Prevent - die Strippenzieher bei VWs Zoff-Zulieferern Dieses Unternehmen steckt hinter dem Stillstand bei VW

Hauptsitz der Prevent DEV in Warmenau bei Wolfsburg: Der Zulieferer stammt aus Bosnien-Herzegowina - und hat neben einer Auto- auch noch eine Möbelsparte

Hauptsitz der Prevent DEV in Warmenau bei Wolfsburg: Der Zulieferer stammt aus Bosnien-Herzegowina - und hat neben einer Auto- auch noch eine Möbelsparte

Foto: DPA
Fotostrecke

Kurzarbeit wegen Zulieferer-Zoff: Diese VW-Werke sind betroffen

Foto: FABIAN BIMMER/ REUTERS

Es gibt harte Vorwürfe vom VW-Betriebsrat, drängende Politiker, und Treffen beider Seiten in einem Hotel in Wolfsburg: Im Konflikt zwischen dem Volkswagen-Konzern und zwei seiner Zulieferer, der zu Produktionsstopps in mehreren VW-Werken geführt hat, wird mit sämtlichen Bandagen gekämpft.

Auslöser des Streits zwischen VW und seinen beiden Lieferanten ES Automobilguss (Getriebeteile) und Car Trim (Sitzbezüge) war ein Streit um die Kündigung von Aufträgen. Aus Sicht von ES und Car Trim sollen die Wolfsburger bereits vereinbarte Lieferungen frist- und grundlos gekündigt haben. Dafür habe der Konzern aber keinen Ausgleich gewährt, heißt es im Umfeld der beiden Zulieferer.

VW sieht dies naturgemäß anders. Die Forderungen von ES und Car Trim seien stark überhöht gewesen, heißt es bei den Wolfsburgern. Viele Hintergründe des Streits bleiben unklar - klar ist immerhin, dass beide Seiten weiterverhandeln. Und auch die Zulieferer betonen, dass ihnen an einer gütlichen Einigung gelegen sei. ES streitet nicht nur mit VW vor Gericht: Auch mit dem Autohersteller Daimler gibt es eine juristische Auseinandersetzung um Verträge, die Daimler im Jahr 2013 gekündigt hat.

Viele Hintergründe des Streits zwischen ES und VW bleiben jedoch weiterhin im Dunklen - wie auch die Eigentümer beider Unternehmen, die bosnische Prevent-Gruppe. Die hat sich gleich zu Anfang des Konflikts elegant aus der Affäre gezogen: Juristisch sei sie mit den ES Automobilguss und dem Sitzbezug-Lieferanten Car Trim gar nicht verbunden, behauptete die Prevent DEV GmbH aus Wolfsburg vergangene Woche. "Wir haben auch keinen Durchgriff auf die betroffenen Gesellschaften", erklärt die Firma.

Ein bosnischer Konzern, der lieber im Stillen wirkt

Juristisch mag das sogar zutreffen, wie Recherchen von manager-magazin.de zeigen. Doch noch viel spannender ist die Frage: Wer sind die Strippenzieher im Hintergrund, die den Konflikt mit dem größten Autohersteller der Welt aufnehmen?

Ihren formalen Hauptsitz hat die Prevent-Gruppe zwar in Slowenien. Doch groß geworden ist das Unternehmen in Bosnien-Herzegowina. In Bosnien ist die Prevent-Gruppe mit insgesamt 15 Produktionsstandorten und einer eigenen Bank einer der größten Arbeitgeber. Laut eigenen Angaben beschäftigt der Konzern in seiner Heimat 6500 Leute.

Doch auch dort wirkt das Unternehmen und sein Management lieber im stillen, wie ein guter Kenner des Landes gegenüber manager-magazin.de erklärte. Das Angebotsspektrum der ASA Prevent-Gruppe ziemlich breit: Ihre Unternehmen stellen nicht nur Auto-Sitzbezüge oder Getriebegehäuse her. Eine Tochter, die Prevent TWB, hat sich auf Sitzstrukturen spezialisiert. Das sind jene Drahtgestelle, die sich unter der Polsterung der Autositze verbergen. Bremsen für die Autoindustrie produziert das Unternehmen auch.

Von Schutzkleidung bis zu Yachten

Begonnen hat Prevent mit Schutzkleidung, heute zählen aber auch Interieurstoffe für Wohnungen und Couches sowie Modetextilien zum Programm. Mit dem Unternehmen Neofacture hat die Prevent-Gruppe auch einen Hersteller von Polstermöbeln im Programm. Eine Prevent-Tochter fertigt sogar Yachten.

Das auf den ersten Blick wilde Sammelsurium an Geschäftszweigen hat durchaus System und lässt sich aus der Firmenhistorie ableiten, wie ein Bosnien-Kenner gegenüber manager-magazin.de erklärte. Der Gründer der ASA Prevent-Gruppe, der bosnische Geschäftsmann und Ingenieur Nijaz Hastor, soll jahrelang in leitender Position im bosnischen Automobilwerk Tvorinica Automobila Sarajewo (TAS) tätig gewesen. Das Werk fertigte ab 1972 bis 1992 VW-Modelle - zuerst den Käfer, danach den Golf, Jetta und den Caddy.

Die Produktion endete aufgrund des Bosnienkrieges. Nach dem Ende des Krieges gelang es Hastor auch aufgrund guter politischer Verbindungen, bei den Privatisierungen in Bosnien mitzubieten. Durch seine Führungsposition in dem VW-Werk verfügte er über gute Fachkenntnisse in der Autoindustrie - und hatte gute Kontakte nach Westeuropa.

Prevent-Gründer "hat ein gutes Gespür dafür, wo Geld liegt"

Fotostrecke

Ranking der umsatzstärksten Autozulieferer 2015: Das sind die 10 weltgrößten Autozulieferer, die 2015 blendend verdienten

Foto: Franziska Kraufmann/ dpa

Seine Branchenkenntnis und sein Netzwerk nutzte Hastor geschickt. Die von ihm übernommenen Zuliefererbetriebe wuchsen kräftig - wohl auch, weil er dabei sehr professionell vorging, wie der Bosnien-Kenner erläuterte. Anders als viele Unternehmer in den Balkanstaaten suchte Hastor nie allzu große Nähe zur Politik und drängte auch nicht ins öffentliche Rampenlicht seines Landes. Seine Unternehmen, so meint der Landeskenner, sind nach westlichen Management-Maßstäben geführt, Hastors Fokus liegt klar auf der Automobilindustrie. Manche der von ihm übernommenen Zulieferer hatten aber Nebensparten wie etwa den Yachtbau, die Prevent behalten hat.

Prevents Engagement im Möbel-Sektor erklärt ein Landeskenner so: "Hastor erkannte wohl früh, dass Bosnien-Herzegowina auf sehr viel Holz sitzt. Da könnte er billig produzieren. Leute seines Schlages haben ein gutes Gespür dafür, wo Geld liegt."

Die Familie Hastor gilt in Bosnien-Herzegowina als eine der reichsten Familien des Landes. Einen Großteil des operativen Geschäfts hat Nijaz Hastor aber an seine Söhne Kenan und Damir abgetreten.

Die personellen Verflechtungen der Hastors

Kenan Hastor taucht im Umfeld des deutschen Autozulieferers Car Trim auf. Er ist Geschäftsführer der Parramatta Capital Holding, die im Handelsregister als Eigentümerin von Car Trim eingetragen ist. Und bis vor wenigen Monaten war Kenan Hastor auch Geschäftsführer der deutschen Prevent DEV GmbH. Zudem haben bosnische Zeitungen im Mai dieses Jahres die Übernahme von Car Trim durch Prevent vermeldet.

Ähnlich verworren ist die Eigentümerstruktur auch bei ES Automobilguss. Die gehört seit Oktober 2015 zum überwiegenden Teil einer Bloukrans Ohlanga Capital Holding mit Sitz in Wolfsburg. Alleineigentümerin von Bloukrans ist eine Eastern Horizon Group Netherlands mit Sitz in Amsterdam, deren Eigentümerstruktur vorerst unklar bleibt. Die niedersächsische Wolfenbütteler Zeitung meldete jedoch im Mai, dass ES Automobilguss ins Portfolio der Wolfsburger Prevent DEV GmbH aufgenommen wurde.

Leichter nachweisbar sind da zwei weitere Aktivitäten der Hastor-Familie: Kenan Hastor hat sich mit über die Beteiligungsgesellschaft Tahoe Investment, bei der er als Geschäftsführer fungiert, bei dem Küchenhersteller Alno eingekauft und könnte über ein Optionsgeschäft bald zweitgrößter Einzelaktionär des angeschlagenen Unternehmens werden.

Sein Vater Nijaz wiederum bleibt lieber der Autobranche treu. Über seine Investmentfirma Halog hat sich der bosnische Unternehmer im März 10,2 Prozent der Anteile am deutschen Autozulieferer Grammer gesichert, und seine Beteiligung zuletzt auf 15 Prozent ausgebaut. Möglicherweise will Hastor das deutsche SDax-Unternehmen übernehmen. Deutschlands Zulieferer dürften den Namen des bosnischen Entrepreneurs wohl noch öfters hören.

Lesen Sie dazu auch: