Montag, 14. Oktober 2019

Neuer BMW-Chef Krüger Meister des geräuschlosen Aufstiegs

Der neue Lenker: Produktionsvorstand Harald Krüger soll im Mai BMW-Chef Norbert Reithofer beerben

BMW-Chef Norbert Reithofer übergibt im Mai an seinen Nachfolger Harald Krüger. Der neue BMW-Lenker hat einen ebenso makel- wie geräuschlosen Aufstieg hingelegt. Eine Erfahrung, die ihn geprägt hat, kann er künftig besonders gut brauchen.

Hamburg - Der Zeitpunkt für den Chefwechsel bei BMW Börsen-Chart zeigen kam abrupt, der Name des Neuen war hingegen weniger überraschend: Harald Krüger galt seit anderthalb Jahren als einer der heißesten Kandidaten für die Nachfolge von BMW-Chef Norbert Reithofer. Dass er Ambitionen auf den Chefsessel hat, hat Krüger in den vergangenen Jahren in seiner ruhigen Art immer wieder durchblicken lassen.

Ab Mai 2015 ist er am Ziel. Denn nach der Jahreshauptversammlung soll der 49-jährige Krüger Vorstandsvorsitzender werden. Der amtierende BMW-Chef Reithofer wechselt an die Spitze des Aufsichtsrats, der bisherige Aufsichtsratschef Joachim Milberg legt dann sein Mandat vorzeitig nieder.

Der wichtigste interne Gegenspieler Krügers, Entwicklungsvorstand Herbert Diess, hat den Postenkampf verloren und wechselt nun nach Wolfsburg: Ab Oktober 2015 wird er dort als Vorstand für die Kernmarke VW zuständig sein.

Dennoch läuft die Rochade an der BMW-Spitze allem Anschein geordnet und ruhig ab - wie auch die Karriere des neuen BMW-Chefs. Seit 1992 arbeitet Krüger für den bayerischen Autohersteller. Angefangen hat der aus Freiburg im Breisgau stammende Manager als Trainee, der Aufstieg im BMW-Reich glückte ihm ohne größere Brüche. Seine wichtigste Station auf dem Weg nach ganz oben hat er jedoch noch nicht so lange inne: Erst im April 2013 wurde der ausgebildete Maschinenbauer zum Produktionsvorstand bei BMW berufen.

Zeit im Ausland "prägt"

Seither ist der verheiratete Familienvater viel unterwegs zwischen dem Stammwerk in München und Auslandswerken in Brasilien oder den USA. Der Posten als oberster Fabriksherr gilt bei BMW als Karrieresprungbrett: Auch Norbert Reithofer verdiente sich seine Meriten als Produktionsvorstand, bevor er im September 2006 an die Konzernspitze wechselte.

In den vergangenen acht Jahren hat Reithofer den Konzern zu neuen Bestmarken geführt, BMW verkauft nun mehr als zwei Millionen Autos weltweit. Dafür haben die Bayern die Fertigungskapazitäten im Ausland kräftig ausgeweitet, diesen Kurs wird Krüger fortsetzen. Praktisches Verständnis dafür bringt er mit. Mitte der 1990er Jahre arbeitete Krüger als Projektingenieur im US-Werk in Spartanburg, von 2003 bis 2006 leitete er die Motorenproduktion im britischen Harms Hall. "So etwas prägt", sagte er einmal in einem Interview über seine internationale Erfahrung.

Führungsstärke musste Krüger Ende 2008 beweisen, als er in den Vorstand von BMW einzog und das Personalressort verantwortete. Sein Einstand war hart: In seinen ersten Wochen musste er ein Viertel der Belegschaft mehrere Wochen lang in Kurzarbeit schicken, um die damalige Absatzkrise aufzufangen. Das glückte ihm, ohne allzu viel Aufsehen zu erregen. Auch in den darauffolgenden drei Jahren agierte er als Personalvorstand geschickt.

Altersvorteil für den "Jungspund"

Dabei habe er sich bewiesen, urteilten Aufsichtsräte später einhellig positiv und setzten ihn auf die nächste Aufgabe an: Als Vorstand der Tochtermarken Mini und Rolls-Royce sollte Krüger die geplante Modelloffensive vorantreiben. Unter seiner Führung brachte Mini etwa den Kompakt-Geländegänger Paceman auf den Markt. Er sei kein "Job-Hopper", sagte Krüger noch in einem Interview im Jahr 2012. "Sie können keine langfristigen Dinge anstoßen, wenn alle wissen, dass Sie nach zwei Jahren wieder weg sind". Für die Führung von Mini und Rolls-Royce galt das allerdings nicht. Bereits nach einem Jahr wurde Krüger zum Produktionsvorstand berufen.

Bei der Entscheidung für Krüger spielte neben den Qualifikationen auch das Alter eine Rolle. BMW hält sich an eine interne Regel, dass kein Vorstandsvorsitzender älter als 60 Jahre sein sollte. Entwicklungschef Diess ist 56 Jahre alt, Krüger zählt um sieben Lenze weniger. Zwei Amtszeiten sind für Krüger also kein Problem, wohl aber für Diess.

Die Frage, was sich denn durch ein neues Vorstandsamt ändere, beantwortete Krüger vor zwei Jahren so: "Es geht im Grunde immer um das Gleiche: Menschen begeistern, konsequent führen, klar entscheiden". Dieser Satz gilt auch für seinen neuen Posten als Chef des BMW-Gesamtkonzerns - nur eben in einer etwas größeren Dimension.

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