Börsengang Ende September Porsche strebt Bewertung von 75 Milliarden Euro an

Der Luxuswagenbauer Porsche soll am 29. September an die Börse gehen. Die Aktien der Porsche AG werden dann in einer Spanne von 76,50 bis 82,50 Euro angeboten, gab Volkswagen nach einer Aufsichtsratssitzung bekannt.
Auf der Zielgeraden: VW- und Porsche-Chef Oliver Blume will am 29. September die Erstnotiz an der Frankfurter Börse feiern

Auf der Zielgeraden: VW- und Porsche-Chef Oliver Blume will am 29. September die Erstnotiz an der Frankfurter Börse feiern

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Jan Huebner/Ulrich / imago images/Jan Huebner

Die Porsche AG soll am 29. September an die Börse gehen. Ab dann wird die Volkswagen-Tochter aus Stuttgart aller Voraussicht nach einen Teil ihrer Vorzugsaktien frei am Finanzmarkt handeln lassen. Dies beschlossen Vorstand und Aufsichtsrat des VW-Konzerns nach Sitzungen am Sonntagabend. Bei der Marktkapitalisierung des Sportwagenbauers wird dabei ein Wert zwischen 70 Milliarden Euro und 75 Milliarden Euro anvisiert und damit am unteren Rand der Erwartungen. Die VW-Vorzugsaktie knickte am Montagmorgen leicht ein.

Die Firmenbewertung ergibt sich aus der Preisspanne für die stimmrechtslosen Porsche-Vorzugsaktien, die der bisherige Alleineigentümer Volkswagen auf 76,50 bis 82,50 Euro festlegte, wie er nach der Aufsichtsratssitzung mitteilte. Mit dem Börsengang kann VW 8,7 bis 9,4 Milliarden Euro einnehmen, der von den Familien Porsche und Piech beherrschte VW-Großaktionär Porsche SE kauft Stammaktien für weitere 9,4 bis 10,1 Milliarden Euro.

Innerhalb der Preisspanne wäre Porsche der größte Börsengang in Deutschland seit mehr als 25 Jahren. 1996 hatte die Deutsche Telekom nach Daten des Finanzdienstleisters Refinitiv umgerechnet 9,65 Milliarden Euro erlöst. Die Aktien können von Dienstag an bis zum 28. September gezeichnet werden. Einen Tag später will VW- und Porsche-Chef Oliver Blume (54) die Erstnotiz der Porsche AG an der Frankfurter Börse feiern. "Wir sind mit den Porsche-Börsenplänen jetzt auf der Zielgeraden", sagte VW-Finanzchef Arno Antlitz (52).

Für den Börsenstart in Frankfurt hatten die Wolfsburger und die Dachgesellschaft Porsche SE (PSE) bisher allgemein Ende September beziehungsweise Anfang Oktober angepeilt. Ein konkreter Tag war zunächst nicht genannt worden – die Entscheidung zum Gang aufs Parkett stand wegen der angespannten weltwirtschaftlichen Lage noch unter Vorbehalt.

Ankeraktionäre wollen fast 40 Prozent der Porsche-Aktien

Der Plan von Volkswagen sieht vor, das Kapital der Porsche AG zur Hälfte in Stammaktien und in stimmrechtslose Vorzugsaktien zu teilen. Volkswagen will bis zu 12,5 Prozent des Grundkapitals von Porsche im Form von stimmrechtslosen Vorzugsaktien bei Anlegern platzieren, das entspricht 25 Prozent der Vorzugsaktien. Für knapp 40 Prozent davon haben die Wolfsburger schon feste Zusagen: Neben dem auch an Volkswagen beteiligten Emirat Katar wollen der norwegische Staatsfonds (Norges Bank) und die Investoren T. Rowe Price und ADQ Porsche-Aktien zeichnen. Ankeraktionäre wie sie erleichtern einen Börsengang. Allein die katarische Staatsholding QIA will dafür bis zu 1,9 Milliarden Euro ausgeben.

Die Porsche SE, deren Stammaktien bei den Familien Porsche und Piech liegen, will in zwei Schritten 25 Prozent plus eine der stimmberechtigten Stammaktien an der Porsche AG erwerben: 17,5 Prozent mit dem Börsengang, weitere 7,5 Prozent, wenn VW die versprochene Sonderdividende aus dem Erlös der Emission ausschüttet – voraussichtlich Anfang 2023. Die 25 Prozent der Stammaktien, die an die Porsche SE gehen, entsprechen ebenfalls 12,5 Prozent des Grundkapitals. Die Porsche SE hält knapp 32 Prozent an VW, hat aber die Mehrheit der Stimmrechte. Mit dem Einstieg erhalten die Nachfahren des Porsche-Gründers wieder direkten Zugriff auf die Ertragsperle, den sie nach der Übernahmeschlacht vor zehn Jahren an Volkswagen verloren hatten. Der Preis dafür richtet sich nach dem Ausgabepreis für die Vorzüge – mit einem Aufschlag von 7,5 Prozent. Dafür ist die Porsche-Holding bereit, sich mit bis zu 7,9 Milliarden Euro zu verschulden.

Insgesamt könnte der Porsche-Teilverkauf 18,1 bis 19,5 Milliarden in die Kasse von VW spülen. Der Börsengang "würde Volkswagen zusätzliche finanzielle Flexibilität verschaffen und dadurch helfen, die industrielle und technologische Transformation zu beschleunigen", erklärte der Automobilriese. Volkswagen will aber 75 Prozent minus eine Aktie an der Porsche AG behalten, um die Verbundvorteile mit der renditestarken Tochter weiterhin nutzen zu können.

VW-Aktionären winken neun Milliarden Euro als Sonderdividende

49 Prozent des Gesamterlöses - also neun Milliarden Euro oder mehr - sollen an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Rechnerisch ergibt sich daraus eine Sonderdividende von rund 18 Euro je Stamm- und Vorzugsaktie. Beschlossen werden soll sie auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Dezember. Davon profitieren würde neben den Familieneigentümern und der QIA auch das Land Niedersachsen.

dri/Reuters, dpa
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