Montag, 24. Februar 2020

Sparkurs stellt alle Fabriken auf den Prüfstand Nissan-Krise schlägt bei Renault durch

Renault rutscht in die roten Zahlen
Christian Hartmann / REUTERS
Renault rutscht in die roten Zahlen

Die Krise bei Nissan Börsen-Chart zeigen hinterlässt tiefe Spuren beim Partner Renault Börsen-Chart zeigen. Der französische Autobauer wies für das abgelaufenen Jahr einen Verlust von 141 Millionen Euro aus und kürzt die Dividende für die Aktionäre, darunter den französischen Staat. Als Gründe für den ersten Verlust seit zehn Jahren nannte das Management am Freitag Belastungen durch Nissan sowie schlechter laufende Geschäfte in China. Ein Jahr zuvor hatte Renault noch einen Jahresüberschuss von 3,3 Milliarden Euro ausgewiesen. Für 2020 stellte Renault eine operative Marge zwischen 3 und 4 Prozent nach 4,8 Prozent im vergangenen Jahr in Aussicht.

Renaults Partner Nissan hatte nach einem Quartalsverlust im Zeitraum Oktober bis Dezember ebenfalls die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr zusammengestrichen. Die Allianz, zu der auch der japanische Autobauer Mitsubishi Börsen-Chart zeigen gehört, steckt nach der Entlassung von Konzernchef Carlos Ghosn wegen Veruntreuungsvorwürfen vor gut einem Jahr in einer tiefen Krise.


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Nissan versucht, mit einem massiven Personalabbau und der Schließung von Produktionsstandorten sein Überleben zu sichern. Nissan hatte bereits angekündigt, dass er wegen schwacher Verkäufe erstmals seit elf Jahren einen Quartalsverlust eingefahren hatte. Bisher hatte der japanische Autobauer Milliardenbeträge zum Renault-Gewinn beigetragen - im vergangenen Jahr waren es aber nur noch 242 Millionen Euro.

Ex-Seat-CEO Luca de Meo
Albert Gea/ REUTERS
Ex-Seat-CEO Luca de Meo

Der ab 1. Juli amtierende neue Renault-Chef Luca de Meo soll nun die Bund von Renault und Nissan zusammenhalten, in dem die Japaner auf mehr Eigenständigkeit dringen. Dem ehemaligen Seat-Chef wird das nötige Fingerspitzengefühl zugetraut, um die unterschiedlichen Kulturen aus asiatischen Unternehmen auf der einen und den Franzosen auf der anderen Seite zu moderieren. Renault hält 43,4 Prozent der Anteile an Nissan. Die Japaner sind zu 15 Prozent an Renault beteiligt, haben aber dabei keine Stimmrechte.

Der Umsatz des französischen Traditionskonzerns sank nun um 3,3 Prozent auf rund 55,5 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis verminderte sich um rund 30 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Die Dividende soll auf 1,10 Euro sinken nach 3,55 Euro zuvor.

Fabriken weltweit auf Prüfstand

Am Freitag kündigte Renault nun einen Sparplan mit einem Umfang von mindestens zwei Milliarden Euro an. Interimschefin Clotilde Delbos machte deutlich, dass dabei auch Fabriken in Frankreich und in der ganzen Welt auf dem Prüfstand stehen. "Wir haben kein Tabu, wir schließen nichts aus", sagte die Topmanagerin bei der Vorlage der Geschäftszahlen für 2019 in Boulogne-Billancourt bei Paris.

Delbos warnte vor Risiken im Zusammenhang mit der Covid-19 genannten Lungenkrankheit in China. Der Konzern habe dafür ein Krisenmanagement eingesetzt. Mit Ausnahme eines Standorts in Südkorea liefen derzeit alle Renault-Fabriken. Aus der besonders betroffenen Region Hubei in Zentralchina kommen aber viele Autoteile, sagte Delbos. Die Auswirkungen seien deshalb schwer abzusehen. "Das Problem ist: Wir haben keine Sicht", sagte sie.

Alle Autobauer stehen derzeit unter dem Druck hoher Investitionen in umweltschonende Antriebe, um die Klimavorgaben der EU zu erfüllen. Zusammen sind sie nach Meinung von Experten eher dazu in der Lage als getrennt. Der Trend in der Branche geht ohnehin in Richtung weiterer Kooperationen und Zusammenschlüsse. Eine Auflösung der Allianz wäre nach Ansicht von Analysten wegen der engen technischen Zusammenarbeit keine Alternative.

rtr/dpa/akn

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