Dienstag, 15. Oktober 2019

Nissan und Fiat Chrysler im Visier Renault bastelt offenbar an einem neuen Autogiganten

Renault und Nissan wollen offenbar fusionieren und danach noch Fiat Chrysler übernehmen

Der französische Autobauer Renault will einem Zeitungsbericht zufolge ins Rennen um die globale Marktführerschaft einsteigen und nimmt Übernahmen ins Visier. Innerhalb der nächsten zwölf Monate sollen Fusionsgespräche mit dem japanischen Partner Nissan aufgenommen werden, danach wolle Renault die Übernahme eines weiteren Autobauers ins Auge fassen, möglicherweise den Konkurrenten Fiat Chrysler, berichtete die "Financial Times" am Mittwoch.

Die Pläne signalisieren eine Rückkehr zu den Strategien des abgesetzten Renault-Chefs Carlos Ghosn, der vor zwei bis drei Jahren Gespräche mit Fiat Chrysler über ein Zusammengehen geführt hatte. Die französische Regierung hatte das Vorhaben damals nicht unterstützt, deshalb war es gescheitert.

Ghosn war wegen des von Nissan geäußerten Vorwurfs des finanziellen Fehlverhaltens Ende vergangenen Jahres in Japan verhaftet worden und wartet auf seinen Prozess, der Medienberichten zufolge im September beginnen soll. Ghosn hatte wiederholt seine Unschuld beteuert. Nissan hatte Ghosn kurz nach der Verhaftung entlassen, bei Renault trat er später zurück.

Der neue Renault-Verwaltungsratschef Jean-Dominique Senard ist bemüht, die Allianz mit Nissan und Mitsubishi auf neue Beine zu stellen. Die operative Zusammenarbeit der drei Marken soll von einem gemeinsamen Lenkungsgremium geführt werden, um die Machtkonzentration bei einem Manager zu verhindern. Das hatte auch Nissan-Chef Hiroto Saikawa befürwortet, der die machtvolle Position Ghosns kritisch gesehen hatte.

Dieser neue Anlauf habe Zuversicht geschaffen, dass man eine Fusion von Renault und Nissan wieder angehen könne, berichtete die "FT" unter Berufung auf Insider. Renault wolle die Gespräche "so früh wie möglich" aufnehmen, unter Führung von Senard. Der fusionierte Konzern wolle dann nach weiteren Übernahmezielen Ausschau halten, um ins Rennen um die globale Marktführerschaft mit Volkswagen Börsen-Chart zeigen und Toyota Börsen-Chart zeigen einzusteigen. Nissan und Renault lehnten eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Bei Fiat Chrysler war zunächst niemand zu erreichen.

Fiat Chrysler gilt in der Branche als Übernahmeziel. Vergangene Woche war spekuliert worden, Peugeot könne sich für den italienisch-amerikanischen Autobauer interessieren. Obwohl es sich um einen mittelständischen Autohersteller handelt, der jährlich fünf Millionen Fahrzeuge herstellt, wäre Fiat Chrysler, zu der die Marken Jeep und Alfa Romeo gehörten, mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 20 Milliarden Euro immer noch ein teures Ziel, schreibt das Blatt weiter. Renault, Nissan Börsen-Chart zeigen und das dritte Mitglied der Allianz, Mitsubishi Börsen-Chart zeigen, haben zusammen einen Marktwert von mehr als 50 Milliarden Euro.

Die Aktien von Fiat Chrysler Börsen-Chart zeigen reagierten mit einem Kursplus von 3,7 Prozent auf die neuen Spekulationen. Die Papiere von Renault Börsen-Chart zeigen kletterten in Paris um 3,6 Prozent, Aktien von PSA Peugeot Citroën Börsen-Chart zeigen gewannen 1,7 Prozent.

Renault und Nissan sind wechselseitig aneinander beteiligt. Zu der Allianz gehört auch der japanische Hersteller Mitsubishi Motors. Renault, an dem der französische Staat beteiligt ist, hält 43,4 Prozent der Anteile an Nissan, die Japaner ihrerseits 34 Prozent an Mitsubishi. Nissan ist zu 15 Prozent an Renault beteiligt, hat aber dabei keine Stimmrechte.

mg/rtr, dpa-afx

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung