Freitag, 20. September 2019

Premiere des ersten Elektroautos Taycan Porsche unter Strom

Elektro-Sportwagen: Das ist der Porsche Taycan
DPA

Zeitgleich auf drei Kontinenten stellt Porsche heute sein erstes reines Elektromodell vor: den Taycan. Der Dieselskandal ist auch an Porsche nicht spurlos vorbei gegangen, die VW-Tochter hat alles auf eine Karte gesetzt, Milliarden in Elektromobilität und Nachhaltigkeit investiert und gar den Beginn einer neuen Ära ausgerufen - jetzt wird mit Spannung erwartet, was die großen Versprechungen halten. Ab Ende des Jahres wird das E-Modell ausgeliefert, die USA machen den Anfang.

Ob und wer den Taycan haben will, wie er sich verkaufen wird, all das ist noch ungewiss, aber Porsche-Chef Oliver Blume zeigt sich zumindest optimistisch: "Der Einstieg in neue Technologien ist nie ohne Risiko zu bewältigen", sagt er. Aber ohne den Mut dazu sei in der Zukunft eben auch nichts zu holen. Und Porsche habe sich früh festgelegt: "Wir haben die Weichen in Richtung Elektromobilität gestellt, noch bevor die Diskussionen um die Zukunft des Dieselmotors und den Klimaschutz aufkamen", betont der 51-Jährige.

Bis 2022 nimmt die VW-Tochter sechs Milliarden Euro für ihr neues Top-Thema in die Hand, hat dafür 1500 neue Mitarbeiter eingestellt, ihr Werk am Stammsitz in Zuffenhausen umgebaut. Dafür verzichtete die Belegschaft sogar auf Geld, damit die Produktion des Taycan dort angesiedelt wird und nicht anderswo, wo es billiger gewesen wäre und mehr Platz gegeben hätte.

Laut Blume ist das Geld aber gut angelegt und das Risiko überschaubar: "Wir haben uns mit dem Taycan bewusst für ein Segment entschieden, in dem unsere Marke bislang noch nicht vertreten war", sagt er. Die Frage, ob der Konzern aus der Elektro-Nummer zur Not auch nochmal herauskäme, falls es nicht läuft, stelle sich nicht, meint Blume. "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Elektromobilität eine Erfolgsstory für Porsche wird", sagt er.

10.000 Euro mehr an Materialkosten pro Elektroauto

Tausende Vorbestellungen in den vergangenen Monaten bestätigen den Vorstandschef. Für jeweils 2500 Euro Anzahlung hat Porsche Vorbestellungen für einen Wagen angenommen, von dem bislang kaum jemand weiß, wie er in der Serienversion aussieht und wie er sich fährt. Mal ist von 20.000 Interessenten die Rede, dann wird von 30.000 gesprochen, auch 40.000 war schon zu lesen. Festlegen will man sich bei Porsche dazu aber noch nicht, nur so viel steht fest: Mindestens 20.000 Stück pro Jahr werden gebaut.

Das Cockpit im neuen Taycan: Porsche präsentiert heute sein erstes Elektroauto

Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen, sieht in der Erschließung der Elektromobilität auch eine Marketingstrategie: Porsche lebe nun einmal davon, vor allem bemerkenswerte Autos zu bauen, erklärt Reindl. "Und man will zeigen, dass Elektromobilität nicht Verzicht heißt." Zudem wolle man sich auch von anderen unterscheiden. Dass das zumindest mal zu Beginn auf die Profitabilität durchschlage, sei klar. "Das betrifft aber nicht nur Porsche", so der Experte.


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Mit etwa 10.000 Euro höheren Materialkosten rechnet der Konzern zum Start bei jedem Elektrofahrzeug im Vergleich zu einem Verbrenner-Modell. Um das angesichts der schwachen Autokonjunktur ohnehin nicht gerade bescheidene Ziel von 15 Prozent Rendite trotzdem halten zu können, hat Blume ein "Ergebnisprogramm" aufgesetzt. Bis 2025 soll das sechs Milliarden Euro und von da an pro Jahr zwei Milliarden Euro einbringen.

Der Konzern plant, bis 2025 rund die Hälfte aller Fahrzeuge elektrifiziert oder mit reinem Elektroantrieb zu verkaufen. Von seiner Ikone lässt Porsche hingegen die Finger: Der 911er mit Elektromotor kommt dann doch erst einmal nicht in Frage.

uh mit Material von dpa

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