Freitag, 22. November 2019

Thomas Ingenlath, Chef der Volvo Elektroauto-Marke Polestar "Wir mussten einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit durchführen"

Elektroauto-Limousine mit schwedischen Wurzeln: Polestar 2  - Volvos Direktangriff auf Teslas Model 3
Polestar

Auf der anstehenden IAA wird das neue Elektro-Modell Polestar 2 vorgestellt - von der gleichnamigen Volvo-Tochter. Thomas Ingenlath leitet die Elektroauto-Marke seit 2017. Im Interview mit manager-magazin.de erklärt er, wie er jetzt Tesla Konkurrenz machen will - und warum Polestar die Vergangenheit im Autorenn-Geschäft jetzt im Geschäft hilft.

manager-magazin.de: Herr Ingenlath, mit Polestar baut Volvo eine eigene Elektroauto-Marke auf. Anders als etwa VW mit seinen ID-Modellen oder Mercedes mit seiner EQ-Familie kreieren Sie nicht eine völlig neue Marke, sondern modeln mit Polestar eine ehemalige Tuning- und Performanceschmiede zur Elektroauto-Marke um. Warum eigentlich so kompliziert?

Thomas Ingenlath: Polestar ist ein Geschöpf der Marke Volvo, aber wir beschränken die Marke ganz konsequent auf Elektromobilität. Wir sind einen sehr evolutionären Weg gegangen und haben es uns vielleicht sogar etwas schwieriger gemacht, indem wir eine schon existierende Marke genommen und neu definiert haben. Doch Polestar hat einfach diesen Namen, bei dem so viele positive Assoziationen mitschwingen. Und wir haben auch den Spirit eines Rennteams mitbekommen. Polestar hat seine Wurzeln bekanntlich im Motorsport.

Welchen Vorteil sollte das haben?

Viele unserer Mitarbeiter sind es noch gewohnt, von Rennwochenende zu Rennwochenende Dinge zu verbessern und Entwicklungen in sehr kurzen Sprints voranzutreiben. Heutzutage wird viel davon geredet, bei Managementstilen genau auf so eine Art und Weise des Arbeitens umzuschwenken. Wenn man Entwicklungszeiten verkürzen will, muss man genauso arbeiten, wie es Autorennteams vorleben und wie wir es bei Polestar gewohnt sind.

Thomas Ingenlath
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    Thomas Ingenlath, Jahrgang 1964, ist seit 2017 CEO von Polestar, der Elektroauto-Marke des schwedisch-chinesischen Autobauers Volvo. Davor war Ingenlath 5 Jahre lang Volvos Chefdesigner. Seine Karriere startete Ingenlath beim Volkswagen-Konzern, wo er unter anderem für Audi und Skoda Fahrzeuge gestaltete.

Bloß, dass Ihre Mannschaft nun nicht mehr mit Verbrennungsmotoren arbeiten kann.

Das ist richtig. Als ich vor zwei Jahren zu Polestar kam, mussten wir einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit durchführen. Ich musste erklären, dass Verbrennungsmotoren und Racing die Vergangenheit sind und Elektromobilität unsere Zukunft ist. Das war vereinzelt nicht einfach, jeder Neuanfang ist ja oft eine Überwindung. Auch den Rennserien haben wir Lebewohl gesagt. Dafür haben wir ein paar tolle Leute für die Umsetzung der Elektromobilität gewonnen. Da ist die Leidenschaft dann auch schnell wieder aufgeblüht. Wir haben in nur zwei Jahren sehr viel erreicht. Vergangene Woche zum Beispiel haben wir unsere neue Fabrik in Chengdu eingeweiht. Solche Erfolgserlebnisse schweißen ein Team zusammen, unsere Mannschaft ist moralisch wieder topfit.

Wie wollen Sie gegen die Elektromodelle etwa von Mercedes und Audi ankommen, wo positionieren Sie sich?

Unser Modell Polestar 2, das wir auf der Frankfurter IAA zeigen, steht als Premiumfahrzeug noch relativ alleine da. Das Fahrzeug wird je nach Ausstattung zwischen 40.000 und 60.000 Euro kosten. Die ersten Elektroauto-Modelle von Daimler, Audi und Jaguar fangen eher erst bei 80.000 Euro an. Der einzige wirklich direkt vergleichbare Wettbewerber ist Tesla mit seinem Model 3.

Womit wollen Sie Tesla Kunden abspenstig machen?

Unsere Fahrzeuggestaltung ist anders als bei Tesla. Als sie anfingen, zeigte das Unternehmen sehr erfolgreich, dass ein Elektroauto nicht wie ein "Freak" daherkommen muss. Teslas hatten sehr attraktive sportliche Attribute, bedienten sich aber nach wie vor sehr konventioneller Sportwagen-Ästhetik. Wir versuchen neue ästhetische Prinzipien in den Polestar Modellen umzusetzen. Außerdem kann jeder, der ein Polestar-Elektromodell kauft oder es per Abo mietet, bei einer Sache sicher sein: Von der Qualität, vom Service und der Ersatzteilversorgung her sind wir eine absolut vertrauenswürdige, professionelle Marke. Da haben wir den großen Vorteil, dass wir uns auf die etablierten Prozesse und die Infrastruktur von Volvo verlassen können - dnd das werden unsere Kunden sehr schnell feststellen. Da gibt es keine Abstriche.

Sie treten mit einer Elektro-Limousine an, die deutschen Premiumhersteller setzen bei ihren reichweitenstarken Elektromodellen zunächst auf SUVs …

Ja, und ich will jetzt mal ein wenig plakativ sein. Der Design-Anspruch des Polestar 2 ist etwas anders gestrickt als bei der Konkurrenz. Wir machen nicht einfach nur einen blauen Dekorsticker außen dran oder eine grüne Leiste, um zu unterstreichen, wie umweltfreundlich wir sind. Wir sind bei unserem Design sehr avantgardistisch unterwegs. Und im Innenraum haben wir eine kleine Revolution.

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