Sonntag, 5. April 2020

Mary Barra Eine Frau soll GM kräftig durchwirbeln

Mary Barras Credo als oberste GM-Produktentwicklerin war schlicht, aber effektiv: "Keine weiteren Schrottkarren"

Die Nachfolgefrage bei General Motors ist entschieden: Der zweitgrößte Autohersteller der Welt setzt mit Mary Barra eine Frau ans Steuer. Es ist eine Premiere für die Branche. Barra will GM wachrütteln - wie sie bereits beim Unternehmens-Dresscode demonstriert hat.

Hamburg - Wer Ende September genau hinhörte, hätte es bereits ahnen können. Denn da räsonierte General Motors-Chef Dan Akerson bei einer Konferenz über die Rolle von Frauen in der amerikanischen Autobranche. Eines Tages werde einer der drei großen US-Autohersteller von einer Frau geleitet werden, postulierte Akerson damals. "Ich glaube das wirklich", fügte Akerson noch hinzu.

Nun wird Akersons Prophezeihung im Eiltempo Wirklichkeit. Bereits ab Mitte Januar übernimmt Mary Barra die Führung des weltweit zweigrößten Autoherstellers.

Es sei eine aufregende Zeit, um an der Spitze von General Motors (GM) Börsen-Chart zeigen zu stehen, erklärte Barra artig bei der Bekanntgabe der Entscheidung.

IBM, HP, Yahoo, Pepsi - und jetzt General Motors

Die Berufung von Barra ist aber auch ein Signal, das hiesigen Unternehmen zu denken geben sollte. Im Gegensatz zu Deutschland schaffen es Frauen in den USA längst auf die Spitzenposten amerikanischer Großkonzerne. Denn Barra befindet sich in illustrer Gesellschaft. Die Computerriesen IBM (Virginia Rometty) Börsen-Chart zeigen und Hewlett-Packard (Meg Whitman) Börsen-Chart zeigen, der Internetkonzern Yahoo (Marissa Mayer) Börsen-Chart zeigen oder der Softdrinkkonzern PepsiCo (Indra Nooyi) Börsen-Chart zeigen werden allesamt von Frauen geleitet.

Dabei verkörpert Barras Lebenslauf noch einen Teil des guten, alten amerikanischen Aufstiegstraums. Die gebürtige Detroiterin hat ihr gesamtes Berufsleben bei GM verbracht - und sich von weit unten emporgearbeitet. Im Jahr 1980 startete sie als Studentin am General Motors Institute und arbeitete zunächst als Ingenieurin in einem Werk der GM-Marke Pontiac, wo ihr Vater 39 Jahre lang beschäftigt war.

Barras Ansatz: "Keine weiteren Schrottkarren"

In der Fabrik in der Autostadt Flint gab es nur wenige Frauen - und noch weniger 18-jährige, wie Barra vor kurzem in einem Interview zugab. "Es war eine eher rauere Umgebung", erklärte Barra. "Das macht dich härter".

Barras Karriere kam so richtig in Schwung, als GM die Elektroingenieurin in ein High-Potential-Programm holte und ihr per Stipendium ein MBA-Studium ermöglichte. Danach arbeitete sie einige Zeit als Assistentin des damaligen GM-Chefs Jack Smith. In ihrer bislang 30-jährigen Laufbahn bei GM leitete Barra unter anderem ein Autowerk, war weltweite Personalchefin - und zuletzt für die Produktentwicklung zuständig.

Dabei konnte sie mit ihrer ruhigen und besonnenen Art wohl besser punkten als ihr schillernder Vorgänger Bob Lutz. Denn als Produktentwicklerin konnte sie einige wichtige Erfolge für sich verbuchen. So bekamen die unter ihrer Regie entwickelten Chevrolet Impala und Cadillacs Mittelklassewagen CTS hervorragende Kritiken von US-Fachmagazinen.

Ihren Ansatz brachte Barra einmal so auf den Punkt: "Keine weiteren Schrottkarren". Und noch etwas scheint ihr sehr am Herzen zu liegen: Einfachheit. Berichten zufolge hat sie als Personalchefin darauf gedrängt, die bei GM weit verbreiteten bürokratischen Prozeduren zu entschlacken - und den Mitarbeitern mehr Eigenverantwortung zu geben. So soll sie etwa den 10-seitigen Dresscode im internen Personalerhandbuch von GM mit einem einen einzigen Satz ersetzt haben: Kleiden Sie sich passend.

Nachholbedarf hat die zweifache Mutter, die just am Weihnachtstag ihren 52. Geburtstag feiert, aber offenbar bei sozialen Medien: Ihr bislang nicht offiziell bestätigtes Twitter-Profil weist bislang genau zwei Einträge auf, den letzten vom 30. April. Damit ist sie dem scheidenden GM-Boss Dan Akerson allerdings voraus. Denn der lässt sich bei Twitter nur vom offiziellen GM-Kanal repräsentieren.

Dem Autor auf Twitter folgen: @eckldorna

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