Formel 1 Red Bull lässt Porsche abblitzen

Porsches Formel-1-Einstieg mit Red Bull ist geplatzt. Die Volkswagen-Tochter wollte eine "Partnerschaft auf Augenhöhe", doch der Rennstall wollte keine Macht abgeben. Nun muss sich Porsche einen neuen Partner suchen.
Steigen aus: Der Formel-1-Rennstall Red Bull von Weltmeister Max Verstappen und der Sportwagenbauer Porsche wollen lieber getrennte Wege nehmen

Steigen aus: Der Formel-1-Rennstall Red Bull von Weltmeister Max Verstappen und der Sportwagenbauer Porsche wollen lieber getrennte Wege nehmen

Foto: STEPHANIE LECOCQ / EPA

Die Verhandlungen zwischen der Volkswagen-Tochter Porsche und Red Bull sind gescheitert. Einen Einstieg des deutschen Sportwagenherstellers in die Formel 1 zumindest mit dem derzeitigen Branchenführer zur Saison 2026 wird es nicht geben. "Beide Unternehmen sind gemeinsam zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Gespräche nicht weiter geführt werden", teilte Porsche am Freitag mit. "Prämisse war immer eine Partnerschaft auf Augenhöhe, die neben einer Motoren-Partnerschaft auch das Team umfasst. Dies konnte nicht realisiert werden."

Porsche wollte in der Traumehe mit Red Bull mitreden und nicht nur einfach die Motoren liefern. Dafür wollte das Unternehmen aber auch Anteile an dem Team des österreichischen Milliardärs Dietrich Mateschitz (78), das mit Weltmeister Max Verstappen (24) derzeit das Maß der Dinge in der Formel 1 ist. Es ging um die Übernahme von 50 Prozent des Rennstalls für angeblich stattliche 500 Millionen Euro. Doch Teamchef Christian Horner war am Ende offenbar nicht bereit, Macht abzugeben und strategische Entscheidungen mit einem gleichberechtigten Partner abstimmen zu müssen.

"Red Bull war immer ein unabhängiges Team, das war eine unserer Stärken", hatte Horner zuletzt am Rande des Großen Preises der Niederlande gesagt: "Unsere Fähigkeit zu schnellen Entscheidungen gehört zu unserer DNA. Wir sind keine unternehmensgeführte Organisation, und das bleibt eine absolute Voraussetzung für die Zukunft." Potenzielle Partner müssten "entscheiden, ob sie mitmachen wollen", allerdings zu den Bedingungen des Red-Bull-Teams.

Konzernstrukturen wie bei Porsche empfanden die Red-Bull-Bosse letztlich wohl als Bremsklotz. Zumal das Team nicht auf einen Motorenhersteller angewiesen ist. Nach dem Ausstieg von Partner Honda Ende 2021 gründete Red Bull eine eigene Motorenschmiede – Red Bull Powertrains.

Der Einstieg in die Königsklasse ist für Porsche damit aber noch nicht vom Tisch. "Mit den beschlossenen Reglementsänderungen bleibt die Rennserie für Porsche ein attraktives Umfeld, das weiterhin beobachtet wird", hieß es. Gerade auch vor dem Hintergrund des bevorstehenden Börsengangs von Porsche scheint der Milliardenzirkus Formel 1, der boomt wie nie , ziemlich verlockend zu sein. Viel Zeit bleibt Porsche aber nicht mehr. Die Einschreibefrist läuft in gut einem Monat ab.

Doppelangriff von Volkswagen auf die Formel 1

Der Automobil-Weltverband FIA hatte Mitte August ein neues Regelwerk für die Formel-1-Motoren vorgelegt. Demzufolge sollen die Motoren ab der Saison 2026 günstiger, relevanter für die Serienproduktion und nachhaltiger werden. Das neue Regelwerk macht auch den Elektromotor relevanter, erstmals liefert er dieselbe Kraft wie der Verbrenner. Zudem müssen die Piloten mit 100 Prozent nachhaltigem Kraftstoff fahren.

Für Porsche und seine Konzernschwester Audi, die ebenfalls in die Rennserie mitmischen will, waren die neuen Regeln Voraussetzung für einen Einstieg in die Formel 1. Denn nur so ist es für die beiden Newcomer überhaupt möglich, den Vorsprung der etablierten Player aufzuholen.

Porsche hatte im März erklärt, eine Teilnahme an der Formel 1 zu prüfen. Im April teilte der Volkswagen-Konzern mit, dass seine beiden Töchter, Porsche und Audi, den Einstieg in den Rennzirkus ausloten. Intern war dieser Doppelangriff lange umstritten. Der damalige CEO Herbert Diess (63) war aber überzeugt, mit der Formel 1 "mehr Geld aus Stuttgart und Ingolstadt" herausholen zu können als ohne.

Audi gab dann vor Kurzem bekannt, als Motorenentwickler ab 2026 mitzumachen , stellt also kein komplett eigenes Team. Erstmals seit einem Jahrzehnt soll damit wieder ein Formel-1-Motor in Deutschland hergestellt werden. Welcher Rennstall mit dem Audi-Antrieb starten wird, ist noch nicht bekannt. Lange Zeit hat Audi-Chef Markus Duesmann McLaren umgarnt. Doch die Anteilseigner um den bahrainischen Staatsfonds Mumtalakat lehnten ab . Nach Information des manager magazins wird Duesmann sich wohl mit dem Schweizer Rennstall Sauber einigen .

mg/dpa-afx, Reuters
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