Dienstag, 2. Juni 2020

Frankreich stellt Bedingungen für Staatshilfe "Ja, Renault könnte verschwinden"

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire
Ian Langsdon / Pool / AFP
Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire sieht den Autohersteller Renault in einer schweren Krise. "Ja, Renault könnte verschwinden", sagte Le Maire dem Radiosender "Europe 1" am Freitag. Das Unternehmen müsse sich anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Aufsichtsratschef Jean-Dominique Senard genieße das Vertrauen des Staats, der mit rund 15 Prozent der Aktien beteiligt ist. Senard arbeite hart an einem Sanierungsplan, der bis zum kommenden Mittwoch vorliegen solle.

"Renault kämpft um sein Überleben", sagte Le Maire der Zeitung "Le Figaro" am Freitag. Der Konzern habe ein staatlich garantiertes Darlehen von fünf Milliarden Euro beantragt, so der Minister. "Ich habe dieses Darlehen noch nicht unterzeichnet." Die Regierung fordere von Renault Börsen-Chart zeigen, "Verpflichtungen in drei Bereichen einzugehen: beim Elektrofahrzeug, beim Respekt gegenüber ihren Zulieferern und bei der Lokalisierung ihrer technologisch fortschrittlichsten Aktivitäten in Frankreich."

Le Maire betonte außerdem, dass Renaults große Fabrik Flins im Pariser Großraum nicht geschlossen werden dürfe. "Dies ist die Position der Regierung und des Staates als Aktionär", sagte Le Maire am Freitagmorgen dem Sender Europe 1. Man warte nun auf die Vorschläge des Renault-Vorsitzenden. "Es besteht dringender Handlungsbedarf", warnte er. Er habe den Ernst der Krise nie verheimlicht und verheimliche den Ernst der Situation von Renault nicht, so der Minister.

Allerdings wisse er auch, dass Renault über außergewöhnliche Ressourcen, außergewöhnliche Technologien, motivierte Mitarbeiter und kompetente Arbeitskräfte verfüge. Seiner Meinung nach kann und wird das Unternehmen wieder auf die Beine kommen, wenn es eine Strategie definiere.

Auch Allianzpartner Nissan bereitet größere Einschnitte vor

Le Maire sieht dabei als richtige Strategie, das Unternehmen zu einem der technologisch fortschrittlichsten Hersteller der Welt zu machen, der bei Elektrofahrzeugen an der Spitze steht. Die Firmenleitung müsse garantieren, "dass Frankreich künftig das weltgrößte Zentrum der Produktion von Elektroautos für Renault wird", betonte der Minister.

Schon nach dem Skandal um den früheren Konzernchef Carlos Ghosn war der Hersteller in Turbulenzen geraten. Der japanische Partner Nissan hatte bereits 2019 den Abbau von 12.500 Stellen angekündigt. Laut der Nachrichtenagentur Kyodo arbeitet Nissan ebenfalls an einer neuen Strategie, die Mitte kommender Woche vorliegen solle und ein größeres Ausmaß an Kürzungen von bis zu 20.000 Jobs vorsehe. Offiziell wurde der Bericht nicht kommentiert.

Die Corona-Pandemie und der damit verbundene Absatzeinbruch führten zu der verschärften Krise. Generell sagte Le Maire zu "Le Figaro": "Ich habe keine Skrupel, unsere Unternehmen zu retten. Welche andere Lösung gibt es? Sich mit Hunderttausenden von Entlassungen und Konkursen abzufinden? Das wäre für unsere Wirtschaft tödlich gewesen."

ak/reuters/dpa-afx

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