Neuer Chef, neue Strategie des Autobauers Renault sagt der Masse adieu - will aber bei Elektroautos vorne mitspielen

Luca de Meo greift zur "Renaulution" - so nennt der neue Renault-Chef sein Strategieprogramm. Er wendet sich von früheren Massenzielen ab, setzt aber stark auf Elektroautos. Dabei soll auch der Renault 5 wiederauferstehen.
Ruft die "Renaulution" aus: Der neue Chef des französischen Autobauers Renault, Ex-Seat-Chef Luca de Meo vor Elektroversion des Renault Mégane

Ruft die "Renaulution" aus: Der neue Chef des französischen Autobauers Renault, Ex-Seat-Chef Luca de Meo vor Elektroversion des Renault Mégane

Foto: BENOIT TESSIER / REUTERS

Der französische Autobauer Renault will mit einem schärferen Sparkus und dem Umbau zu einem softwaregetriebenen Technologiekonzern in die Erfolgsspur zurückfinden. Der neue Konzernchef Luca de Meo (53) erläuterte am Donnerstag sein Umbauprogramm mit dem Namen "Renaulution", mit dem er die Ertragskraft des kriselnden Konzerns kräftig steigern will, um in der schärferen Konkurrenz um einen der vorderen Plätze in der Elektromobilität mitzuhalten.

De Meo setzt weniger auf Masse als seine Vorgänger und will Rendite erzielen - auch, indem Renault stärker auf Software setzt. "Wir werden uns von einem Autokonzern, der mit Technologie arbeitet, zu einem Technologiekonzern entwickeln, der mit Autos arbeitet und bis 2030 mindestens 20 Prozent seines Umsatzes mit Dienstleistungen, Daten und Energiehandel erzielen wird", sagte de Meo, der seit Juli 2020 an der Spitze von Renault steht und davor viele Jahre bei Volkswagen gearbeitet hatte.

Wie französische Medien in Bezug auf de Meos Präsentation berichten, verabschiedet sich de Meo deutlich von den früheren Massen-Zielen seines geschassten Vorgängers Carlos Ghosn, der Renault im Verbund mit Nissan und Mitsubishi zum großen Massenhersteller pushte. De Meo hatte bereits angekündigt, stärker auf die Wertschöpfung und weniger auf die Absatzzahlen zu konzentrieren. Nun erklärte er laut Pressemitteilung: "Das Unternehmen wird seine Performance künftig nicht mehr durch Marktanteile oder Absatzzahlen messen, sondern an der Rentabilität, der Geldmittel und der Effizienz der Investments". Das klingt nach einem ähnlichen Fahrplan, wie ihn Carlos Tavares (62) bei seinem Amtsantritt als Chef von PSA (Peugeot, Citroën, Opel) erfolgreich umsetzte .

Comeback für den Renault 5 als reines Elektroauto

Retro: Das neue Modell Renault 5 ("Supercinq") des damals staatlichen Herstellers im Hof des Elysée-Palasts im September 1984, am Steuer Präsident François Mitterrand

Retro: Das neue Modell Renault 5 ("Supercinq") des damals staatlichen Herstellers im Hof des Elysée-Palasts im September 1984, am Steuer Präsident François Mitterrand

Foto: - / AFP

Es gibt allerdings eine wichtige Ausnahme dabei: Bei Elektromodellen gibt sich de Meo kampfeslustig. Mit dem Zoe haben die Franzosen eines der meistverkauften Elektroautos in Europa im Programm, in Deutschland ist der Wagen mit deutlichem Abstand Elektroabsatzkönig. Den Bereich will de Meo weiter stärken: Bis 2025 will die Marke Renault sieben neue vollelektrische und sieben Hybridmodelle einführen, das soll dann der grünste Antriebsmix aller Hersteller in Europa sein.

Wiederbelebt wird dafür auch der legendäre Renault 5, der als reines Elektroauto wiederauferstehen soll. "Unsere Elektrofahrzeuge sind sehr profitabel", erklärte de Meo dazu laut der "Automobilwoche ". "Sie sind sozusagen unsere Lebensversicherung".

Mit solchen Ansagen postiert sich de Meo recht klar gegen seinen früheren Arbeitgeber Volkswagen. Denn auch Herbert Diess (62) hat für den Wolfsburger Autokonzern die Devise ausgegeben, bei Elektroautos Marktführer werden zu wollen.

Dacia näher an Lada, weniger für Forschung und Entwicklung

Auch will de Meo wohl die Marken stärker voneinander abgrenzen: Renault soll künftig die Marke der "Nouvelle Vague" sein, also mit Innovationen und Modernität auffallen und führend bei Elektromobilität sein. Dacia soll stärker mit der russischen Marke Lada zusammenarbeiten, und seinen "robusten und soliden" Charakter stärken.

Im Zuge des Umbaus soll Renault das bis 2022 gesteckte Sparziel von zwei Milliarden Euro schneller erreichen und die Kosten weiter senken - bis 2025 um drei Milliarden Euro. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sollen bis dahin von 10 Prozent des Umsatzes auf unter 8 Prozent gedrückt werden. Unter den bis 2025 geplanten zwei Dutzend neuen Automodellen sollen mindestens zehn reine E-Autos sein.

Renault hatte bereits Einsparungen von zwei Milliarden Euro binnen zwei Jahren angekündigt, darunter einen Abbau von 15.000 Arbeitsplätzen und eine Restrukturierung der Werke. Die Franzosen wollen - wie der mit ihnen verflochtene japanische Partner Nissan - die vom geschassten Konzernchef Carlos Ghosn (66) vorangetriebene Expansion zurückdrehen, die auf Kosten der Ertragskraft ging.

Die beiden Autokonzerne galten bereits als angeschlagen, als die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr ausbrach. Ihnen fehlt nach Meinung von Börsianern bisher ein Plan, um die Synergien aus der Allianz, zu der auch der japanische Autobauer Mitsubishi gehört, zu nutzen und die Investitionen für den Wechsel in die Elektromobilität und die Digitalisierung zu teilen.

wed/DPA, Reuters