Samstag, 14. Dezember 2019

Stärkung des Autobauer-Dreierbundes Generalsekretär soll Nissan und Renault befrieden

Renault-Präsident Jean-Dominique Senard beruft einen Generalsekretär, um die Allianz mit Nissan wiederzubeleben

Die geplante Fusion zwischen den Autobauern Renault und Fiat Chrysler Börsen-Chart zeigen: Innerhalb weniger Tage gescheitert. Die Topmanager aus der Ghosn-Ära: Entsorgt. Die einst enge Verflechtung zwischen den drei Partnern Renault, Nissan und Mitsubishi: Brüchig. Die Zukunftsaussichten: Nicht gerade rosig, wie die jüngst gekappten Prognosen bei Renault und Nissan andeuten.

Das Jahr 2018 war für die Autoallianz von Renault, Nissan Börsen-Chart zeigen und Mitsubishi Börsen-Chart zeigen ein ziemlich wilder Ritt. Nun scheinen sich die drei voneinander entfremdeten Partner wieder aufeinander besinnen zu wollen: Um die Zusammenarbeit untereinander zu verbessern, soll für das Dreierbündnis ein Generalsekretär ernannt werden. Das teilte Renault in Paris mit.

Arnaud Deboeuf scheiterte spektakulär

Der bisherige Direktor der Renault-Nissan-Allianz, Arnaud Deboeuf, hat vor einigen Monaten das Handtuch geworfen - mit einem Kündigungsschreiben der eher spektakuläreren Art (siehe Bildergalerie).

Mit einem eigenen Generalsekretär für das Dreierbündnis soll ein Schulterschluss der geplagten Autohersteller aber nun endlich gelingen. Der neue Posten soll eine Schlüsselrolle bei großen Vorhaben der Allianz spielen, hieß es bei den Franzosen reichlich unkonkret. Die Allianz werde in den kommenden Wochen über die weiteren Schritte bei den neuen Vorhaben informieren, berichtete Renault.

Mit Ghosns Verhaftung geriet die Dreier-Allianz ins Straucheln

Die vorsichtigen Formulierungen sind nach den monatelangen Kämpfen zwischen den Franzosen und ihren japanischen Partnern nachvollziehbar.Denn seit mehr als einem Jahr ringt die Autobauer-Allianz um eine Neudefinition ihrer Zusammenarbeit. Die internen Grabenkämpfe wurden ausgelöst durch die Verhaftung des langjährigen Chefs von Renault und Nissan, Carlos Ghosn, vor rund einem Jahr. Ghosn war wegen angeblichen Verstoßes gegen Börsenauflagen ins Visier der japanischen Justiz geraten. Er wurde seither mehrmals wegen weiterer angeblicher Vergehen angeklagt und kam dann auf Kaution frei.

Bei Renault ist aktuell Präsident Jean-Dominique Senard für die Allianz verantwortlich. Den langjährigen Ghosn-Vertrauten Thierry Bolloré, der im Januar 2019 zum Renault CEO aufstieg, schasste Senard bereits nach zehn Monaten im Amt. Denn Bolloré gelang es nicht, die Bande zu Japan zu stärken - im Gegenteil: Er versuchte einen Schulterschluss von Renault mit dem italienisch-amerikanischen Autobauer Fiat Chrysler, der auch an den Bedenken des französischen Staates scheiterte. Fiat Chrysler will nun mit Renaults Konkurrenten PSA zusammengehen.

Unruhen auch bei Nissan

Auch in Japan ging es hoch her: Der Nachfolger von Ghosn an der Spitze von Nissan, Hiroto Saikawa, hielt sich gerade mal ein Jahr im Chefsessel. Saikawa war ebenfalls ein Ghosn-Zögling. Kommenden Montag übergibt er sein Amt an Makoto Uchida, der bislang Nissans China-Geschäft leitete. In seinem letzten Interview als Nissan-CEO warnte Saikawa allerdings, dass der japanische Autobauer durch Nationalisten beschädigt worden sei, die die 20-jährige Allianz mit Renault auflösen wollen. Das berichtet die "Financial Times" ("FT").

Das Ziel dieser "tief konservativen" Kräfte sei es, so Saikawa, das Nissan zum Zustand zurückkehren sollte, den es vor seiner finanziellen Krise und dem Bündnis mit Renault Ende der 1990er Jahre hatte. Der Machtkampf lähmte Nissan fast ein Jahr lang - und brachte die japanische Marke gehörig unter Druck.

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