Autogeschäft zieht an PSA und Fiat Chrysler gehen mit robusten Zahlen in Fusion

Vor ihrer Fusion zum viertgrößten Autohersteller der Welt legen PSA und Fiat Chrysler ermutigende Zahlen vor. Die Franzosen steigern den Umsatz dank mehr verkaufter höherpreisiger Autos. Fiat Chrysler fährt einen Milliardengewinn ein.
Bald ein gemeinsamer Konzern: Die PSA Groupe mit den Stammmarken Peugeot und Citroën und Fiat Chrysler wollen zum viertgrößten Autobauer fusionieren.

Bald ein gemeinsamer Konzern: Die PSA Groupe mit den Stammmarken Peugeot und Citroën und Fiat Chrysler wollen zum viertgrößten Autobauer fusionieren.

Foto: Regis Duvignau/ REUTERS

Vor der entscheidende Phase der Fusion mit Fiat Chrysler kann der Opel-Mutterkonzern PSA auf ein robustes Geschäft und volle Auftragsbücher verweisen. So kletterte der Umsatz der Autosparte im dritten Quartal um 1,2 Prozent auf knapp zwölf Milliarden Euro. Ein Grund ist, dass der französische Konzern erneut mehr profitablere Fahrzeuge wie SUV verkaufte und höhere Preise durchsetzen konnte.

PSA konnte damit den Absatzrückgang von 12,7 Prozent auf rund 589.000 Fahrzeuge wettmachen. Besonders deutlich fiel der Absatz der Tochter Opel und ihrer britischen Schwester Vauxhall (minus 22,3 Prozent). Der Auftragseingang sei stabil gewesen, sagte Finanzchef Philippe de Rovira. Von Januar bis Ende September verkaufte Opel 417.000 Autos, ein Minus von sogar mehr als 45 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Gleichwohl sei man profitabel, wie Opel-Chef Michael Lohscheller gegenüber der "FAZ" betonte: "Selbst wenn das Volumen niedrig ist, können wir mit jedem Fahrzeug Geld verdienen."

Einschließlich des zum Konzern gehörenden Zulieferers Faurecia schrumpfte der Umsatz der PSA-Gruppe leicht auf 15,5 Milliarden Euro. Nach neun Monaten lag der Konzernumsatz bei 40,6 Milliarden Euro und damit ein Viertel unter dem des Vorjahreszeitraums. Bei anderen Wettbewerbern bewegt sich der Umsatzrückgang nach neun Monaten etwa in gleicher Größenordnung. Angaben zum Gewinn machen die Franzosen erst wieder beim Jahresabschluss.

Das Ziel einer durchschnittlichen operativen Rendite von mehr als 4,5 Prozent in der Autosparte für den Zeitraum 2019 und 2021 bekräftigten die Franzosen trotz weiterer massiver Einschränkungen bei der Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie, die sich in den nächsten Wochen auch auf die Autonachfrage auswirken könnten.

Jenseits der coronabedingten Wirtschaftskrise sieht PSA seine geplante Mega-Fusion mit Fiat Chrysler auf einem guten Weg. Es sei ein "sehr guter Fortschritt" bei der Vorbereitung des Zusammenschlusses erzielt worden, bilanzierte Rovira bei einer Telefonkonferenz mit Analysten. So hätten die Unternehmen "gemeinsame Bedingungen" für die Fusion vereinbart.

Der Hersteller mit den Stammmarken Peugeot und Citroën hält an dem Zeitplan fest, die Fusion mit dem italienisch-amerikanischen Konkurrenten zum weltweit viertgrößten Hersteller bis Ende März abzuschließen. Der neue Konzern mit großen Standbeinen in Europa und Nordamerika soll Stellantis heißen. Fiat Chrysler (FCA) führt unter anderen die Marken Alfa Romeo, Dodge, Jeep oder Maserati. Es müssen noch mehrere Wettbewerbsbehörden grünes Licht geben, unter ihnen die Brüsseler EU-Kommission.

Fiat Chrysler fährt wieder Milliardengewinn ein

Fiat Chrysler selbst berichtete am Mittwoch über einen Milliardengewinn im dritten Quartal. Unter dem Strich lag der Nettogewinn bei 1,2 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatten hohe Abschreibungen in der kriselnden Europa-Sparte noch zu einem Verlust von 179 Millionen Euro geführt.

Ähnlich wie PSA gelang es dem künftigen Partner der Franzosen, mehr teurere Autos zu verkaufen während der Absatz zugleich zurückfiel. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern klettere so um 16 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Der Umsatz sank um 6 Prozent auf 25,8 Milliarden Euro.

Die Nordamerika-Sparte steht bei FCA für mehr als 70 Prozent des Umsatzes, in den restlichen Sparten erwirtschaftete der Konzern zudem zusammengenommen operativ weiter rote Zahlen. Weltweit hat Fiat Chrysler im dritten Quartal 1,03 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, 3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Von den Auslieferungen entfällt die Hälfte auf Nordamerika.

Fiat Chrysler hat wie andere Autobauer auch im dritten Quartal einen starken Zufluss bei den finanziellen Mitteln erwirtschaftet. Im ersten Halbjahr waren die Lager trotz Produktionsstopps im Corona-Lockdown noch vollgelaufen, diese Bestände konnte auch FCA nun deutlich abbauen. Fiat Chryler verbuchte im Quartal Rückstellungen für US-Rechtsstreitigkeiten vorwiegend rund um die Dieselaffäre in Höhe von 222 Millionen Euro.

rei/Reuters/dpa-afx