Mittwoch, 27. Mai 2020

Die Auswirkungen des Opel-PSA-Deals auf Volkswagen Wie Opel und Peugeot Volkswagen gefährlich werden können

PSA-Chef Carlos Tavares will aus PSA und Opel einen "europäischen Champion" zimmern

2. Teil: Wie PSA vom Ampera-e profitiert, in welchen Märkten VW leiden dürfte

2. Elektromobilität: Erfahrung zählt

Die Wolfsburger, so sieht es die Marschroute bis 2025 vor, wollen bei Elektroautos ganz vorne mitspielen und bis 2025 dabei Weltmarktführer sein. Auf den ersten Blick droht VW da vom PSA/Opel-Verbund weniger Gefahr: Die Franzosen haben bislang kein eigenes Batterie-Auto auf die Räder gestellt. Bei der Vorstellung seines Strategieplans "Push to Pass" hatte Tavares allerdings für 2019 den Start eines eigenen E-Mobils angekündigt, dessen Reichweite dann mit den dann auf dem Markt befindlichen Fahrzeugen vergleichbar sein soll.

Klappt die Opel-Übernahme, könnte das allerdings schneller gehen. Denn Opel hat mit dem Ampera-e, dem Schwestermodell des Chevrolet Bolt, ein Auto im Angebot, das unter Alltagsbedingungen gut 350 Kilometer weit mit einer Akkuladung kommt. Zwar hat GM vermutlich seine Patente und Technologien für das Auto gut abgesichert. Doch die Opel-Projektleiter für den Ampera-e dürften auch wichtige Einblicke in die Produktion und Kalkulation des Autos erhalten haben. Das könnte den Franzosen helfen, hier schneller mit VW gleichzuziehen - zumal vor 2020 kein E-Volkswagen mit großem Akku auf die Straße rollt.

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3. Wachstumsmärkte: Supergünstig für Indien

Für ihr nach wie vor florierendes China-Geschäft müssen die Wolfsburger wohl nicht allzu viel von PSA befürchten. Zwar haben die Franzosen zuletzt - auch wegen ihres chinesischen Ankeraktionärs Dongfeng - in China deutlich Gas gegeben, neue Fabriken hochgezogen und Extra-Modelle für den chinesischen Markt eingeführt. Doch im vergangenen Jahr lief es im Reich der Mitte für PSA nicht richtig rund: Der Absatz sank von 736.000 (2015) auf 618.000 Fahrzeuge, der Marktanteil ging auf 2,7 Prozent zurück - und das, obwohl der chinesische Gesamtmarkt nach wie vor zulegte.

Ein schneller Export von Opel-Modellen nach China ist ohnedies nicht realistisch: Zum einen ist es wahrscheinlich, dass GM genau das in den Verkaufsverträgen ausgeschlossen hat. Zum anderen hat Tavares Ende Februar bei seiner Jahrespressekonferenz angekündigt, dass ein Export von Opel-Fahrzeugen außerhalb Europas zwar "absolut möglich ist". Aber erst dann, wenn Opel "Licht am Ende des Tunnels sieht", also profitabel arbeitet. Das dürfte laut den heute verkündeten Marschroute kaum vor 2020 der Fall sein. Dann noch eine komplett neue Marke in China einzuführen, dürfte teuer werden.

Ähnliches gilt übrigens auch für die USA. Dort ist PSA schon seit Jahrzehnten nicht mehr präsent und plant nun eine Art Soft-Rückkehr mit einem Ride-Service-Angebot, also einem neuen Mobilitätsdienst. Das dürfte wohl kaum eine tragfähige Basis für einen größeren Fahrzeug-Export mehrerer PSA-Marken sein.

Allerdings hat PSA ein paar potenzielle Wachstumsmärkte im Fokus, wo es deutlich schneller gehen könnte. Den Iran etwa, wo die Franzosen bereits Joint-Ventures mit lokalen Herstellern zur Fertigung vor Ort abgeschlossen haben. Der VW-Konzern hat dort noch gar nichts zu bieten. Oder auch Indien, wo PSA nun einen neuen Anlauf wagt. Die Franzosen haben sich vor wenigen Wochen einen neuen Partner für ein Joint-Venture geangelt und die traditionsreiche indische Marke Ambassador gekauft.

VW müht sich seit Jahren, in Indien richtig groß rauszukommen. Doch der Preiswettbewerb in Indien ist knallhart, Neuwagen werden teils für weniger als 4000 Euro angeboten. Da können die Wolfsburger nicht mitziehen. An einem echten Billigauto ist VW bislang gescheitert.

Supergünstig kann auch PSA - anders als Konkurrent Renault - bisher nicht so richtig gut. Doch im Verbund mit dem chinesischen Autohersteller und PSA-Aktionär Dongfeng könnte das bald klappen - und VW dann auch in Indien das Leben schwer machen. Der Erwerb der indischen Marke Ambassador, jahrzehntelang eines der billigsten Modelle in Indien, spricht jedenfalls dafür, dass sich PSA an einem Günstig-Auto für Indiens weniger Betuchte versuchen will.

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