500.000 Autos weniger Chipkrise erwischt Renault viel härter als erwartet

Renault wird im laufenden Jahr mindestens 500.000 Autos weniger produzieren. Der weltweite Mangel an Bauteilen trifft den Hersteller damit viel härter als erwartet.
Renault: Gut eine halbe Million Autos werden im laufenden Jahr wegen der Chipkrise nicht produziert werden können

Renault: Gut eine halbe Million Autos werden im laufenden Jahr wegen der Chipkrise nicht produziert werden können

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Stephane Mahe/ REUTERS

Die Chipkrise wird bei Renault zu einem erheblichen Einnahmeverlust führen, der deutlich höher ausfällt aus ursprünglich erwartet. Hatte der französische Autobauer im September noch geschätzt, dass durch den Teilemangel 220.000 Fahrzeuge weniger produziert würden in diesem Jahr, erwartet Renault nun, dass 500.000 Fahrzeuge weniger vom Band rollen werden. Das teilte der Konzern am Freitag in Boulogne-Billancourt bei Paris mit.

Allein im dritten Quartal habe der Produktionsverlust des Autobauers rund 170.000 Wagen betragen, hieß es vom Unternehmen. An Aufträgen fehlt es dem Konzern derweil nicht, das Orderbuch sei Ende September so sehr gefüllt gewesen wie seit 15 Jahren nicht. Vor der Corona-Krise lag der Jahresabsatz bei 3,75 Millionen Pkw und Nutzfahrzeugen.

Renault verkaufte in den Monaten Juli bis September über alle Konzernmarken 599.027 Fahrzeuge und damit wegen der Probleme mit fehlenden Teilen 22,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatzeinbruch betrug 13,4 Prozent oder 9 Milliarden Euro, unter anderem weil die Preise anzogen. Renault hat sich unter dem neuen Chef Luca de Meo vorgenommen, weniger auf Masse zu setzen und stattdessen eher die Rendite ins Auge zu nehmen. Die operative Margenprognose für das Jahr behält der Konzern auch bei - sie soll in der Größenordnung der ersten sechs Monate liegen, als sie 2,8 Prozent betragen hatte.

Weltweit wohl elf Millionen Autos weniger, 180 Milliarden Euro Einnahmeverlust

Die Chipkrise macht der ganzen Branche zu schaffen. Das Prognosehaus IHS geht von etwa elf Millionen Autos weltweit aus, die in diesem Jahr nicht vom Band rollen können. Experten der Unternehmensberatung Boston Consulting und PwC schätzen den Produktionsausfall über alle Hersteller im laufenden Jahr auf zehn bis elf Millionen. Die Beratungsfirma Alix Partners wiederum ging Ende September davon aus, dass der anhaltende Chipmangel die globale Autoindustrie im laufenden Jahr Einnahmen in Höhe von mindestens 189 Milliarden Euro kosten dürfte. Im Mai war sie noch von 110 Milliarden Dollar ausgegangen.

Auch Volkswagen bleibt davon nicht verschont. Das Stammwerk Wolfsburg kann in diesem Jahr nach Informationen eines Insiders womöglich keine 400.000 Fahrzeuge produzieren. Vor der Corona-Krise wurde eine Jahresproduktion von 820.000 Fahrzeugen angepeilt - lesen Sie hier den Hintergrund zu Produktionsrückgängen und möglichen Stellenstreichung bei der Kernmarke VW in Deutschland . Auch andere VW-Töchter haben Probleme: Die tschechische VW-Tochter Skoda zum Beispiel wird im laufenden Jahr voraussichtlich eine Viertelmillion Autos weniger produzieren. Audi muss wegen Halbleitermangels in Ingolstadt und Neckarsulm die Kurzarbeit  bis Ende dieser Woche verlängern, wie viele Premium-Fahrzeuge weniger hier erwartet werden, ist noch unklar.

rei/Reuters/DPaA
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