Freitag, 21. Februar 2020

VW lässt Topmanager ziehen Ex-Seat-Chef Luca de Meo wird Chef von Renault

Luca de Meo: Der ehemalige Chef von Seat wechselt wohl auf den Chefsessel von Renault

Der ehemalige Seat-Chef Luca de Meo wird neuer Vorstandschef von Renault. Der Aufsichtsrat berief den 52-Jährigen am Dienstag erwartungsgemäß an die Spitze des französischen Autobauers. De Meo soll seinen Posten bei Renault ab 1. Juli antreten.

Über den Wechsel des 52 Jahre alten Italieners zu Renault war in den vergangenen Wochen bereits häufiger spekuliert worden. Streitigkeiten um die Auflösung seines Vertrags bei VW und eine strenge Wettbewerbsverbotsklausel sollen laut Insidern den Wechsel erschwert haben.

De Meo war der Anfang des Monats als Chef der spanischen VW-Tochter Seat zurückgetreten. Renault hatte Mitte Oktober vergangenen Jahres den bisherigen Generaldirektor Thierry Bolloré gefeuert. Interimschefin ist die Renault-Topmanagerin Clotilde Delbos. Wegen vertraglicher Regelungen mit seinem früheren Arbeitgeber sei es möglich, dass De Meo erst im Sommer in Frankreich antreten könnte, hatten französische Medien noch am Dienstagmorgen berichtet.

Bolloré hatte bei Renault das operative Geschäft geführt. Nach der Verhaftung des Automanagers Carlos Ghosn in Japan im November 2018 war Renault in eine Führungskrise geraten. Der Hersteller will nun vor allem das Bündnis mit den japanischen Herstellern Nissan und Mitsubishi neu beleben - die Allianz hatte erheblich unter den Turbulenzen gelitten.

Renault hat schwierige Jahre hinter sich

Der französische Autobauer Renault hat ein ziemlich desaströses Jahr 2019 hinter sich. Der Absatz ging weltweit um 3,4 Prozent zurück. Und auch der Skandal um Carlos Ghosn, den mittlerweile in den Libanon geflohenen Ex-Chef des Unternehmens, dürfte den Konzern wohl auch im laufenden Jahr noch ziemlich beschäftigen.

Um aus der Misere zu kommen, setzt Renault nun offenbar auch personell auf einen Neustart. Als potenzieller Ghosn-Nachfolger wird de Meo schon seit Wochen immer wieder genannt. Anfang Januar gab dieser seinen Posten bei der VW-Tochter Seat auf - und war damit theoretisch frei für den Autobauer Renault, der nach dem Ausscheiden des erfolglosen Ghosn-Nachfolger Thierry Bolloré aktuell interimistisch von Renault-CFO Clotilde Delbos geführt wird.

Für De Meo, der auch bei VW und Audi wiederholt als potenzieller Kandidat für den Chefposten gehandelt wurde, aber stets leer ausging, wäre der Job die Krönung seiner Karriere. Aber sicher auch die schwerste Aufgabe bislang. Denn Renault befindet sich nach dem spektakulären Sturz Ghosns und der gescheiterten Allianz mit Fiat in einer tiefen Krise.

Dass er einmal Automanager werden wollte, war dem Italiener de Meo schon als Kind klar. Seine Liebe zu Autos sei entbrannt, nachdem ihn ein Fiat-Rennfahrer, der während einer Rallye im Haus seiner Eltern nächtigte, im zarten Alter von sechs Jahren in das Cockpit eines Rennwagens gesetzt habe, erzählte er einst.

Entsprechend zielgerichtet verfolgte der junge de Meo seine Karriere. Er heuerte nach einem Studium an der renommierten Mailänder Wirtschaftsuni Bocconi zunächst im Marketing bei Renault an, bevor er über Positionen bei Toyota Börsen-Chart zeigen und Fiat Börsen-Chart zeigen, wo er unter CEO-Sergio Marchionne einen rasanten Aufstieg erlebte, zu Volkswagen wechselte. Dort arbeitet er zunächst für Audi Börsen-Chart zeigen, stieg 2015 schließlich zum Seat-Chef auf und erhielt über Aufsichtsratsposten zudem Einblicke in die Geschäfte von Ducati und Lamborghini.

Er habe sich immer bemüht, alle Vorurteile, die es gegenüber Italienern gebe, zu entkräften, erklärte de Meo vor einigen Jahren bei einer Feier seiner Alma Mater Bocconi: Habe sich bemüht, pünktlicher zu sein als die Deutschen, stressresistenter als die Japaner. Was ihn schließlich nun mit 52 Jahren zu einem der jüngeren Bosse der Branche macht - mit mehr als 20 Jahren Branchenerfahrung in gleich einer ganzen Vielzahl von Unternehmen, Segmenten und Marken.

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