Sonntag, 21. Juli 2019

Prevent - die Strippenzieher bei VWs Zoff-Zulieferern Dieses Unternehmen steckt hinter dem Stillstand bei VW

Hauptsitz der Prevent DEV in Warmenau bei Wolfsburg: Der Zulieferer stammt aus Bosnien-Herzegowina - und hat neben einer Auto- auch noch eine Möbelsparte

Es gibt harte Vorwürfe vom VW-Betriebsrat, drängende Politiker, und Treffen beider Seiten in einem Hotel in Wolfsburg: Im Konflikt zwischen dem Volkswagen-Konzern und zwei seiner Zulieferer, der zu Produktionsstopps in mehreren VW-Werken geführt hat, wird mit sämtlichen Bandagen gekämpft.

Auslöser des Streits zwischen VW und seinen beiden Lieferanten ES Automobilguss (Getriebeteile) und Car Trim (Sitzbezüge) war ein Streit um die Kündigung von Aufträgen. Aus Sicht von ES und Car Trim sollen die Wolfsburger bereits vereinbarte Lieferungen frist- und grundlos gekündigt haben. Dafür habe der Konzern aber keinen Ausgleich gewährt, heißt es im Umfeld der beiden Zulieferer.

VW sieht dies naturgemäß anders. Die Forderungen von ES und Car Trim seien stark überhöht gewesen, heißt es bei den Wolfsburgern. Viele Hintergründe des Streits bleiben unklar - klar ist immerhin, dass beide Seiten weiterverhandeln. Und auch die Zulieferer betonen, dass ihnen an einer gütlichen Einigung gelegen sei. ES streitet nicht nur mit VW vor Gericht: Auch mit dem Autohersteller Daimler gibt es eine juristische Auseinandersetzung um Verträge, die Daimler im Jahr 2013 gekündigt hat.

Viele Hintergründe des Streits zwischen ES und VW bleiben jedoch weiterhin im Dunklen - wie auch die Eigentümer beider Unternehmen, die bosnische Prevent-Gruppe. Die hat sich gleich zu Anfang des Konflikts elegant aus der Affäre gezogen: Juristisch sei sie mit den ES Automobilguss und dem Sitzbezug-Lieferanten Car Trim gar nicht verbunden, behauptete die Prevent DEV GmbH aus Wolfsburg vergangene Woche. "Wir haben auch keinen Durchgriff auf die betroffenen Gesellschaften", erklärt die Firma.

Ein bosnischer Konzern, der lieber im Stillen wirkt

Juristisch mag das sogar zutreffen, wie Recherchen von manager-magazin.de zeigen. Doch noch viel spannender ist die Frage: Wer sind die Strippenzieher im Hintergrund, die den Konflikt mit dem größten Autohersteller der Welt aufnehmen?

Ihren formalen Hauptsitz hat die Prevent-Gruppe zwar in Slowenien. Doch groß geworden ist das Unternehmen in Bosnien-Herzegowina. In Bosnien ist die Prevent-Gruppe mit insgesamt 15 Produktionsstandorten und einer eigenen Bank einer der größten Arbeitgeber. Laut eigenen Angaben beschäftigt der Konzern in seiner Heimat 6500 Leute.

Doch auch dort wirkt das Unternehmen und sein Management lieber im stillen, wie ein guter Kenner des Landes gegenüber manager-magazin.de erklärte. Das Angebotsspektrum der ASA Prevent-Gruppe ziemlich breit: Ihre Unternehmen stellen nicht nur Auto-Sitzbezüge oder Getriebegehäuse her. Eine Tochter, die Prevent TWB, hat sich auf Sitzstrukturen spezialisiert. Das sind jene Drahtgestelle, die sich unter der Polsterung der Autositze verbergen. Bremsen für die Autoindustrie produziert das Unternehmen auch.

Von Schutzkleidung bis zu Yachten

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Begonnen hat Prevent mit Schutzkleidung, heute zählen aber auch Interieurstoffe für Wohnungen und Couches sowie Modetextilien zum Programm. Mit dem Unternehmen Neofacture hat die Prevent-Gruppe auch einen Hersteller von Polstermöbeln im Programm. Eine Prevent-Tochter fertigt sogar Yachten.

Das auf den ersten Blick wilde Sammelsurium an Geschäftszweigen hat durchaus System und lässt sich aus der Firmenhistorie ableiten, wie ein Bosnien-Kenner gegenüber manager-magazin.de erklärte. Der Gründer der ASA Prevent-Gruppe, der bosnische Geschäftsmann und Ingenieur Nijaz Hastor, soll jahrelang in leitender Position im bosnischen Automobilwerk Tvorinica Automobila Sarajewo (TAS) tätig gewesen. Das Werk fertigte ab 1972 bis 1992 VW-Modelle - zuerst den Käfer, danach den Golf, Jetta und den Caddy.

Die Produktion endete aufgrund des Bosnienkrieges. Nach dem Ende des Krieges gelang es Hastor auch aufgrund guter politischer Verbindungen, bei den Privatisierungen in Bosnien mitzubieten. Durch seine Führungsposition in dem VW-Werk verfügte er über gute Fachkenntnisse in der Autoindustrie - und hatte gute Kontakte nach Westeuropa.

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