Luca de Meos Sanierungsplan Renault will mit Konzernumbau Marge verdoppeln

Der angeschlagene französische Autohersteller erhöht seine Ziele und plant, nächstes Jahr wieder eine Dividende auszuschütten. Dazu will Renault-Chef Luca de Meo seine neue Elektroautosparte 2023 an die Börse bringen und mit dem chinesischen Autobauer Geely zusammenarbeiten.
Sanierer: Renault-Chef Luca de Meo reißt den maroden Autohersteller auseinander, trennt Elektro von Verbrennern und Mobilitätsgeschäft von Motorenbau

Sanierer: Renault-Chef Luca de Meo reißt den maroden Autohersteller auseinander, trennt Elektro von Verbrennern und Mobilitätsgeschäft von Motorenbau

Foto: ERIC PIERMONT / AFP

Der französische Autobauer Renault treibt seinen Umbau voran, um mit einer Trennung der Elektro- und Verbrennergeschäfte auf lange Sicht rund doppelt so profitabel zu arbeiten. Die Elektroautosparte soll zwar mehrheitlich im Eigentum des Konzerns bleiben, aber auch an die Börse gebracht werden, um Geld einzuspielen. Nach Jahren mit teils existenziellen Problemen und Staatshilfe in der Corona-Krise will das Unternehmen ab dem kommenden Jahr auch wieder eine Dividende ausschütten, wie Renault am Dienstag in Boulogne-Billancourt bei Paris mitteilte.

Konzernchef Luca de Meo (55) will die operative Gewinnmarge bis 2030 auf über 10 Prozent steigern. Für dieses Jahr sind gut 5 Prozent eingeplant. 2025 soll die Marge bei mehr als 8 Prozent liegen.

Die Aktie  konnte die Ankündigungen aber nicht beflügeln. Die Renault-Aktie verlor zwischenzeitlich fast 5 Prozent an Wert, erholte sich aber bis zum Mittag etwas und lag noch mit 1,9 Prozent im Minus bei 31,05 Euro. Den Anlegern fehlten strategische Details rund um die Allianz mit Nissan. Investoren erhofften sich, dass Renault mit einem möglichen Verkauf von Nissan-Anteilen viel Geld für den Konzernumbau reinholen könnte.

Elektroautosparte soll im zweiten Halbjahr 2023 an die Börse

Wie manager magazin bereits im Oktober berichtete , will de Meo das Geschäft in fünf eigenständige Teile spalten. Die Elektroauto- und Softwaresparte soll "Ampere" heißen und frühestens im zweiten Halbjahr 2023 an die Börse in Paris gehen. Sie soll mit etwa 10.000 Beschäftigten in Frankreich bis 2031 eine Million E-Autos produzieren. Ampere soll vor allem die neuen Modelle Renault 4 und 5 im Norden Frankreichs fertigen.

Darauf habe das Unternehmen in den vergangenen beiden Jahren hingearbeitet, sagte de Meo im Interview mit dem manager magazin . "Wir müssen es, nur zum Beispiel, mit den Neulingen aufnehmen können. Dazu benötigen wir eine eigene Einheit."

Die Produktion der Verbrennermotoren will Renault sich zur Hälfte mit der chinesischen Gruppe Geely teilen, die bereits die Marke Volvo besitzt. Sie wollen gemeinsam eine Filiale namens "Horse" gründen, für die 19.000 Beschäftigte in Europa (Spanien, Rumänien und Schweden), in China und Südamerika arbeiten sollen.

Chipriese Qualcomm soll bei Ampere einsteigen

Neben der Elektro- und Softwaresparte sowie der Antriebstechnologie plant Renault weitere Einheiten mit eigener Steuerung und eigenen Bilanzen: Eine Finanzdienstleistungs- und Mobilitätsdienstsparte, die Luxussportwagenmarke Alpine sowie eine auf Kreislaufwirtschaft ausgerichtete Firma. Am für die Börsennotierung vorgesehenen Elektrogeschäft "Ampere" will Renault den Angaben zufolge eine "starke Mehrheit" behalten, aber gewichtige Investoren wie den US-Chipriesen Qualcomm ins Boot holen. Beteiligte berichteten aber, dass Qualcomm oder Microsoft nicht überzeugt  seien.

Die Umorganisation des französischen Unternehmens, an dem der Staat und der japanische Autobauer Nissan je 15 Prozent halten, soll bei der Finanzierung der Umstellung auf Elektroautos helfen. Renault will dabei auch die Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi umstrukturieren und den Anteil bei Nissan reduzieren.

Trotz Aufwendungen für die Reduktion von Treibhausgasen rechnet der Autobauer noch mit einem Umsatz von 15 Milliarden Euro und einem jährlichen Wachstum von 4 Prozent bis 2027 für die Verbrenner-Filiale.

dri/dpa-afxp, Reuters, afp
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