Freitag, 22. November 2019

Porsche greift Tesla mit Elektro-Modell an So wettet Porsche mit dem Taycan auf die Zukunft

Porsche Taycan, Porsche-Chef Oliver Blume

An den Hangarwänden blättert großflächig der Lack ab, am blankpolierten Buffett davor laben sich die 250 geladenen Gäste an Sous-vide Earl-Grey-Huhn und veganen Salaten: Bei der Weltpremiere seines ersten reinen Batterie-Elektrosportwagens Taycan setzt Porsche Börsen-Chart zeigen auf heftigen Kontrast zwischen alter Industriewelt und neuem Öko-Schick.

Natürlich verheißt Porsche-Chef Oliver Blume den Aufbruch in eine neue Ära, als er in einem extra aufgebauten grauen Kubus auf dem Airport Neuhardenberg in Brandenburg seinen Hoffnungsträger für die Elektroauto-Zukunft enthüllt. "Nur weil sich Porsche stets geändert hat, ist Porsche Porsche geblieben", proklamiert er auf der Bühne. "Porsche gibt Menschen ein Lebensgefühl, Porsche ist Kult - weil jeder Porsche eine Seele hat", erklärt er seine Marke. Sogar von sozialer Akzeptanz beim Sportwagenfahren ist die Rede - und von einer Marke, bei der Performance genauso zähle wie Alltagstauglichkeit.

Showtechnisch greifen die Porsche-Manager jedenfalls in die Vollen an diesem Nachmittag bei der Weltpremiere, die gleichzeitig in ähnlicher Form auch auf der kanadischen Seite der Niagarafälle und auf einer chinesischen Insel stattfindet, die im Land bekannt ist für ihre Windkraftanlagen. Doch all der große Bühnenzauber kündigt ein Wagnis für eine Automarke mit 70 Jahren Verbrennertradition an: Die Zukunft bei Porsche soll elektrisch sein - und nachhaltig, ein Attribut, für das Porsche bislang nicht unbedingt stand.

Aufbruch in eine ungewisse Elektro-Zukunft

Sechs Milliarden Euro bis 2022 investiert Porsche in seine Elektro-Zukunft, damit schon 2025 jeder zweite verkaufte Porsche mit Elektro-Antrieb unter der Haube vom Band rollt. Das Stammwerk in Zuffenhausen wurde für 700 Millionen Euro für die Taycan-Zukunft gerüstet - und soll den großen Wandel einleiten: Porsche will sich, so sagt es Blume selbst, eine "elektrische Seele" geben.

Dem Taycan kommt bei Porsche die Rolle eines Brückenbauers zu: Der im Boost-Modus bis zu 761 PS starke Elektro-Bolide soll den Zuffenhausenern den Weg in eine emissionsärmere Zukunft ebnen - und sicherstellen, dass die Marke mit dem Pferd im Wappen auch in Zukunft bei jüngeren Kunden begehrlich bleibt. Früher als die Konkurrenz hat sich die VW-Tochter entschlossen, mit aller Macht auf Elektroantriebe zu setzen.

Die Entscheidung für den Bau des Taycan, dessen Prototypen zunächst als "Mission E" firmierten, fiel bereits 2015. Seither hat Porsche-Chef Blume seine Marke mächtig auf Elektro gebürstet und seine Ziele für den Elektroanteil mehrfach nach oben korrigiert.

Jeder zweite Porsche soll ab 2025 elektrisch sein

Aktuelle Zielmarke von Porsche ist es, im Jahr 2025 bereits 50 Prozent aller Neuwagen mit Elektroantrieb zu verkaufen - worunter bei Porsche sowohl rein batterieelektrische Antriebe als auch Plugin-Hybride fallen. Mit diesen ehrgeizigen Ansagen - und auch mit einem reinen Batterie-Elektrosportwagen - steht der Sportwagenbauer noch eher alleine da. Natürlich betonen auch Sportwagen-Spezialisten wie Daimlers AMG, die britische Marke Aston Martin oder Ferrari, ihre Modelle in Zukunft zu elektrifizieren. Sehr viel mehr als Plugin-Hybride, die die Beschleunigungsleistung noch mal kräftig steigern, haben sie aktuell aber nicht zu bieten. Die Pläne für reine Batterie-Elektroautos existieren zwar allerorts, mehr als Zeichnungen oder futuristische Messe-Prototypen kann die Konkurrenz noch nicht aufbieten.

Porsche ist da deutlich voraus: Der Taycan steht nun als Serienmodell dem Airport Neuhardenberg - und in Kürze auf der Automobilmesse IAA. Die stärkste geplante Taycan-Variante wird in 2,8 Sekunden auf 100 km/h schießen, in 9,8 Sekunden ist die 200 km/h-Marke erreicht. 260 km/h Spitze sind mit dem Taycan drinnen - und auch noch 450 Kilometer Reichweite. Im Alltag, so erklären Entwicklungsleiter bei dem Event, sind bei dem Wagen auch noch mehr als 380 Kilometer Reichweite drinnen, sofern der Fahrer nicht durchgängig mit 200 km/h über die Autobahn brettert.

Selbst die Kosten für den Wagen sind für Porsche-Verhältnisse durchaus vertretbar: Die Basisversion des Taycan soll in Zukunft ab 80.000 Euro zu haben sein. Ein klassischer Basis-911er mit Verbrennermotor kostet aktuell um rund 20.000 Euro mehr. Die auf dem Airport gezeigten Taycan-Starteditionen starten jedoch erst bei etwas über 150.000 Euro.

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