Porsche-Holding hortet Geld Die Sparbüchse, an die Volkswagen nicht rankommt

Krisenmodus: VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch (li) und Vorstandchef Mattias Müller sind zugleich auch Vorstände der Porsche Automobil Holding SE

Krisenmodus: VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch (li) und Vorstandchef Mattias Müller sind zugleich auch Vorstände der Porsche Automobil Holding SE

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Der größte Aktionär des Volkswagen-Konzerns bekommt die Auswirkungen des VW-Abgasskandals im Schnellverfahren zu spüren: Die Aufwendungen für die Dieselthematik bei Volkswagen haben den Gewinn der Porsche SE in den ersten neun Monaten halbiert. Rund 1,2 Milliarden Euro Gewinn nach Steuern blieben der Holding nun von Januar bis September übrig, im Vorjahreszeitraum waren es noch 2,5 Milliarden Euro gewesen.

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Vor Finanzproblemen steht die Porsche Automobil Holding SE, wie die Beteiligungsgesellschaft mit vollem Namen heißt, deshalb aber längst noch nicht. Im Gegenteil, sie hortet Geldreserven im großen Stil: 1,44 Milliarden Euro Nettoliquidität - also das verfügbare Vermögen in der Kasse abzüglich Schulden bei den Banken - standen der Holding Ende September zur Verfügung.

Zwar waren es per 30. Juni noch 2,07 Milliarden Euro gewesen, doch zuletzt hat die Holding tief in die Tasche gegriffen: Im September hat sich die Porsche SE weitere 1,5 Prozent an Volkswagen-Stammaktien einverleibt, die der japanische Autohersteller Suzuki  dringend loswerden wollte.

Porsche SE hat Anteil an VW aufgestockt

Damit haben die Familien Porsche und Piëch, die über Stiftungen sämtliche Stammaktien der Porsche SE halten, ihre Beteiligung an Volkswagen noch um ein Quäntchen aufgestockt. 52 Prozent der Volkswagen-Stammaktien hält die Porsche SE nun.

Gegründet wurde die Holding einst zur Übernahme des Volkswagen-Konzerns, heute dient sie nur mehr als Beteiligungsvehikel für den Porsche-Piëch-Clan. Das operative Geschäft des Sportwagenbauers ist inzwischen eine 100-prozentige Tochter von VW - die Porsche SE verdient als VW-Großaktionärin fast ausschließlich an dieser Beteiligung.

Dabei hat die Holding längst angekündigt, sich breiter aufzustellen: Neben dem Volkswagen-Investment soll die Holding weitere strategische Beteiligungen im Automobilsektor aufbauen. Das ist ihr in den vergangenen zwei Jahren exakt einmal gelungen: Vor einem Jahr sicherte sich die Holding einen 10-Prozent-Anteil am US-Verkehrsdatenspezialisten Inrix. Mit 41 Millionen Euro fiel dieses Investment nicht gerade überbordend groß aus - zumal die Holding auch damals eine Nettoliquidität von 2,5 Milliarden Euro vorhielt.

Holding-Geld ist für den VW-Konzern quasi unerreichbar

Die Porsche SE hat also seit langem viel schnell verfügbares Geld auf der hohen Kante - Quartal für Quartal. Die Milliardensummen könnte auch Begehrlichkeiten beim Volkswagen-Konzern wecken, der das Geld gut für die Bewältigung seiner Abgas-Probleme brauchen könnte. Doch an die Porsche-SE-Milliarden kommen die Wolfsburger nur schwer ran.

Wochit / manager-magazin.de

Zwar gibt es zahlreiche gewollte personelle Überlappungen zwischen dem Volkswagen-Konzern und seinem formalen Mehrheitseigentümer. Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller ist zugleich Porsche-SE-Vorstand. Volkswagen-Aufsichtratschef Hans Dieter Pötsch fungiert als Vorstandsvorsitzender der Porsche SE. Im Aufsichtsrat der Holding sitzen mehrere VW-Arbeitnehmervertreter.

Doch für eine Überführung der Porsche-SE-Geldmittel an den Volkswagen-Konzern wäre die Zustimmung der Holding-Eigner notwendig. Das sind nun mal die Familien Piëch und Porsche, deren Vertreter im Holding-Aufsichtsrat sitzen.

Die beiden Familienstämme haben sich vor Jahren auf einen Konsortialvertrag geeinigt, die Porsches und Piëchs votieren deshalb im Porsche SE-Aufsichtsrat stets einstimmig. Für eine Holding-Geldspritze an den Volkswagen-Konzern müssten die VW-Topmanager also höchst komplizierte Verhandlungen mit beiden Familien führen.

Weshalb die Porsche SE Geld auf die hohe Kante legt

Und gute Erfolgsaussichten hätten diese wohl nur, wenn dem Konzern gar keine anderen Möglichkeiten bleiben. Danach sieht es derzeit nicht aus: Sollten die Kosten zur Bewältigung des Abgasskandals stark steigen, können die Wolfsburger eine Kapitalerhöhung starten oder Unternehmensteile verkaufen.

Erstaunlich bleibt aber, warum die Porsche SE so viel schnell verfügbares Geld hortet. Eine Erklärung ist, dass sich die Holding nach wie vor so gegen mögliche hohe Kosten durch Rechtsstreits wappnet. Denn wegen der missglückten Übernahme von Volkswagen im Jahr 2008 und 2009 hat die Holding noch mehrere Schadenersatzklagen am Hals.

Wohl auch deshalb investiert die Porsche SE längst nicht so umfangreich wie geplant in andere Unternehmen - sondern wartet erstmal den Ausgang der zahlreichen Porsche-Prozesse ab. Und genau deshalb werden sich wohl auch die Familienclans Porsche und Piëch gegen den Zugriff auf das liquide Vermögen der Holding wehren.

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