch wurde gegen Ghosn nicht formell Anklage erhoben. Laut der Tageszeitung "Asahi" beantworteten Ghosn und Kelly nach ihrer Verhaftung Fragen der Ankläger und Ermittler. Wo sich Ghosn aktuell aufhält, ist nicht bekannt. In Japan werden Verdächtige üblicherweise ins Tokioter Untersuchungsgefängnis überstellt, wie Nachrichtenagenturen berichten.

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