Chipkrise Renault baut mindestens 300.000 Autos weniger

Der Autobauer Renault rechnet wegen der Chip-Krise offenbar mit einem deutlich höheren Produktionsausfall. Er könnte in diesem Jahr laut Insidern statt 220.000 weit über 300.000 Autos betragen.
Abtransport: Ein Sattelschlepper mit Renault Zoe beladen verlässt die Fabrik in Aubergenville, nahe Paris

Abtransport: Ein Sattelschlepper mit Renault Zoe beladen verlässt die Fabrik in Aubergenville, nahe Paris

Foto: Benoit Tessier/ REUTERS

Der französische Autobauer Renault befürchtet wegen des anhaltenden Mangels an Computerchips Insidern zufolge noch höhere Produktionsausfälle als bisher vorhergesagt. Mindestens 300.000 Fahrzeuge rollten in diesem Jahr deshalb weniger vom Band, sagten drei mit den Planungen Vertraute am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Im September hatte der Konzern noch mit einem Ausfall von 220.000 Autos gerechnet. Das Unternehmen wollte sich dazu nicht äußern.

Zwei der Personen aus Firmenkreisen nannten eine Spanne von 350.000 bis 380.000 Fahrzeugen, die wegen des Chip-Mangels nicht produziert werden könnten. Einer der Insider sprach sogar von bis zu 400.000 Autos weniger auf Jahressicht. Vor der Corona-Krise lag der Jahresabsatz bei 3,75 Millionen Pkw und Nutzfahrzeugen. Das Prognosehaus IHS geht von elf Millionen Autos weltweit aus, die in diesem Jahr nicht vom Band rollen können.

Auch bei Volkswagen wird die Situation immer gravierender. Das Stammwerk Wolfsburg kann in diesem Jahr nach Informationen eines Insiders womöglich keine 400.000 Fahrzeuge produzieren. Vor der Corona-Krise wurde eine Jahresproduktion von 820.000 Fahrzeugen angepeilt - lesen Sie hier den Hintergrund zu Produktionsrückgängen und möglichen Stellenstreichung bei der Kernmarke VW in Deutschland .

Auch andere VW-Töchter haben Probleme: Die tschechische VW-Tochter Skoda zum Beispiel wird im laufenden Jahr voraussichtlich eine Viertelmillion Autos weniger produzieren. Audi muss wegen Halbleitermangels in Ingolstadt und Neckarsulm die Kurzarbeit  bis Ende dieser Woche verlängern, wie viele Premium-Fahrzeuge weniger hier erwartet werden, ist noch unklar.

Der Produktionsausfall in der Autobranche durch den akuten Mangel an Elektronik-Bauteilen nimmt nach Schätzungen von Unternehmensberatern insgesamt immer größere Ausmaße an. "Wir gehen davon aus, dass zehn bis elf Millionen Fahrzeuge in diesem Jahr nicht gebaut werden können", sagte Albert Waas, Partner bei der Unternehmensberatung Boston Consulting, unlängst der "Welt am Sonntag".

Auch die Beratungsgesellschaft PwC rechnet laut SPIEGEL damit, dass 2021 bis zu elf Millionen Autos weniger produziert und verkauft werden als im Vorjahr. "Die Probleme haben sich im dritten Quartal verschärft und werden bis weit in das nächste Jahr andauern", sagte der Leiter des Bereichs Automotive bei PwC, Felix Kuhnert, dem Magazin.

Die Beratungsfirma Alix Partners wiederum ging Ende September davon aus, dass der anhaltende Chipmangel die globale Autoindustrie im laufenden Jahr Einnahmen in Höhe von 210 Milliarden US-Dollar (179 Milliarden Euro) kosten dürfte. Im Mai war sie noch von 110 Milliarden Dollar ausgegangen.

rei/Reuters
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