Sonntag, 15. Dezember 2019

Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz  - Treffen in Japan Neues Führungsgremium formiert sich

Alle für einen, einer für alle: Thierry Bollore (Renault), Jean-Dominique Senard (Renault), Hiroto Saikawa (Nissan), Osamu Masuko (Mitsubishi) besiegeln neues Führungsgremium (v.l.)

Die Autobauer Renault, Nissan und Mitsubishi wollen ihre Dreier-Allianz nach dem erzwungenen Abgang von Konzernchef Carlos Ghosn neu ordnen. Die Machtkonzentration bei einem Manager soll ein Ende haben. "Dies ist eine gleichberechtigte Partnerschaft", betonte Nissan-Vorstandschef Hiroto Saikawa auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem neuen Verwaltungsratschef von Renault, Jean-Dominique Senard. Der scheidende Michelin-Chef Senard sprach von einem "Neustart" der französisch-japanischen Allianz. Anders als Ghosn soll er nicht zugleich den Vorsitz im Verwaltungsrat von Nissan übernehmen, sondern dort nur Stellvertreter eines noch nicht benannten Verwaltungsratschefs werden.

Gesteuert werden soll die operative Zusammenarbeit der drei Marken künftig von einem gemeinsamen Lenkungsgremium, das jedoch von Senard geführt wird und dem auch die Vorstandschefs aller drei Marken angehören. Bisher waren zwei niederländische Holdings von Renault und Nissan auf der einen sowie von Nissan und Mitsubishi auf der anderen Seite das Bindeglied der Allianz.

An der Überkreuz-Beteiligung von Nissan und Renault soll sich dagegen nichts ändern, wie die drei Partner bekräftigten. Renault hält 43 Prozent an Nissan, seit die Franzosen unter Ghosn die Japaner 1999 vor der Pleite gerettet hatten. Nissan ist mit 15 Prozent zweiter Großaktionär von Renault neben dem französischen Staat.

Ghosn von Verwaltungsratssitzung bei Nissan ausgeschlossen

Am Montag hatte ein japanisches Gericht Ghosn die Teilnahme an der Verwaltungsratssitzung des Herstellers Nissan untersagt. Ghosn habe darum gebeten, an der am Dienstag stattfindenden Sitzung teilzunehmen, jedoch "keine Erlaubnis" dafür erhalten, teilte das zuständige Gericht in Tokio mit. Sein Anwalt Junichiro Hironaka sagte dazu, er erwäge, dagegen Beschwerde einzulegen. Ghosn habe die Pflicht, daran teilzunehmen.

Den Worten des Anwalts zufolge richtete Nissan eine schriftliche Stellungnahme an die Staatsanwaltschaft mit der Forderung, Ghosn die Teilnahme zu verweigern. "Wir hatten nicht mit solch einer Gegenwehr gerechnet", gestand Hironaka ein.


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Der ehemailge Automanager war im November überraschend festgenommen worden. Japanische Behörden werfen ihm mehrere Finanzdelikte vor. So soll er sein eigenes Einkommen in Jahresabschlüssen zu niedrig angesetzt und private Ausgaben auf Nissan abgewälzt haben. Der japanische Autobauer setzte ihn nach seiner Festnahme als Chef des Verwaltungsrats ab. Um ihn aus dem Gremium zu entfernen, ist jedoch eine außerordentliche Aktionärskonferenz notwendig. Diese soll am 8. April stattfinden.

Ghosn will sich frühestens nächste Woche vor der Presse zu dem Fall äußern, wie sein Anwalt Junichiro Hironaka am Dienstag in Tokio sagte. Er brauche noch etwas Bedenkzeit. Das Verfahren gegen ihn dürfte im Herbst beginnen. An der im April angesetzten Nissan-Hauptversammlung werde er nach jetzigem Stand nicht teilnehmen.

Kautionsauflagen verbieten Kontakt

Ghosn darf derweil wegen seiner Kautionsauflagen mit niemandem Kontakt aufnehmen, der mit seinem Verfahren in Verbindung steht. Dazu gehören auch Nissan-Manager, die voraussichtlich an der Verwaltungsratssitzung teilnehmen werden.

Der Manager muss derzeit in einer Wohnung leben, die rund um die Uhr per Kamera überwacht wird. Er selbst sieht sich allerdings als Opfer einer Verschwörung. Nissan wolle durch die Vorwürfe vermeiden, stärker in den Renault-Konzern integriert zu werden, sagte Ghosn kürzlich in einem afp-Interview. Seit Ghosns Festnahme suchten der japanische und der französische Autobauer öffentlich den Schulterschluss.

Ermittlungen wegen pompöser Hochzeitsfeier

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft in Frankreich Ermittlungen wegen der pompösen Hochzeit Ghosns auf Schloss Versailles eingeleitet. Renault hatte zu dem Fall Dokumente an die Justiz übergeben. Demnach gibt es Hinweise, dass Ghosn persönlich von Kultursponsoring profitierte, das Renault an die Betreibergesellschaft von Schloss Versailles zahlte.

Der Autobauer hatte im Juni 2016 einen Sponsorenvertrag mit Schloss Versailles abgeschlossen. Vier Monate später feierte Ghosn im Lustschloss Grand Trianon im Park von Versailles mit großem Pomp im Stil der früheren Königin Marie Antoinette die Hochzeit mit seiner zweiten Frau. Nachdem dies bekannt wurde, hatte Ghosn sich über seinen Anwalt bereit erklärt, die Kosten in Höhe von 50.000 Euro nachträglich selbst zu übernehmen.

dpa/AFP/rtr/akn

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