Porsche greift Tesla mit Elektro-Modell an So wettet Porsche mit dem Taycan auf die Zukunft

Porsche Taycan, Porsche-Chef Oliver Blume

Porsche Taycan, Porsche-Chef Oliver Blume

Foto: Patrick Pleul/ dpa
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Elektro-Sportwagen: Das ist der Porsche Taycan

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An den Hangarwänden blättert großflächig der Lack ab, am blankpolierten Buffett davor laben sich die 250 geladenen Gäste an Sous-vide Earl-Grey-Huhn und veganen Salaten: Bei der Weltpremiere seines ersten reinen Batterie-Elektrosportwagens Taycan setzt Porsche (Kurswerte anzeigen) auf heftigen Kontrast zwischen alter Industriewelt und neuem Öko-Schick.

Natürlich verheißt Porsche-Chef Oliver Blume den Aufbruch in eine neue Ära, als er in einem extra aufgebauten grauen Kubus auf dem Airport Neuhardenberg in Brandenburg seinen Hoffnungsträger für die Elektroauto-Zukunft enthüllt. "Nur weil sich Porsche stets geändert hat, ist Porsche Porsche geblieben", proklamiert er auf der Bühne. "Porsche gibt Menschen ein Lebensgefühl, Porsche ist Kult - weil jeder Porsche eine Seele hat", erklärt er seine Marke. Sogar von sozialer Akzeptanz beim Sportwagenfahren ist die Rede - und von einer Marke, bei der Performance genauso zähle wie Alltagstauglichkeit.

Showtechnisch greifen die Porsche-Manager jedenfalls in die Vollen an diesem Nachmittag bei der Weltpremiere, die gleichzeitig in ähnlicher Form auch auf der kanadischen Seite der Niagarafälle und auf einer chinesischen Insel stattfindet, die im Land bekannt ist für ihre Windkraftanlagen. Doch all der große Bühnenzauber kündigt ein Wagnis für eine Automarke mit 70 Jahren Verbrennertradition an: Die Zukunft bei Porsche soll elektrisch sein - und nachhaltig, ein Attribut, für das Porsche bislang nicht unbedingt stand.

Aufbruch in eine ungewisse Elektro-Zukunft

Sechs Milliarden Euro bis 2022 investiert Porsche in seine Elektro-Zukunft, damit schon 2025 jeder zweite verkaufte Porsche mit Elektro-Antrieb unter der Haube vom Band rollt. Das Stammwerk in Zuffenhausen wurde für 700 Millionen Euro für die Taycan-Zukunft gerüstet - und soll den großen Wandel einleiten: Porsche will sich, so sagt es Blume selbst, eine "elektrische Seele" geben.

Dem Taycan kommt bei Porsche die Rolle eines Brückenbauers zu: Der im Boost-Modus bis zu 761 PS starke Elektro-Bolide soll den Zuffenhausenern den Weg in eine emissionsärmere Zukunft ebnen - und sicherstellen, dass die Marke mit dem Pferd im Wappen auch in Zukunft bei jüngeren Kunden begehrlich bleibt. Früher als die Konkurrenz hat sich die VW-Tochter entschlossen, mit aller Macht auf Elektroantriebe zu setzen.

Die Entscheidung für den Bau des Taycan, dessen Prototypen zunächst als "Mission E" firmierten, fiel bereits 2015. Seither hat Porsche-Chef Blume seine Marke mächtig auf Elektro gebürstet und seine Ziele für den Elektroanteil mehrfach nach oben korrigiert.

Jeder zweite Porsche soll ab 2025 elektrisch sein

Aktuelle Zielmarke von Porsche ist es, im Jahr 2025 bereits 50 Prozent aller Neuwagen mit Elektroantrieb zu verkaufen - worunter bei Porsche sowohl rein batterieelektrische Antriebe als auch Plugin-Hybride fallen. Mit diesen ehrgeizigen Ansagen - und auch mit einem reinen Batterie-Elektrosportwagen - steht der Sportwagenbauer noch eher alleine da. Natürlich betonen auch Sportwagen-Spezialisten wie Daimlers AMG, die britische Marke Aston Martin oder Ferrari, ihre Modelle in Zukunft zu elektrifizieren. Sehr viel mehr als Plugin-Hybride, die die Beschleunigungsleistung noch mal kräftig steigern, haben sie aktuell aber nicht zu bieten. Die Pläne für reine Batterie-Elektroautos existieren zwar allerorts, mehr als Zeichnungen oder futuristische Messe-Prototypen kann die Konkurrenz noch nicht aufbieten.

Porsche ist da deutlich voraus: Der Taycan steht nun als Serienmodell dem Airport Neuhardenberg - und in Kürze auf der Automobilmesse IAA. Die stärkste geplante Taycan-Variante wird in 2,8 Sekunden auf 100 km/h schießen, in 9,8 Sekunden ist die 200 km/h-Marke erreicht. 260 km/h Spitze sind mit dem Taycan drinnen - und auch noch 450 Kilometer Reichweite. Im Alltag, so erklären Entwicklungsleiter bei dem Event, sind bei dem Wagen auch noch mehr als 380 Kilometer Reichweite drinnen, sofern der Fahrer nicht durchgängig mit 200 km/h über die Autobahn brettert.

Selbst die Kosten für den Wagen sind für Porsche-Verhältnisse durchaus vertretbar: Die Basisversion des Taycan soll in Zukunft ab 80.000 Euro zu haben sein. Ein klassischer Basis-911er mit Verbrennermotor kostet aktuell um rund 20.000 Euro mehr. Die auf dem Airport gezeigten Taycan-Starteditionen starten jedoch erst bei etwas über 150.000 Euro.

Porsche hat mehr als 30.000 Vorbestellungen für den Taycan

Ab Anfang kommenden Jahres wird der Wagen an Kunden ausgeliefert, über 30.000 Vorbestellungen haben die Zuffenhausener für den Wagen bereits eingesammelt. Die Führungsriege soll deshalb bereits erwägen, die Taycan-Jahresproduktion auf 40.000 Stück hochzuschrauben. Damit würde Porsche bald mehr Taycans verkaufen als Exemplare seiner Markenikone, dem 911er. Der kommt in achter Generation auf rund 35.000 verkaufte Stück pro Jahr.

Kein Wunder also, dass die Elektro-Euphorie bei dem Sportwagenbauer derzeit groß ist - und das nicht nur, weil der Wagen gerade Weltpremiere feiert. Dennoch ist der Taycan und seine wohl bald folgenden Sportwagen- und SUV-Brüder eine Wette auf die Zukunft. Denn noch kann niemand sagen, ob der Boom tatsächlich anhält, ob in den wichtigsten Märkten die Konjunktur nicht bald einbricht - und deshalb auch die Wohlhabenderen selbst einen Elektro-Sportwagen als unpassendes Statussymbol ansehen.

Der wahre Gegner, gegen den Porsche mit dem Taycan anfahren will, sind ohnedies nicht die klassischen Sportwagenmarken - sondern der Elektroauto-Pionier Tesla (Kurswerte anzeigen). Die Kalifornier haben 2009 mit einem Roadster auf Basis des Lotus Elise angefangen, bevor sie zu Limousinen wie dem Model S und dem Model 3 und SUVs übergingen. Doch nun steht auch bei Tesla die Neuauflage des Roadsters an.

Tesla-Chef Elon Musk verspricht Supersportwagen-Werte für den Wagen, der ab 2020 gebaut werden soll: In weniger als 2 Sekunden soll der Roadster 2 die 100 km/h-Marke erreichen, bis zu 400 km/h schnell fahren. Im Unterboden soll eine 200 kWh fassende Batterie, doppelt so groß wie die stärkste im Model S, für eine Fabel-Reichweite von 1000 Kilometern sorgen. Allerdings waren Musks Marktstart- und Technikverheißungen schon bisher mit Vorsicht zu genießen. Eine Serienversion des Wagens hat Tesla bislang nicht gezeigt, sondern nur 2017 kurz einen Prototypen. Und der neue Roadster wird auch alles andere als preiswert: Tesla hat zumindest für den Start Preise ab 250.000 Dollar durchklingen lassen.

Was - noch - fehlt, sind die Schnellladesäulen

Porsche hält da mit der Solidität eines deutschen Autoherstellers dagegen - und besonderem Speed auch beim Laden. Denn der Taycan zieht an entsprechenden Schnellladesäulen mit bis zu 270 Kilowatt Strom. Damit lassen sich im Bestfall in nur 4 Minuten Strom für weitere 100 Kilometer Fahrt nachtanken, verspricht Porsche. Die Ladung von 5 auf 80 Prozent Akkustand soll der Taycan so in 22,5 Minuten schaffen, erklärte ein Taycan-Entwickler gegenüber manager-magazin.de.

Doch beim Laden fehlt den Zuffenhausenern - noch - etwas Entscheidendes: Ein engmaschiges Netz an Schnellladesäulen, wie es Tesla in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Die Zuffenhausener sind aber auf dem Weg, dieses Problem aus dem Weg zu räumen. Der von Porsche mitfinanzierte Schnelladesäulenbetreiber Ionity hat aktuell europaweit 120 Super-Schnelladesäulen in Betrieb, Ende dieses Jahres dürften es bereits 200 sein, und bis Ende 2020 sogar 400. In den USA baut die von der Konzernmutter Volkswagen finanzierte Unternehmen "Electrify America" entsprechende Lademöglichkeiten auf, auch bei amerikanischen Porsche-Händlern entstehen bereits Schnelladesäulen. Und in China errichtet ein Konsortium, an dem Porsche-Konzernmutter Volkswagen beteiligt ist, ein landesweites Schnelllader-Netz.


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Um den Marktstart gut hinzukriegen, sind Porsche und der Mutterkonzern Volkswagen also in Vorleistung gegangen, wie es in der Wirtschaft so schön heißt - indem sie auch noch in Lademöglichkeiten investiert haben. Die Zuffenhausener setzen also ganz schön viel auf eine Karte. Leisten können sie sich das, weil sich ihre Verbrenner- und Hybridmodelle nach wie vor bestens verkaufen. Gewagt ist die Hinwendung zum Elektroantrieb dennoch. Aber Rennen kann man auch nur gewinnen, wenn man von Anfang an kalkulierte Risiken eingeht. Oder, wie Porsche-Chef Blume es bei der Weltpremiere sagte: "Der Taycan ist ein echter Porsche, doch er ist anders als alles, was wir in den vergangenen 70 Jahren geschaffen haben - nämlich hundertprozentig elektrisch".

Den besten Show-Effekt hoben sich die Porsche-Leute aber wohlweislich für den Schluss auf. Am Ende der Premieren-Präsentation rollte eine riesige Videowand zur Seite - und gab den Blick frei auf hunderttausende Solarpanelmodule, die rund um den Provinz-Airport Neuhardenberg Ökostrom erzeugen.

Der Ausblick in eine neue Ära, der führt bei Porsche eben nun auf einen Solarpark.

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