Vor Börsengang Porsche AG baut Aufsichtsrat um

Der Sportwagenbauer setzt ein Zeichen für mehr Unabhängigkeit. Familien-Chef Hans Michel Piëch und Volkswagen-Oberkontrolleur verlassen das Aufsichtsratspräsidium. Der Anteil externer Mitglieder steigt.
Warten auf den großen Tag: am Donnerstag steht der Börsengang der Porsche AG an

Warten auf den großen Tag: am Donnerstag steht der Börsengang der Porsche AG an

Foto: Marijan Murat / dpa

Vor dem geplanten Börsengang am kommenden Donnerstag baut die Porsche AG ihren Aufsichtsrat um und stellt sich damit ein wenig unabhängiger von den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch auf. Hans Michel Piëch (80) und Hans Dieter Pötsch (71) werden dem Präsidium des Aufsichtsrats künftig nicht mehr angehören; das geht aus einer Mitteilung des Sportwagenbauers am Freitag hervor. Hans Michel Piëch führt gemeinsam mit seinem Cousin Wolfgang Porsche (79) den Autoclan der Porsches und Piëchs an. Pötsch ist Vorstandsvorsitzender der ebenfalls börsennotierten Familienholding Porsche SE. Er leitet gleichzeitig den Aufsichtsrat der Volkswagen AG und gehört seit Jahren zu den Vertrauten der Eigentümerfamilie n. Der Wolfsburger Autokonzern will 25 Prozent der Porsche-Anteile an der Börse platzieren. Sämtliche Stammaktien gehen an die Holding der Gründerfamilien.

Der Rückzug von Hans Michel Piëch und Hans Dieter Pötsch aus dem Präsidium bedeutet auch den Beginn eines Generationswechsels. Die Piëch-Seite des Autoclans ist in der Führung des Aufsichtsrats künftig nicht mehr vertreten, Hans-Peter Porsche (81) verlässt das Gremium sogar ganz. Neben Wolfgang Porsche sitzen dort damit als Familienmitglieder nur noch sein Neffe Oliver Porsche (61) und Cousin Hans Michel Piëch.

Der Rückzug von Hans Dieter Pötsch aus dem Präsidium dürfte auch als Signal an die Investoren verstanden werden. Wiederholt hatte es am Kapitalmarkt Kritik gegeben, bei zentralen Personen - unter anderem Pötsch - sei die Interessenlage zwischen Volkswagen, Porsche SE und Porsche AG nicht klar genug getrennt. Auch die Doppelrolle von Oliver Blume war kritisiert worden. Blume führt seit dem 1. September parallel die Vorstände der Volkswagen AG und der künftig unabhängig börsennotierten Tochter Porsche.

Parallel zum Rückzug von Pötsch und Piëch wird das Präsidium des Aufsichtsrats von acht auf sechs Personen verschlankt. Der Spitze des Kontrollgremiums gehören künftig neben dem Vorsitzenden Wolfgang Porsche Volkswagen-Finanzvorstand Arno Antlitz (52) und die neu in den Aufsichtsrat gekommene Volkswagen-Vorständin für IT und Organisation, Hauke Stars (55), an. Dazu kommen die Gewerkschafterin Jordana Vogiatzi und die Betriebsräte Harald Buck und Carsten Schumacher.

In den Aufsichtsrat zogen neben Stars auch die beiden externen Managerinnen Micaela le Divelec Lemmi und Melissa Di Donato Roos neu ein. Neben Hans-Peter Porsche verließen Hiltrud Werner (56) und Volkswagen-Vorstand Thomas Schmall (58) das Gremium. Als Grund gab der Sportwagenbauer den Aufbau nötiger Ausschüsse vor dem Börsengang an. Hintergrund dürfte auch eine Erhöhung der Frauenquote und des Anteils unabhängiger Mitglieder im Aufsichtsrat sein.

dri/dpa-afxp
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