Mittwoch, 24. April 2019

Konflikt um Carlos Ghosn Renault greift Partner Nissan an

"Entgleisungen": Renault kritisiert die Ermittlungsmethoden seines japanischen Partners Nissan

Nach der Affäre um Ex-Vorstand Carlos Ghosn hätte Renault gute Gründe, die Allianz mit Nissan zu festigen. Doch statt dessen greifen die Franzosen ihren Partner öffentlich an, werfen ihm zweifelhafte Ermittlungsmethoden und "Entgleisungen" vor.

Eigentlich will Renault alles daran setzen, um nach der Affäre um Ex-Vorstandschef Carlos Ghosn die Allianz mit Nissan und Mitsubishi wieder zu festigen. Denn die hat offenbar unter dem eigenwilligen Manager gelitten. Hinzu kommt: Nissan produziert viel mehr Autos als der französische Partner, Renault aber hält doppelt so viele Aktien am Nissan-Konzern wie Nissan an Renault - die zudem noch ohne Stimmrecht sind.

Genügend Stoff für Zwist also, dem eigentlich mit Moderation und Kooperation statt Konfrontation begegnet werden müsste. Renault aber greift seinen Partner in der Affäre um Ghosn jetzt öffentlich an.

So kritisieren die Franzosen das Vorgehen Nissans bei internen Ermittlungen. Die Zeitung "Le Journal du Dimanche" zitiert am Sonntag aus einem Schreiben der Anwälte von Renault, in dem diese "ernsthafte Bedenken über die eingesetzten Methoden" von Nissan äußerten. Renault warf Nissan demnach "Entgleisungen" vor.

"Renault hat genügend Beweise gesammelt, um zu verstehen und zu bedauern, welche Methoden von Nissan und seinen Anwälten eingesetzt wurden, um zu erwirken, dass Beschäftigte von Renault durch die japanische Staatsanwaltschaft befragt werden", heißt es demnach in dem Brief. Er ist auf den 19. Januar datiert.

Nissan habe ohne Absprache in Frankreich belastende Indizien gesucht

Darüber hinaus habe Nissan in Frankreich nach belastenden Hinweisen gegen Ghosn gesucht, ohne Renault zu konsultieren, zitierte die Zeitung weiter aus dem Schreiben. Auch habe Nissan versucht, die Appartements von Ghosn in Brasilien, im Libanon und in den Niederlanden zu durchsuchen, ohne Renault darüber zu informieren.

Ein Nissan-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur afp, die Anwälte des japanischen Autobauers hätten auf das Schreiben bereits mehrfach mündlich und schriftlich geantwortet. Der Vorgang spiegele nicht den "derzeitigen Zustand der Gespräche" wider. Nissan habe sich immer für einen "offenen und direkten Austausch mit seinen Partnern ausgesprochen, um relevante Fakten aufzudecken".

Carlos Ghosn: Der Automanager hatte die Partnerschaft zwischen Renault, Nissan, Mitsubishi zum Erfolg geführt

Ghosn war am 19. November überraschend in Japan festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe jahrelang ein zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert und persönliche Verluste auf den Autobauer übertragen. Ghosn bestreitet die Vorwürfe.

Der einstige Vorzeigemanager trat im Januar als Chef von Renault zurück. Zuvor hatten bereits Nissan und Mitsubishi den 64-Jährigen als Vorsitzenden des Verwaltungsrats entmachtet. Die Festnahme von Ghosn hatte Risse zwischen Nissan und Renault gezeigt, die ihr Dreier-Bündnis mit Mitsubishi Motors eigentlich vertiefen wollen.

rei mit afp

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung