Samstag, 21. September 2019

Französischer Minister bestätigt Renault-Chef Carlos Ghosn tritt zurück

Carlos Ghosn sitzt seit zwei Monaten in Japan in Untersuchungshaft

Der in Japan inhaftierte Automanager Carlos Ghosn (64) ist als Konzernchef von Renault Börsen-Chart zeigen zurückgetreten. Das hat der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg bestätigt. Der Staat ist bei Renault mit 15 Prozent beteiligt und spielt deshalb bei dem Autohersteller eine wichtige Rolle. Französische Medien berichten ergänzend unter Berufung auf den Minister, der amtierende Verwaltungsratschef Philippe Lagayette habe am Mittwochabend das Rücktrittsschreiben von Ghosn erhalten.

Der Verwaltungsrat von Renault wird um 10.00 Uhr zusammenkommen und dann voraussichtlich eine neue Doppelspitze küren. Die Geschäfte von Renault soll demnach auch offiziell Ghosn bisheriger Stellvertreter Thierry Bolloré führen, den Verwaltungsrat der derzeitige Chef des Reifenherstellers Michelin, Jean-Dominique Senard. Mit der neuen Führung würden Ghosns frühere Kompetenzen also auf Bolloré und Senard aufgeteilt.

Der 64-jährige Ghosn war am 19. November in Tokio zusammen mit seiner früheren rechten Hand Greg Kelly wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Zudem soll er laut Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan Börsen-Chart zeigen übertragen haben. Bis zu einem Prozess könnten noch Monate vergehen. Vor Gericht hatte der Topmanager seine Unschuld beteuert.

Der gebürtige Brasilianer Ghosn ist Architekt der Autoallianz aus Renault und der japanischen Hersteller Nissan und Mitsubishi. Er hatte 1999 von Renault kommend den Chefsessel bei Nissan übernommen, um den verschuldeten Konzern aus der Krise zu führen. 2005 rückte er dann auch an die Spitze von Renault.

Ghosn soll Millionenbeträge von Tochterfirma kassiert haben

Die Ablösung Ghosns in Frankreich kam nicht überraschend. Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire hatte zuvor mit deutlichen Worten eine Nachfolge gefordert. Es müsse eine neue Etappe geben, wenn Ghosn dauerhaft verhindert sei. Der Staat ist bei Renault ein wichtiger Spieler, er hält 15 Prozent der Anteile.

Ghosn hatte bisher ungeachtet der Anschuldigungen in Japan bei Renault den Titel Président-directeur général behalten. Der Traditionshersteller hatte aber bereits nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe in Japan Ghosns bisherigem Stellvertreter Thierry Bolloré vorläufig die Geschäftsführung übertragen. Renault stellte danach bei der Bezahlung Ghosns für die Jahre 2017 und 2018 keine Unregelmäßigkeiten oder Betrug fest. Weitere Untersuchungen für die Jahre davor laufen aber noch.

Renault und Nissan sind wechselseitig aneinander beteiligt. Nur wenige Tage nach seiner Festnahme war Ghosn von Nissan und Mitsubishi als Verwaltungsratschef gefeuert worden. Insbesondere in Frankreich gibt es Sorgen um den Bestand des von Ghosn aufgebauten und kontrollierten Auto-Imperiums.


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Erst am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass Ghosn unerlaubt Millionenbeträge von einer niederländischen Tochterfirma kassiert haben soll. Ghosn habe von dem niederländischen Gemeinschaftsunternehmen Nissan-Mitsubishi B.V. (NMBV) ohne vorgeschriebene Absprache mit den beiden anderen Vorstandsmitgliedern, Nissan-Chef Hiroto Saikawa und Mitsubishi Motors-Chef Osamu Masuko, rund 7,8 Millionen Euro Entschädigung erhalten, wie die beiden Renault-Partner bekanntgaben.

mg/dpa-afx, rtr

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