Mittwoch, 23. Oktober 2019

Porsche greift Tesla mit Elektro-Modell an So wettet Porsche mit dem Taycan auf die Zukunft

Porsche Taycan, Porsche-Chef Oliver Blume

2. Teil: Porsche hat mehr als 30.000 Vorbestellungen für den Taycan

Ab Anfang kommenden Jahres wird der Wagen an Kunden ausgeliefert, über 30.000 Vorbestellungen haben die Zuffenhausener für den Wagen bereits eingesammelt. Die Führungsriege soll deshalb bereits erwägen, die Taycan-Jahresproduktion auf 40.000 Stück hochzuschrauben. Damit würde Porsche bald mehr Taycans verkaufen als Exemplare seiner Markenikone, dem 911er. Der kommt in achter Generation auf rund 35.000 verkaufte Stück pro Jahr.

Kein Wunder also, dass die Elektro-Euphorie bei dem Sportwagenbauer derzeit groß ist - und das nicht nur, weil der Wagen gerade Weltpremiere feiert. Dennoch ist der Taycan und seine wohl bald folgenden Sportwagen- und SUV-Brüder eine Wette auf die Zukunft. Denn noch kann niemand sagen, ob der Boom tatsächlich anhält, ob in den wichtigsten Märkten die Konjunktur nicht bald einbricht - und deshalb auch die Wohlhabenderen selbst einen Elektro-Sportwagen als unpassendes Statussymbol ansehen.

Der wahre Gegner, gegen den Porsche mit dem Taycan anfahren will, sind ohnedies nicht die klassischen Sportwagenmarken - sondern der Elektroauto-Pionier Tesla Börsen-Chart zeigen. Die Kalifornier haben 2009 mit einem Roadster auf Basis des Lotus Elise angefangen, bevor sie zu Limousinen wie dem Model S und dem Model 3 und SUVs übergingen. Doch nun steht auch bei Tesla die Neuauflage des Roadsters an.

Tesla-Chef Elon Musk verspricht Supersportwagen-Werte für den Wagen, der ab 2020 gebaut werden soll: In weniger als 2 Sekunden soll der Roadster 2 die 100 km/h-Marke erreichen, bis zu 400 km/h schnell fahren. Im Unterboden soll eine 200 kWh fassende Batterie, doppelt so groß wie die stärkste im Model S, für eine Fabel-Reichweite von 1000 Kilometern sorgen. Allerdings waren Musks Marktstart- und Technikverheißungen schon bisher mit Vorsicht zu genießen. Eine Serienversion des Wagens hat Tesla bislang nicht gezeigt, sondern nur 2017 kurz einen Prototypen. Und der neue Roadster wird auch alles andere als preiswert: Tesla hat zumindest für den Start Preise ab 250.000 Dollar durchklingen lassen.

Was - noch - fehlt, sind die Schnellladesäulen

Porsche hält da mit der Solidität eines deutschen Autoherstellers dagegen - und besonderem Speed auch beim Laden. Denn der Taycan zieht an entsprechenden Schnellladesäulen mit bis zu 270 Kilowatt Strom. Damit lassen sich im Bestfall in nur 4 Minuten Strom für weitere 100 Kilometer Fahrt nachtanken, verspricht Porsche. Die Ladung von 5 auf 80 Prozent Akkustand soll der Taycan so in 22,5 Minuten schaffen, erklärte ein Taycan-Entwickler gegenüber manager-magazin.de.

Doch beim Laden fehlt den Zuffenhausenern - noch - etwas Entscheidendes: Ein engmaschiges Netz an Schnellladesäulen, wie es Tesla in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Die Zuffenhausener sind aber auf dem Weg, dieses Problem aus dem Weg zu räumen. Der von Porsche mitfinanzierte Schnelladesäulenbetreiber Ionity hat aktuell europaweit 120 Super-Schnelladesäulen in Betrieb, Ende dieses Jahres dürften es bereits 200 sein, und bis Ende 2020 sogar 400. In den USA baut die von der Konzernmutter Volkswagen finanzierte Unternehmen "Electrify America" entsprechende Lademöglichkeiten auf, auch bei amerikanischen Porsche-Händlern entstehen bereits Schnelladesäulen. Und in China errichtet ein Konsortium, an dem Porsche-Konzernmutter Volkswagen beteiligt ist, ein landesweites Schnelllader-Netz.


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Um den Marktstart gut hinzukriegen, sind Porsche und der Mutterkonzern Volkswagen also in Vorleistung gegangen, wie es in der Wirtschaft so schön heißt - indem sie auch noch in Lademöglichkeiten investiert haben. Die Zuffenhausener setzen also ganz schön viel auf eine Karte. Leisten können sie sich das, weil sich ihre Verbrenner- und Hybridmodelle nach wie vor bestens verkaufen. Gewagt ist die Hinwendung zum Elektroantrieb dennoch. Aber Rennen kann man auch nur gewinnen, wenn man von Anfang an kalkulierte Risiken eingeht. Oder, wie Porsche-Chef Blume es bei der Weltpremiere sagte: "Der Taycan ist ein echter Porsche, doch er ist anders als alles, was wir in den vergangenen 70 Jahren geschaffen haben - nämlich hundertprozentig elektrisch".

Den besten Show-Effekt hoben sich die Porsche-Leute aber wohlweislich für den Schluss auf. Am Ende der Premieren-Präsentation rollte eine riesige Videowand zur Seite - und gab den Blick frei auf hunderttausende Solarpanelmodule, die rund um den Provinz-Airport Neuhardenberg Ökostrom erzeugen.

Der Ausblick in eine neue Ära, der führt bei Porsche eben nun auf einen Solarpark.

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