Sonntag, 16. Juni 2019

Frankreich fürchtet um Renaults Einfluss Warum Ghosns Turbo-Demontage zum Politikum wird

Die Verhaftung und Absetzung von Carlos Ghosn sorgt bei Frankreichs Politikern für Aufruhr

Angekündigt hatte es Nissan bereits vor zwei Tagen, nun ist Carlos Ghosn seinen hochrangigen Posten bei dem japanischen Autohersteller endgültig los: Nissans Kontrolleure haben nun einstimmig beschlossen, Ghosn von seinem Amt als Vorsitzender des Nissan-Verwaltungsrats zu entfernen.

Der 64-Jährige Ghosn war Anfang der Woche wegen des Vorwurfs des Verstoßes gegen Börsenauflagen verhaftet worden. Nissan Börsen-Chart zeigen trennt sich damit von jenem Manager, der das Unternehmen fast zwei Jahrzehnte lang führte und durch das Bündnis mit Frankreichs Autobauer Renault Börsen-Chart zeigen zu einem der weltgrößten Autohersteller machte. Die 19 Jahre alte Allianz von Nissan und Renault, die 2016 um den japanischen Autobauer Mitsubishi erweitert wurde, ist von Ghosn geschmiedet und vorangetrieben worden.

Die Renault-Vorstände haben Ghosn zwar Unterstützung zugesagt, ihn aber von seinem Posten als Vorstandsvorsitzender suspendiert. Ghosns rechte Hand bei Renault, Thierry Bolloré, übernimmt den Vorsitz zwischenzeitlich. Auch bei Mitsubishi, wo Ghosn bisher den Verwaltungsrat leitete, steht seine Absetzung kurz bevor. Ghosn bleibt vorerst in Untersuchungshaft in Tokio.

Doch im Fall Ghosn geht es längst nicht nur um mögliche persönlichen Verfehlungen eines Automanagers. Seine Verhaftung und schnelle Demontage in Japan gefährdet die Zusammenarbeit zwischen dem französischen und den japanischen Autoherstellern. Das Bündnis drohe auseinanderzubrechen, fürchten Investoren - und das träfe Frankreich wohl besonders hart.

Frankreichs Politik fürchtet um Bestand der Allianz

Offiziell wollen beide Seiten an dem Bündnis festhalten. In einer Pressemitteilung von Nissan hieß es heute, dass sich der Verwaltungswaltungsrat zu der maßgeblich von Ghosn vorangetriebenen Allianz mit Renault bekenne. Auch die französische Regierung betonte mehrfach, die Allianz, weiter zu unterstützen. Doch die Nervosität auf Seiten der Franzosen steigt. Denn am Nachmittag empfängt Frankreichs Wirtschaftsminister Le Maire seinen japanischen Amtskollegen Seko in Paris - wegen des Fall Ghosns.

Einige Stunden vor dem Treffen warnte der französische Oppositionspolitiker Laurent Wauquiez ziemlich deutlich vor einer Destabilisierung des heimischen Herstellers Renault. "Wir müssen sehr wachsam sein", forderte der Parteichef der konservativen Republikaner im Sender Radio Classique.

"Meine Befürchtung lautet, dass hinter der Ghosn-Affäre die Absicht einer Destabilisierung der Japaner (...) des Renault-Nissan-Konzerns stehen könnte - um ihn zu sprengen, oder um Renault im Inneren des Verbundes zu schwächen", sagte Wauquiez. Ein weiteres industrielles Debakel in Frankreich müsse verhindert werden. Renault beschäftigt nach Regierungsangaben allein in Frankreich rund 47.000 Menschen.

Mit seiner Ansicht von einer möglichen internen Palastrevolte bei Nissan steht der Politiker beileibe nicht alleine da. Selbst der britische "Economist" äußert sich kritisch. In Japan seien Vorstandsgehälter deutlich niedriger als in Westeuropa oder den USA, hält das Wirtschaftsmagazin fest. Es sei aber in Japan durchaus üblich, dass die im Vergleich zum Westen niedrigere Bezahlung durch Unternehmens-Nebenleistungen ausgeglichen werden, die dann üblicherweise nicht an die Behörden berichtet werden.

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