Staatliche Förderung für Schnellladestationen Woran der Aufbau des E-Auto-Ladenetzes krankt

Um die Lade-Infrastruktur für Elektroautos zu verbessern, will der Bund bis 2023 rund 1000 neue Schnelladestationen fördern. Der niederländische Betreiber Fastned stünde bereit, doch er hat ein sehr deutsches Standorte-Problem.
Geplante Fastned-Schnelladestation mit angeschlossenem Shop: In Deutschland komme sein Unternehmen kaum an solche Standorte heran, meint CEO Michiel Langezaal

Geplante Fastned-Schnelladestation mit angeschlossenem Shop: In Deutschland komme sein Unternehmen kaum an solche Standorte heran, meint CEO Michiel Langezaal

Gelbe Dächer, oft mit Solarzellen bestückt, darunter meist über ein Dutzend Stecker fürs schnelle Stromziehen: Die Elektroauto-Tankstellen des niederländischen Anbieters Fastned lassen sich auch von der Autobahn aus gut erspähen.

Den mittlerweile börsennnotierten Spezialisten für das Schnellladen von E-Autos gibt es seit knapp zehn Jahren. In den Niederlanden betreibt Fastned über 100 "Ladeparks", wie CEO Michiel Langezaal (40) die Schnelladestationen seines Unternehmens nennt. An einigen besonders gefragten Standorten, etwa in der Nähe von Flughäfen, verdient Fastned nach Eigenauskunft bereits Geld.

Auch in Deutschland ist Fastned bereits präsent. Aktuell bieten die Niederländer an 19 deutschen Standorten Schnellademöglichkeiten von bis zu 300 kW je Ladepunkt an. Gut zehn weitere sollen in den kommenden Monaten eröffnet werden. Doch die Niederländer haben ein Strukturproblem: Für attraktive Standorte an deutschen Autobahnen "gibt es keinen öffentlichen, transparenten Marktzugang" beklagt Fastned-CEO Langezaal gegenüber manager magazin.

Dabei versucht die deutsche Bundesregierung gerade, den Rückstand in puncto Schnellladesäulen aufzuholen. Bis zum Jahr 2023 sollen mit staatlicher Förderung Ladesäulen mit einer Leistung von über 150 Kilowatt an 1000 zusätzlichen Standorten entstehen. Die Grundlage für entsprechende Ausschreibungen legte der Bundestag am Donnerstagabend mit einem Gesetz. "Die nächste Schnellladesäule muss in wenigen Minuten erreichbar sein", sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (46, CSU).

"Wer hunderte Autos pro Tag bedienen kann, macht auch ein Geschäft"

Die Grünen kritisieren das Programm als zu spät und unrealistisch, außerdem halten sie die von Scheuer festgelegte Leistungsuntergrenze für zu gering. Die werde schon in wenigen Jahren überholt sein, kritisierte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer (51). Nach Angaben des Verkehrsministeriums gibt es aktuell erst rund 800 Ladepunkte mit mehr als 150 Kilowatt - etwa 2,4 Prozent der gesamten öffentlich zugänglichen Ladesäulen in Deutschland.

Die Wirtschaft beklagt, derzeit könnten Ladesäulen noch nicht wirtschaftlich betrieben werden. Deshalb sind im Gesetz langfristige Verträge mit den Unternehmen geplant, die die "Schnelllade-Hubs" nach einer europaweiten Ausschreibung errichten und betreiben sollen.

Dass sich mit Ladesäulen kein Geld verdienen lässt – diese Behauptung hält Fastned-CEO Langezaal für falsch. An attraktiven Standorten lassen sich die Errichtungskosten für die Säulen innerhalb weniger Jahre hereinholen. Man müsse dabei etwas größer denken als viele der aktuellen Schnelllade-Anbieter, meint er im Gespräch mit manager magazin. Attraktiv für E-Auto-Fahrer werden künftig eher Stationen mit 12 oder 16 Ladepunkten sein, meint er. Denn dort hätten E-Auto-Fahrer bessere Chancen, eine freie Ladesäule zu finden, als wenn dort nur eine Handvoll CCS-Schnellladestecker vorhanden sind. "Wer an einem Standort hunderte Autos pro Tag bedienen kann, macht dann auch ein Geschäft", meint er.

Warum Tank & Rast auch über Ladesäulen gebietet

An die besten Lagen an deutschen Autobahnen heranzukommen sei aber sehr schwer. Denn derzeit ist der Zugang zu diesen Schlüsselstandorten in Händen der Tank & Rast GmbH, der Nachfolgerin der ehemaligen bundeseigenen "Gesellschaft für Nebenbetriebe der Bundesautobahnen". Tank & Rast hält die Konzession für beinahe alle Autobahnraststätten und deren Tankstellen in Deutschland. Das Unternehmen entscheidet also quasi im Alleingang darüber, wo Elektroauto-Ladesäulen entstehen können, meist neben einer konventionellen Tankstelle.

Dass die Bundesregierung nun die Errichtung von Schnelladesäulen staatlich fördern will, sei zwar gut, meint Langezaal. Wenn es aber echten Wettbewerb geben solle, müsse es auch einen offeneren Zugang zu dem Markt und eine andere Form der Standortvergabe geben – etwa in Form einer öffentlichen Ausschreibung. "Tank & Rast entscheidet im Alleingang, welche der 360 Standorte an deutschen Autobahnen eine Ladeinfrastruktur erhalten", so Langezaal. Die deutsche Bundesregierung sollte auch darüber entscheiden, ob es nicht zusätzliche neue Standorte geben solle – und diese dann öffentlich ausschreiben.

Das Bundeskartellamt untersuche, ob die aktuelle Standortvergabepraxis durch Tank & Rast möglicherweise wettbewerbswidrig sei. "Deutschland wäre viel besser bedient mit 500 oder 800 Servicearealen an Autobahnen statt aktuell nicht einmal 400", meint Langezaal.

Zwar haben Politiker nun durchgesetzt, dass das faktische Monopol von Tank & Rast bei konventionellen Tankstellen nicht auch aufs Stromtanken übertragen wird. Künftig kann Schnellladeinfrastruktur an Bundesfernstraßen auch an unbewirtschafteten Raststätten installiert werden. Dafür müssen aber erst einmal Standorte entstehen oder vergeben werden. Und ob diese dann für Elektromobilisten und damit für die Betreiber von Schnellladestationen attraktiv sein werden, ist noch fraglich: Denn schließlich heißt unbewirtschaftet ja, dass dort kein Kiosk oder Restaurant, sondern gerade mal Toiletten errichtet werden dürfen.

Fastned setzt auf transparente Ladepreise

"Wenn die richtigen Standorte zur Verfügung stehen, werden wir Ladestationen mit Dutzenden von Schnellladepunkten entlang der Autobahn bauen", kündigte Langezaal an. Anders als manche andere Schnelladeanbieter hat Fastned ein ziemlich transparentes Preissystem: Die Kilowattstunde Strom kostet europaweit 59 Cent für Gäste und registrierte Fastned-Mitglieder – und 35 Cent für Fastned-Kunden mit Gold Member Status, die für ihre Mitgliedschaft zwölf Euro monatlich bezahlen.

Beim von deutschen Autokonzernen aufgebauten Schnelladeanbieter Ionity sind es seit Februar mindestens 79 Cent je Kilowattstunde, sofern man nicht die Karte eines Ladenetzanbieters wie Shell Recharge verwendet. Wer bei Ionity über Ladeapps wie Plugsurfing lädt, zahlt aber teils noch deutlich mehr. Andere Ladesäulenbetreiber setzen dagegen auf eine Ladepauschale, oder auf eine Kombination von Centbeträgen per Kilowattstunde und je Lademinute. Transparent ist all dies für E-Auto-Fahrer nicht, was der Beliebtheit von Elektroautos mittelfristig nicht gerade zuträglich sein dürfte.

Ob die Bundesregierung tatsächlich von der bisherigen Standortvergabepraxis abrückt, muss sich noch beweisen. Fastned expandiert längst nicht nur in Deutschland. In Großbritannien baut das Unternehmen nun einen sogenannten "Superhub" auf, der an einem Ort 14.300 kW-Schnelladesäulen der Niederländer und 12 Supercharger-Ladeplätze von Tesla aufbieten wird. Nach Bekanntgabe der Kooperation zwischen Fastned, Tesla und der Ökostrom-Tochter des französischen Versorgers EDF stieg die Fastned-Aktie um fast 7 Prozent.

wed/dpa-afx