Porsche, BMW, Volkswagen Ukraine-Krieg stoppt deutsche Autofabriken

Nach Volkswagen und BMW kündigt nun auch Porsche an, die Fabriken zeitweise stillzulegen. Die gesamte Industrie ist betroffen. An den Börsen sacken die Werte auf den tiefsten Wert seit einem Jahr.
Stopp am Band: Porsche setzt die Fertigung in Leipzig aus, in Zuffenhausen wird geprüft

Stopp am Band: Porsche setzt die Fertigung in Leipzig aus, in Zuffenhausen wird geprüft

Foto: Marijan Murat/ picture alliance/dpa

Es wird immer deutlicher, wie sehr die Auswirkungen des Krieges auch die deutschen Autofabriken treffen. Immer mehr Hersteller kündigen an, ihre Produktion vorübergehend einstellen zu müssen, weil wichtige Teile fehlen, die sie aus der Ukraine beziehen. Nach dem Volkswagen-Konzern kündigten jetzt auch Porsche und BMW an, ihre Werke herunterzufahren und die Bänder zu stoppen. Bei den Bayern ist sogar die gesamte europäische Produktion betroffen. An den Börsen notierten die Autowerte am Mittwoch so schlecht wie seit einem Jahr nicht mehr.

Der Krieg hat bereits die Lieferketten zerstört. Den Herstellern fehlen vor allem Kabelsätze und Bordnetze des Zulieferers Leoni, der bislang mit 7000 Mitarbeitern in der Westukraine produzierte. Zwar gibt es auch andere Bezugsquellen für solche Teile – aber offensichtlich können die Lücken nicht schnell genug gefüllt werden.

Volkswagen hatte bereits in der vergangenen Woche mitgeteilt, die Fertigung von Elektroautos in Leipzig und Dresden einzustellen. In einem Brief an die Belegschaft warnten Einkaufsvorstand Murat Aksel (49), Personalvorstand Gunnar Kilian (47) und die Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo (46) vor weiteren Ausfällen. Bereits am kommender Woche werde es Einschränkungen im Wolfsburger Stammwerk geben; in der Woche danach dürfte Europas größte Autofabrik vollends zum Erliegen kommen. Auch in Hannover und Salzgitter werden die Bänder wohl zeitweise stillstehen. Wie es in Emden aussieht, ist noch unklar. Die Tochter Skoda meldet einen "kritischen Mangel" an Teilen und schränkt die Produktion in Tschechien ein. Eine Taskforce soll die Auswirkungen des Krieges auf die 40.000 Zulieferer des Konzerns nun prüfen.

Gesamte europäische Produktion bei BMW betroffen

Bei BMW ist die gesamte Produktion in Europa betroffen. Bereits ab Mitte dieser Woche werde es Anpassungen geben, erklärte ein Sprecher. Im größten europäischen BMW-Werk im bayerischen Dingolfing sowie im Stammwerk in München wird die Produktion in der kommenden Woche dann komplett ausfallen. Auch die Produktion von Motoren im österreichischen Steyr, sowie die Bänder der Tochter Mini im britischen Oxford sollen gestoppt werden. In den Werken in Leipzig und Regensburg soll es ebenfalls Anpassungen geben.

Und auch Porsche wird in Leipzig den Bau von Autos unterbrechen – von Mittwochnachmittag an zunächst bis zum Ende der kommenden Woche. Für die 2500 betroffenen Beschäftigten, die dort die Modelle Macan und Panamera bauen, werde Kurzarbeit beantragt. In Stuttgart-Zuffenhausen, wo der Taycan und der 911 gebaut wird, soll es zunächst weitergehen. "In den kommenden Tagen und Wochen werden wir auf Sicht fahren und die Lage kontinuierlich neu bewerten", so der Sprecher.

Jenseits konkreter Teile wie Kabelbäume dürfte es auch darüber hinaus zu Engpässen in den Lieferketten kommen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie warnt bereits vor Rohstoffmangel und höheren Preisen. "Der Krieg sorgt für zusätzliche große Unsicherheit beim Import von Rohmetallen und metallhaltigen Vorstoffen", sagt BDI-Präsident Siegfried Russwurm (58). Unter anderem bei Komponenten für die E-Mobilität könnte es enger werden.

Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft hält die mögliche Abkoppelung des Rohstoffgeschäfts ebenfalls für gefährlich. Zusammen mit Transportschwierigkeiten könnte das "die Fahrzeugproduktion verteuern und für weitere Lieferengpässe sorgen". In der Autobranche seien neben Halbleitern auch Stahl, Aluminium und Kupfer knapp. In einer branchenübergreifenden Umfrage des Münchner Ifo-Instituts nannten drei Viertel der Firmen Probleme beim Einkauf – in der Autoindustrie waren es 89 Prozent.

Produktionsausfälle sind für die Hersteller nichts Ungewöhnliches. Die Belegschaften der Autobauer haben sich während der vergangenen zwei Jahre an immer wiederkehrende Arbeitsausfälle gewöhnt. Erst der Verkaufseinbruch zu Beginn der Corona-Krise, dann die fehlenden Halbleiter: Beinahe im Wochenrhythmus wurden an vielen Standorten Schichten abgesagt, ob bei Volkswagen, Mercedes, Ford oder Opel. Auch ohne den Krieg war etwa beschlossen worden, am VW-Stammsitz die meisten Nachtschichten bald wegfallen zu lassen.

lhy/dpa, Reuters