Mittwoch, 26. Juni 2019

Zweifelhafte Millionenausgaben bei Tochter in Niederlanden Ghosn-Affäre bei Renault - Frankreich erstattet Anzeige

Carlos Ghosn: Nun droht ihm auch in den Niederlanden der Prozess
Behrouz Mehri/ AFP
Carlos Ghosn: Nun droht ihm auch in den Niederlanden der Prozess

Frankreich hat in der Affäre um den früheren Renault-Spitzenmanager Carlos Ghosn rechtliche Schritte angekündigt. Es werde Anzeige erstattet, bestätigte der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire am Mittwoch dem Fernsehsender BFMTV. Wenn der Staat Aktionär eines Unternehmens sei, müsse er sicherstellen, dass dessen Führung gut funktioniere, so Le Maire. Die Justiz müsse dann in der Sache entscheiden. Frankreich hält 15 Prozent an der Renault-Gruppe. Bis wann die Anzeige eingereicht werden solle, sagte Le Maire zunächst nicht.

Renault hat bei einer Tochtergesellschaft in den Niederlanden zweifelhafte Ausgaben von zusammen rund elf Millionen Euro entdeckt. Wie der Renault-Verwaltungsrat am Dienstagabend mitteilte, geht es dabei unter anderem um Kosten für Flugreisen des früheren Konzernchefs Ghosn. Auch in den Niederlanden sollten nun rechtliche Schritte gegen Ghosn geprüft werden.

Eine Überprüfung der gemeinsamen Tochtergesellschaft mit dem japanischen Partner Nissan Börsen-Chart zeigen bestätigte erste Hinweise, wonach es dort ebenfalls Mängel gab im Hinblick auf die finanzielle Transparenz und Verfahren zur Ausgabenkontrolle.

Nach der Verhaftung Ghosns in Japan war das von ihm geschaffene und kontrollierte französisch-japanische Auto-Bündnis zwischen Renault, Nissan und Mitsubishi in eine schwere Krise geraten. Ghosn war ein Verstoß gegen Börsenauflagen in Japan vorgeworfen worden. Der ehemalige Automanager wurde zudem mehrfach wegen weiterer angeblicher Vergehen angeklagt. Im April kam er zum zweiten Mal auf Kaution aus der Untersuchungshaft. Ghosn hatte die Anschuldigungen in Japan mehrfach zurückgewiesen.

Verwaltungsrat berät heute über Fusion mit Fiat Chrysler

Unterdessen will der Verwaltungsrat des französischen Autobauers am Mittwoch weiter über das Fusionsangebot des italienischen Konkurrenten Fiat Chrysler Automobiles Börsen-Chart zeigen (FCA) beraten. Das Gremium habe beschlossen, die Möglichkeit eines solchen Zusammengehens weiter mit Interesse zu prüfen und die Diskussion darüber fortzusetzen, teilte Renault am Dienstagabend mit.

Insidern zufolge hatten Fiat Chrysler und die französische Regierung vorher einen Kompromiss über die künftige Beteiligung des Staates an Renault gefunden und damit die Grundlage für den Start formeller Gespräche geschaffen. Fiat Chrysler hat Renault in der vergangenen Woche einen gut 30 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss vorgeschlagen. An Renault ist der französische Staat mit 15 Prozent beteiligt.


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Fiat Chrysler hatte vorgeschlagen, dass beide Unternehmensgruppen - also Renault und FCA - je die Hälfte an der neuen Gesellschaft halten. Durch die Fusion erhoffen sich die Konzerne jährliche Einsparungen von fünf Milliarden Euro. Zusammen würden sie auf 8,7 Millionen Fahrzeuge im Jahr kommen.

rei/mg/dpa-afx, rtr

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