Montag, 22. April 2019

"Dauerhaft verhindert" Frankreich lässt Renault-Chef Ghosn nun doch fallen

Carlos Ghosn sitzt seit zwei Monaten in Japan in Haft: "Es müsse eine neue Etappe geben, wenn Ghosn dauerhaft verhindert sei"

Die französische Regierung strebt nun doch eine Ablösung von Carlos Ghosn als Chef des Autoherstellers Renault Börsen-Chart zeigen an. Finanzminister Bruno Le Maire sagte dem TV-Sender LCI am Mittwoch, dass die Regierung in den kommenden Tagen eine Verwaltungsratssitzung fordere. Auf dieser solle dann die Nachfolge für Ghosn besprochen werden. Es müsse eine neue Etappe geben, wenn Ghosn dauerhaft verhindert sei, begründete Le Maire den Schritt.

Ghosn ist bei Renault offiziell immer noch Konzernchef, sein französischer Titel lautet Président-directeur général. Das operative Geschäft wird aber schon seit längerem von seinem bisherigen Stellvertreter Thierry Bolloré geführt. Nissan Börsen-Chart zeigen und Mitsubishi Börsen-Chart zeigen hatten Ghosn nur wenige Tage nach seiner Festnahme als Verwaltungsratschef gefeuert.

Die Regierung in Paris ist mit 15 Prozent der größte Anteilseigner bei Renault. Sie hatte bislang an Ghosn festgehalten, dem in Japan schwerer Vertrauensbruch und Finanzverstöße vorgeworfen werden. Der ehemalige Nissan-Chef sitzt deswegen in Untersuchungshaft. Einen Antrag auf Freilassung gegen Kaution lehnte ein Gericht am Dienstag ab.

Ghosn geriet zuletzt weiter unter Druck. Die Staatsanwaltschaft in Tokio erhob vergangene Woche zwei weitere Anklagen wegen Finanzverstößen. Der 64-Jährige soll nicht nur in den fünf Jahren bis 2015, sondern auch in den vergangenen drei Geschäftsjahren seine Einkünfte zu niedrig angegeben haben. Ghosn sitzt bereits seit dem 19. November in Untersuchungshaft. Der Staatsanwaltschaft zufolge drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Ghosn sagt, er sei "unrechtmäßig angeklagt".

Einst wurde Ghosn dafür gefeiert, dass er Nissan vor der Pleite gerettet hat. Seit er festgenommen wurde, wankt die Auto-Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi. Der Manager war die treibende Kraft hinter dem Bündnis.

Am Mittwoch hatte Regierungssprecher Benjamin Griveaux gesagt, dass die französische Regierung eine Delegation nach Tokio geschickt habe. Es gehe dort um die Zukunft der Allianz zwischen Renault und Nissan. Von der Stabilität dieser Allianz hingen allein in Frankreich Tausende Arbeitsplätze ab, sagte Griveaux. Ergänzend hieß es aus Kreisen des Élyséepalastes, diese Allianz müsse zur Zukunftssicherung der Hersteller unbedingt bewahrt werden.


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Schon seit längerem wird in Paris darüber spekuliert, dass der bisherige Chef des Zulieferers Michelin, Dominique Senard, den Präsidentenposten im Renault-Verwaltungsrat übernehmen könnte, während Bolloré weiter das operative Geschäft leiten werde.

mg/rtr, dpa-afx

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