Donnerstag, 19. September 2019

Rückschlag für VW-Patriarchen Porsche-Familie geht auf Distanz zu Piëch

Porsche (r.) und sein Cousin Piëch: Familienzwist im VW-Konzern

Mit einem kurzen Satz hat VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch seinen Konzernchef demontiert: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", sagte der Patriarch dem SPIEGEL. Wie so häufig hat der unumstrittene VW-Chefaufseher dabei alleine gehandelt - und bekommt jetzt Ärger mit seiner eigenen Sippe.

VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche geht ebenfalls auf Distanz - zu Piëch: "Die Aussage von Herrn Dr. Piëch stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie inhaltlich und sachlich nicht abgestimmt ist", ließ Wolfgang Porsche als Vertreter der Porsche-Familie mitteilen. Porsche ist ein zentraler Vertreter des Hauptaktionärs: Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche SE, die mit 51 Prozent die Mehrheit an Volkswagen hält. Außerdem ist Wolfgang Porsche der Cousin von Piëch.

Mit seiner Kritik an Piëch stärkt Porsche als Sprecher des Porsche-Zweigs Winterkorn den Rücken - wie zuvor schon der VW-Betriebsrat und das Land Niedersachsen als zweitgrößter VW-Anteilseigner.

Damit steht Piëch mit seinen Äußerungen zunehmend isoliert da. Bisher gab es aus dem VW-Aufsichtsrat keine öffentliche Unterstützung für die Position Piëchs. Winterkorn galt zuvor als Favorit auf die Nachfolge Piëchs als Chef des Kontrollgremiums.

Die Familien Piëch und Porsche haben zusammen eine Mehrheit am Volkswagen-Konzern. Um im 20-köpfigen Aufsichtsrat eine Absetzung von Winterkorn durchzusetzen wäre aber zusätzliche Unterstützung nötig, etwa der Vertreter des zu den Großaktionären zählenden Landes Niedersachsen.

Winterkorn hat noch am Sonntag seinen ersten öffentlichen Auftritt, seit der SPIEGEL-Meldung. Er wird am frühen Abend in der Stadthalle in Hannover erwartet, wo Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die weltgrößte Industrieschau Hannover Messe eröffnet. Zudem soll Winterkorn am Montag Merkel beim Messerundgang am Stand des Autobauers empfangen. Das verlautete am Wochenende übereinstimmend aus Konzernkreisen.

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ts/nck/Reuters/dpa

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