PSA-Spitzenmanager Bonnefont "Wir können derzeit keine Pläne mit Opel machen"

Yves Bonnefont, CEO der Marke DS und Vorstandsmitglied des Autoherstellers PSA (Peugeot, Citroën), über den schnellen Wechsel zu Elektroantrieben, weitreichende Plattform-Entscheidungen - und seine erzwungene Untätigkeit gegenüber Opel.
Der SUV DS7 ist derzeit der größte Stolz von PSAs Luxusableger DS, der einstigen Citroën-Nobelausstattungslinie

Der SUV DS7 ist derzeit der größte Stolz von PSAs Luxusableger DS, der einstigen Citroën-Nobelausstattungslinie

Foto: DS

Im Untergeschoß funkelt der neue SUV des französischen Präsidenten, im Eingangsbereich wird Champagner gereicht, direkt nebenan steht eine feuerrot lackierte Citroën DS aus den 1950er-Jahren: Es gibt hässlichere und unbequemere Orte als den DS-Store im Zentrum von Paris, um ein Interview mit dem Chef der jüngsten Luxusautomarke Europas zu führen.

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Yves Bonnefont soll die frühere Citroën-Nobelausstattungslinie DS zur eigenständigen Konkurrenz aus Frankreich für Audi, BMW und Mercedes machen. Dafür hat er im PSA-Konzern  ziemlich freie Hand: DS will jedes Jahr ein neues Modell mit eigenständigem Design und Ausstattung vorstellen. Zudem bringt DS die neuen Technologien des PSA-Konzerns vor ihren Konzernschwestern Peugeot und Citroën auf dem Markt.

Bonnefont wird in den kommenden Jahren Plugin- und reine Elektroantriebe forcieren. Wie weit er da auch auf Opel-Know-How zurückgreifen wird, kann er im Gespräch nur andeuten - aus einem durchaus plausiblen Grund.

manager-magazin.de: Herr Bonnefont, erstmal Gratulation: Ihr neuer Crossover DS7 Sportsback war das offizielle Fahrzeug von Frankreichs neuem Präsident Emmanuel Macron bei dessen Angelobung. Das Auto hat einen Dieselmotor an Bord. Wann steigt Macron auf ein rein elektrisches Auto um?

Yves Bonnefont: Erstmal ist das Herrn Macron überlassen, deshalb kann ich das nicht mit Sicherheit sagen. Aber in eineinhalb Jahren, also Anfang 2019, werden wir die Plugin-Hybridversion des DS7 auf den Markt bringen. Und das wird ein ziemlich spannendes Fahrzeug, auch von der Performance her.

mm.de: Wann kommt eine Version des DS7 auf den Markt, die ausschließlich mit Elektromotor fährt?

Bonnefont: Bislang ist das für den DS7 nicht geplant. Aber wir als PSAs Luxusmarke werden in Zukunft ein neues Automodell pro Jahr vorstellen. Und von all diesen Neuvorstellungen ab 2019 wird es entweder eine Plugin- oder eine vollelektrische Version geben.

Yves Bonnefont
Foto: REUTERS

Yves Bonnefont, 46, ist CEO der französischen Luxusmarke DS Automobiles, die zur PSA-Gruppe (Peugeot, Citroën) gehört. Bonnefont studierte Ingenieurswissenschaften und startete seine Karriere bei PSA. Im Jahr 1997 wechselte er die Seiten und arbeitete 15 Jahre lang als Berater für Arthur Andersen und McKinsey. 2012 kehrte er zu PSA als Strategiechef zurück. Seit Juni 2014 führt er die Marke DS und sitzt im PSA-Konzernvorstand.

mm.de: Was will die Marke DS bei Elektroautos anders machen als die beiden Konzernschwestermarken Peugeot und Citroen?

Bonnefont: Wir bei der PSA-Gruppe sehen elektrisches Fahren - und dabei meine ich sowohl vollelektrische Fahrzeuge als auch Plugin-Hybride - als sehr wichtige Zukunftstechnologie. Bei DS haben wir dabei eine spezielle Ausrichtung: Unser Plugin-Hybride oder rein elektrischen Versionen werden die höchstmotorisierte Leistungsstufe der jeweiligen Modelle darstellen. Ich glaube daran, dass Elektromotoren jene Drehzahlen liefern, die Kunden gerne haben. Deshalb sind wir auch in der Elektroauto-Rennserie Formel E aktiv - ich schätze richtig leistungsstarke Hybride und E-Autos. Reine Stadt-Elektroautos interessieren mich persönlich weniger.

mm.de: Wie viele Elektroautos will die PSA-Gruppe künftig verkaufen? Ihr Konkurrent Volkswagen strebt ja an, in sieben Jahren bereits ein Drittel seines Absatzes mit Elektroautos zu machen.

Bonnefont: Ich kann nur für die Marke DS sprechen. Da denke ich, dass bei DS im Jahr 2025 rund ein Drittel des Gesamtabsatzes auf Elektroautos und Plugin-Hybride entfallen dürften. Das hängt auch stark von gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. Sollten etwa Großstädte in Europa beschließen, dass die Stadtzentren nur mehr mit emissionsfreien Fahrzeugen befahren werden dürfen, dann könnte der Wechsel zu Elektroautos schneller erfolgen.

"Wir werden 2019 mit kleineren Elektroautos starten"

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mm.de: Viele ihrer Konkurrenten investieren bereits jetzt große Summen in Elektroautos und eigene Plattformen für E-Fahrzeuge. Wird es eine solche auch bei PSA geben?

Bonnefont: Als Autohersteller haben sie die Wahl, entweder eine Fahrzeugbasis rein für Elektroautos und Hybride zu bauen. Oder sie setzen auf eine so genannte "Multi-Energie-Plattform", wie wir es tun. Auf der selben Produktionsstraße können wir damit traditionelle Verbrennungsmotoren, Plugin-Hybride oder rein batterieelektrische Autos bauen. Deshalb können wir den Wandel beschleunigen, wenn Elektroautos schneller als erwartet von den Autokäufern angenommen werden.

mm.de: Sie konstruieren also keine Plattform ausschließlich für Elektroautos?

Bonnefont: Zumindest nicht kurzfristig, also bis zum Jahr 2020. Unsere neue Plattform ist derzeit in Entwicklung, wir bevorzugen Flexibilität. Das ist Konzernstrategie, die für alle Marken gilt.

mm.de: In welchen Segmenten wird der PSA-Konzern zuerst reine Elektroautos anbieten?

Bonnefont: Wir starten da bei kleineren Autos. Im Jahr 2019 wird unsere neue Plattform für Kleinwagen und einige Kompaktwagen-Modelle starten. Das ist Teil unseres "Push to Pass"-Strategieplans für den gesamten Konzern. Wir werden da zwei Elektroauto-Modelle in diesen Segmenten haben. Plugin-Hybridmodelle in diesen Segmenten könnten wir in einem zweiten Schritt einführen. Doch das Problem dabei ist, dass solche Autos zwei Technologien an Bord mitschleppen. Das braucht mehr Platz und Gewicht und passt nur schwer zu kleinen Autos.

mm.de: Welche Mindestreichweite sollen Elektroantriebe von PSA dann mitbringen, ab welchem Preis sollen die Autos angeboten werden?

Bonnefont: Der DS7 Plugin-Hybrid, den wir dann anbieten werden, wird rund 300 PS haben und 60 Kilometer rein elektrisch fahren können. Preislich wird er etwas über der nun vorgestellten limitierten Anfangsauflage des DS7 liegen, die bieten wir ab 54.000 Euro an.

mm.de: Was sind die Minimalanforderungen des PSA-Konzerns für rein batteriegetriebene Elektroautos?

Bonnefont: Das hängt vom Segment ab. Ich glaube aber, das wir da bei mindestens 300 Kilometer Alltagsreichweite liegen müssen.

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mm.de: In einigen Monaten dürfte PSA die Marke Opel vollständig übernehmen. Welche Rolle soll das Opel-Forschungszentrum in Rüsselsheim dann spielen, in dem Teile des Opel Ampera-e entwickelt wurden?

Bonnefont: Aktuell sind wir bei Opel exakt in der Periode zwischen dem Unterzeichnen der Verträge und dem Closing - also dem Zeitpunkt, zu dem wir alle regulatorischen Anerkennungen der verschiedenen Behörden erhalten. Wir rechnen damit, dass wir das Closing noch in diesem Jahr abschließen. Doch für die Zeit bis dahin gibt es sehr starke gesetzliche Einschränkungen. Wir können momentan nichts tun. Wir können nicht mal mit den Opel-Leuten an Plänen für die Zukunft arbeiten. Wenn wir nun etwas täten, könnten unsere Wettbewerber uns bei den Behörden anzeigen. Und das könnte die Fusion platzen lassen. Doch unsere generelle Philosophie ist es, die Eigenheiten und die Expertise von Opel zu erhalten.

mm.de: Opel machte zuletzt viel Werbung für sein Elektroauto Ampera-e, das großteils von General Motors entwickelt wurde. Wird Opel das Modell auch noch verkaufen können, wenn PSA Opel übernimmt?

Bonnefont: Ich kann dazu nichts Spannenderes sagen als das: Wir sind derzeit nicht autorisiert dazu, Pläne dafür zu machen. Wir können aktuell nicht mit den Opel-Leuten an Plänen arbeiten oder Entscheidungen fällen. Wir haben dazu nicht die Rechte. Als wir ankündigten, dass wir uns mit General Motors auf die Opel-Übernahme geeinigt haben, haben wir auch jene Bedingungen für den Deal veröffentlicht, zu denen wir damals berechtigt waren. Nach dem Abschluss der Übernahme können wir mehr erklären und zu arbeiten anfangen.

Bonnefont: mm.de: Wird Opel davon profitieren können, dass sich PSA mit der Marke DS nun in Richtung Luxussegment bewegt?

Bonnefont: In den vergangenen drei bis vier Jahren ist es dem PSA-Konzern richtig gut gelungen, die einzelnen Konzernmarken klar voneinander abzugrenzen. Wir haben da hart dran gearbeitet und nun ein klares Markenportfolio. Im September vergangenen Jahres haben wir mit Free2Move sogar noch eine eigene Mobilitätsmarke geschaffen. Ich bin sicher, sobald wir das Closing erzielt haben, können wir dieses Know-How auch auf Opel anwenden. Wir wollen sicherstellen, dass jede Marke ihr eigenes Territorium hat, um den Markenwert zu steigern. Die Marke Opel ist sehr wertvoll und es gibt sicher spannende Möglichkeiten.

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