75-Milliarden-Euro-Bewertung Porsche erzielt Höchstpreis beim Börsengang

Volkswagen- und Porsche-Chef Oliver Blume gelingt das Meisterstück. Mitten im Marktchaos schafft der Sportwagenbauer einen der weltweit größten Börsengänge aller Zeiten – und wird zu Deutschlands zweitwertvollstem Autobauer.
Parkettgänger: Oliver Blume (re.) und Porsche CFO Lutz Menschke (li.) läuten am 29. September 2022 die Börsenglocke

Parkettgänger: Oliver Blume (re.) und Porsche CFO Lutz Menschke (li.) läuten am 29. September 2022 die Börsenglocke

Foto: SASCHA STEINBACH / EPA

Aufatmen in Wolfsburg. Mitten in den Marktturbulenzen an den Börsen und der aufsteigenden Rezession gelingt es dem Volkswagen-Konzern, beim Börsengang der Sportwagentochter Porsche den avisierten Höchstpreis zu erzielen. Die 113,9 Millionen Vorzugsaktien der Porsche AG werden zum Preis von je 82,50 Euro an die Investoren ausgegeben, wie der Konzern am Mittwochabend mitteilte. Die Porsche AG kommt damit auf eine Bewertung von stolzen 75 Milliarden Euro.

Damit spielt der Autobauer unter CEO Oliver Blume (54) einen Erlös von 9,4 Milliarden Euro ein – und schafft so den größten deutschen Börsengang seit mehr als 25 Jahren. Lediglich der IPO der Deutschen Telekom brachte 1996 mehr Geld ein. Die Dimension wird auch im globalen Vergleich deutlich: Der Porsche-Börsengang zählt, gemessen am Emissionserlös, zu den Top 20 aller Zeiten.

Die Preisspanne für die Porsche-Aktien hatte zwischen 76,50 und 82,50 Euro gelegen. Die Nachfrage war so groß, dass die Anteile zum Höchstpreis verkauft werden konnten. Das macht Porsche zum zweitwertvollsten Autobauer in Deutschland. Nur zum Vergleich: Volkswagen selbst kommt auf rund 85 Milliarden Euro, Mercedes-Benz auf 58 Milliarden Euro, BMW nur auf 47 Milliarden Euro. "Wir freuen uns sehr, dass wir einen erfolgreichen Börsengang der Porsche AG durchführen konnten", sagte VW-Finanzchef Arno Antlitz (52).

Das Grundkapital der Porsche AG besteht aus 911 Millionen Aktien, davon sind jeweils die Hälfte stimmberechtigte Stammaktien und stimmrechtslose Vorzugsaktien. Der bisherige Alleineigentümer Volkswagen verkaufte jeweils ein Viertel der Stämme und der Vorzüge, also jeweils bis zu 113,9 Millionen Stück.

Bereits im Vorfeld hatten sich vier Ankerinvestoren verpflichtet, Aktien für bis zu 3,68 Milliarden Euro zu zeichnen. Sie garantierten damit fast 40 Prozent des geplanten Erlöses. Ein Fünftel der Emission sicherte sich allein der katarische Staatsfonds QIA. Dafür muss er nun 1,88 Milliarden Euro ausgeben. Der von der Norges Bank verwaltete norwegische Ölfonds und der US-Vermögensverwalter T. Rowe Price steuerten jeweils 750 Millionen Euro bei, die staatsnahe Abu Dhabi Developmental Holding Company (ADQ) 300 Millionen.

Machtgewinn für die Porsches und Piëchs

Von den Stammaktien gehen 25 Prozent plus eine Aktie an die Porsche Automobil Holding SE, die von den Familien Porsche und Piëch beherrscht wird. Sie zahlen für die Stammaktien einen Aufschlag von 7,5 Prozent auf den Preis der Vorzüge. Das sind rechnerisch 88,69 Euro je Aktie und insgesamt 10,1 Milliarden Euro. Dafür ist sie bereit, sich mit bis zu 7,9 Milliarden Euro zu verschulden. 17,5 Prozent der Porsche AG übernimmt die Familienholding Porsche SE schon jetzt parallel zum Börsengang, die restlichen 7,5 Prozent erst Anfang 2023, wenn sie die von Volkswagen geplante Sonderdividende erhält.

Die Familien sind damit künftig nicht nur Großaktionäre des Volkswagen-Konzerns. Ihre Holding ist mit knapp 32 Prozent mächtiger Eigner bei VW. Sie haben sich mit dem Börsengang auch eine Vetomacht bei der Porsche AG gesichert.

Finanziell größter Profiteur des Deals ist der Volkswagen-Konzern. Er nimmt durch den Börsengang zum Höchstpreis insgesamt 19,5 Milliarden Euro ein. 51 Prozent davon behält der Konzern, um seine Elektroauto-Strategie zu finanzieren. 49 Prozent sollen über eine Sonderdividende an die eigenen Aktionäre ausgeschüttet werden. Das wären knapp 9,6 Milliarden Euro – oder etwa 19 Euro je Volkswagen-Aktie. Mit drei Milliarden Euro kann nun allein die Porsche SE rechnen. An QIA soll etwa eine Milliarde Euro fließen – gut die Hälfte des Geldes, das der Staatsfonds in Porsche-Vorzugsaktien steckte. Das Land Niedersachsen als dritter VW-Großaktionär kann mit mehr als 1,1 Milliarden rechnen. Die Porsche AG geht bei dem Börsengang leer aus.

lhy mit Agenturen; dpa
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