Montag, 20. Januar 2020

Werke in Zuffenhausen und Leipzig betroffen Porsche-Produktion durch IT-Störung über Stunden lahmgelegt

Porsche-Werk in Leipzig: Die Produktion des Panamera und des Macan musste kurzfristig eingestellt werden

Der Sportwagenhersteller Porsche musste seine Produktion im Stammwerk in Zuffenhausen sowie in Leipzig vorübergehend einstellen. Ein massiver Serverausfall war der Grund dafür.

Am frühen Dienstagabend informierte das Porsche-Management alle Mitarbeiter weltweit per E-Mail über die IT-Störung. Demnach waren alle auf SAP-Software basierenden Prozesse betroffen. Ab Mittag seien erste Probleme gemeldet worden, in den folgenden Stunden zeigte sich das ganze Ausmaß der Störung, heißt es.

In Zuffenhausen, wo mehr als 7000 Mitarbeiter täglich rund 200 Autos vom Band lassen, kam die Fertigung durch den IT-Ausfall zunächst komplett zum Stillstand. Auch in Leipzig, wo der Panamera und der Macan gefertigt werden, kam die Produktion zum Erliegen.

Nicht nur die Herstellung, auch Ersatzteillager und Kundenprozesse fielen komplett aus. 211 Server waren von den Problemen betroffen, heißt es in der Rundmail. Eine Möglichkeit, über Ersatzserver oder andere Umwege die Produktion wieder zum Laufen zu bringen, gab es demnach zunächst nicht.


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Ein Porsche-Sprecher sagte dem SPIEGEL am Mittwoch, es habe sich nicht um einen Angriff von außen gehandelt. Ein intern entstandenes Problem sei der Grund für den Ausfall gewesen. Am Dienstagabend sei die Produktion schrittweise wieder angelaufen. Zum entstandenen Schaden konnte der Sprecher zunächst keine Angaben machen, ebenso wenig zu den technischen Details der Störung.

Pilz Gruppe: "Sämtliche Computersysteme vom Netz"

Bereits am Sonntag sind beim Automatisierungsspezialisten Pilz aus Ostfildern "sämtliche Computersysteme vom Netz genommen" worden. Das Unternehmen sieht sich anders als Porsche aber als "Opfer eines gezielten Cyberangriffs". Betroffen seien "weltweit sämtliche Server- und PC-Arbeitsplätze inklusive des Kommunikationsnetzwerkes", teilt die Pilz Gruppe mit. Die Störungen würden "noch einige Tage andauern".

In den vergangenen Jahren hat Schadsoftware in verschiedenen deutschen Unternehmen vergleichbare Auswirkungen gehabt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte im Dezember von mehreren Fällen gesprochen, in denen es "große Produktionsausfälle" gab, "da ganze Unternehmensnetzwerke neu aufgebaut werden mussten".

Die Ransomware WannaCry etwa befiel innerhalb weniger Tage weltweit rund 200.000 Rechner und sorgte für Schäden von mindestens mehreren Hundert Millionen Euro, andere Schätzungen gingen in den Milliardenbereich. Auch damals war ein Autohersteller betroffen: Renault in Frankreich.

Die Malware NotPetya hatte 2017 sogar für Schäden in Höhe von geschätzt zehn Milliarden Dollar gesorgt, indem sie sich rasend schnell verbreitete und Daten auf befallenen Rechnern unwiederbringlich verschlüsselte.

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