Donnerstag, 19. September 2019

Porsche-Betriebsratschef will in die Politik Der Boxer will nicht mehr - Uwe Hück legt alle Ämter nieder

Uwe Hück: Der ehemalige Thaiboxer wusste auszuteilen, musste als Betriebsratschef des Sportwagenherstellers Porsche aber auch einstecken. Jetzt legt er sämtliche Ämter nieder und will in die Politik

Der Betriebsratschef des Stuttgarter Sportwagenbauers Porsche, Uwe Hück (56), legt mit sofortiger Wirkung alle Ämter nieder. Das berichtet die "Stuttgarter Zeitung" am Montagnachmittag. Der charismatische Arbeitnehmervertreter wolle sich voll und ganz auf die Politik konzentrieren und dort Fuß fassen, sagte er im Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten".

"Denn ich mache mir Sorgen um Deutschland", begründete Hück seinen überraschenden Entschluss, der zugleich Aufsichtsratsvize der Porsche AG ist. Hück arbeitet seit 1985 bei Porsche und ist seit 1990 dessen Betriebsrat. Seine Aufgaben werde sein bisheriger Stellvertreter Werner Weresch (57) übernehmen.

Den Berichten zufolge wolle Hück zunächst bei der Kommunalwahl in Pforzheim antreten. "Pforzheim liegt ebenso im Argen wie Porsche als ich dort Betriebsrat wurde."

Hück gilt als einer der außergewöhnlichsten Betriebsräte in Deutschland. Nicht nur, weil er sich in der Vergangenheit immer wieder mit dem Management des Volkwagen-Konzerns öffentlich anlegte, sondern auch, weil der ehemalige Europameister im Thai-Boxen ein großes soziales Engagement außerhalb des Konzerns an den Tag legt, für das ihn im Jahr 2017 bereits Bundespräsident Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnete.

Der Einsatz für benachteiligte Menschen, kranke Kinder und Jugendliche unabhängig von sozialer, nationaler oder ethnischer Herkunft treibe ihn jeden Tag an, sagte er einmal. Wer Erfolg habe, müsse der Gesellschaft etwas zurückgeben, ist Hück überzeugt.

Hück ist Vorsitzender eines integrativen Sportvereins in Pforzheim, wo er in seiner Freizeit unter anderem Jugendliche Thaiboxer trainiert. Im September 2013 gründete er die nach ihm benannte Lernstiftung mit Sitz in Pforzheim. Dort zog er 2015 auch ein Bildungs- und Sportzentrum hoch, das benachteiligten Jugendlichen eine Perspektive geben soll. Zudem ist er Botschafter der Initiative "Respekt!", die sich gegen jegliche Diskriminierung wendet, sowie Botschafter des Bundesverbands Kinderhospiz.

Dass ihm Jugendliche und Kinder besonders am Herzen liegen, kommt nicht von ungefähr. Hück verlor seine Eltern durch einen Autounfall im Alter von zwei Jahren, er wuchs als Vollwaise in einem Kinderheim nahe Pforzheim auf. In seiner Autobiografie "Volle Drehzahl" schildert Hück seine entbehrungsreiche Kindheit, in der er offensichtlich auch Gewalt ertragen musste.

Über sein Engagement für vietnamesische Flüchtlinge Ende der 70er Jahre hatte Hück seine Frau Phuong kennengelernt. Der bekennende Buddhist adoptierte zwei junge Vietnamesen, 1995 kam der gemeinsame Sohn Vincent zur Welt.

Bei Porsche bewarb sich der gelernte Maler und Lackierer Uwe Hück - und wurde abgelehnt. Nicht die Absage als solche, sondern die Begründung hätte ihn extrem verärgert. Er sei nicht qualifiziert genug, hatte es seinerzeit geheißen. Nach Protesten stellte Porsche den kantigen Mann ein.

"Uwe Hück ist eine Kämpfernatur - ob im Boxring oder am Verhandlungstisch", erklärte Porsche-Chef Oliver Blume. Doch blaue Flecke holte sich der Mann nicht nur dort. Noch im Alter von 50 kletterte der Boxer Hück zu Benefizzwecken in den Ring, um sich mit ehemaligen Boxstars wie Luan Krasniqi oder Francis Botha zu hauen. Das Motto: "Blaue Flecke für soziale Zwecke".

rei

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