Anteilsverkauf in Korea Renault stärkt die Geely-Connection

Mit einem Deal in Korea vertieft der französische Autobauer die Verbindung zum chinesischen Geely-Konzern. Auch in anderen Märkten wollen die beiden zusammen arbeiten. Gleichzeitig will Renault den Mobilitätsservice stärken.
Auf Partnersuche: Renault-Chef Luca De Meo verbündet sich mit Geely

Auf Partnersuche: Renault-Chef Luca De Meo verbündet sich mit Geely

Foto: MIGUEL MEDINA / AFP

Der unter Druck stehende französische Autobauer Renault stärkt seine Verbindungen zum chinesischen Autokonzern Geely. Konzernchef Luca De Meo (54) verkauft etwa ein Drittel der koreanischen Tochter an die Chinesen. Für 207 Millionen Dollar hält Geely künftig 34 Prozent der Anteile an Renault Korea. Die Übernahme werde in einem Markt mit hohem Wachstumspotenzial Synergien schaffen, erklärte das Unternehmen am Dienstag. Beide Hersteller wollen auf dem von Hyundai-Konzern dominierten Markt künftig gemeinsam Autos entwickeln und verkaufen.

Damit verstärkt De Meo die Geely-Connection. Obwohl Renault in einer langjährigen Kooperation mit den beiden japanischen Autobauern Nissan und Mitsubishi verbandelt ist, hatte er sich zuletzt mit Volvo-Eigner und Mercedes-Großaktionär aus China eingelassen. So will De Meo auch in China selbst einen neuen Anlauf mit Geely wagen, nachdem es mit dem ursprünglichen Partner Nissan nicht geklappt hatte. Im April berichtete die US-Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die Überkreuzbeteiligung mit Nissan sogar ganz zur Disposition stehen würde.

In Korea bleibt Renault größter Anteilseigner des Joint Ventures. Auch der 20-Prozent-Anteil von Samsung bleibt unverändert. Bereits im Januar hatten Renault und Geely verkündet, ab 2024 mit einem neuen Hybridmodell in Korea um Käuferinnen und Käufer zu buhlen. Das Design des neuen Autos wollen die Franzosen liefern, die Technologie soll die koreanische Tochter liefern – und Geely die Plattform.

Renault erlebt gerade schwierige Zeiten. Im ersten Quartal war der Umsatz so stark eingebrochen wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr, um 17 Prozent. Das Russland-Geschäft, bislang der zweitwichtigste Markt für Renault, ist zum Erliegen gekommen. Von der Mehrheitsbeteiligung am größten russischen Autobauer Avtovaz hat Renault sich inzwischen für den Preis von angeblich nur einem Rubel getrennt. Der Börsenwert des Konzerns ist seit Beginn des Krieges massiv eingebrochen, Renault hat nur noch eine Marktkapitalisierung von 6,5 Milliarden Euro. De Meo hat außerdem Überlegungen öffentlich gemacht, das Elektrogeschäft künftig womöglich von der Verbrennersparte zu trennen und gar als eigenständiges Unternehmen weiterzuführen.

Zur Neuorientierung gehört auch eine stärkere Fokussiuerung auf Mobilitätsdienste. Die Carsharing-Sparte Mobilize soll kräfitg wachsen und bis zum Ende des Jahrzehnts ein Fünftel der Konzernumsätze machen. Der Finanzarm des Konzerns soll künftig Mobilize Financial Service heißen, teilte Renault ebenfalls am Dienstag mit. Bis 2030 soll die Sparte eine Million Leasing-Autos anbieten und 200.000 Car-Sharing-Fahrzeuge – von denen 80 Prozent elektisch fahren sollen. Heute hat Renault nur etwa 8000 Fahrzeuge im Carsharing und rund 350.000 im Leasing. Die Zahl der Ladesäulen soll sich von heute 22.000 auf dann 165.000 erhöhen.

De Meo erhofft sich dadurch ein lukratives Zusatzgeschäft. Heute machen die Finanz-, Leasing- und Carsharing-Dienste etwa 6 Prozent des Jahresumsatzes von zuletzt gut 46 Milliarden Euro aus. Bis 2025 soll der Anteil auf 10 Prozent, bis 2030 dann auf 20 Prozent steigen. Ingesamt soll das Mobilize-Geschäft hochprofitabel werden. De Meo erhofft sich schon ab 2027 zweistellige Renditen in jeder Kategorie.

lhy