Bis zu 65.000 Wagen für Hertz Polestar gelingt einer der größten Elektroautodeals aller Zeiten

Nach 100.000 Tesla will der US-Autovermieter Hertz nun auch bis zu 65.000 Polestar kaufen. Für den chinesisch-schwedischen Hersteller kommt der Deal gerade recht – kurz vor dem geplanten Börsengang.
Zweiter Streich: Polestar-Chef Thomas Ingenlath bei der Präsentation des Polestar 2, der nun von Hertz gekauft wird

Zweiter Streich: Polestar-Chef Thomas Ingenlath bei der Präsentation des Polestar 2, der nun von Hertz gekauft wird

Foto: Polestar

Nur fünf Monate nach dem angekündigten Megadeal mit Tesla kündigt der US-Autovermieter Hertz einen weiteren an. Für seine internationale Flotte will das Unternehmen in den nächsten fünf Jahren bis zu 65.000 Fahrzeuge des schwedisch-chinesischen Elektroauto-Herstellers Polestar kaufen. In Europa würden die ersten Fahrzeuge schon im Frühjahr ausgeliefert, in Nordamerika und Australien Ende des Jahres, teilten beide Unternehmen am Montag mit. Hertz will zunächst nur Polestar-2-Fahrzeuge übernehmen.

Es ist einer der größten Elektroauto-Deals aller Zeiten. Hertz-CEO Stephen Scherr verschärft damit seine Elektrooffensive. Erklärtermaßen will er "die größte Elektrofahrzeug-Mietflotte in Nordamerika und eine der größten weltweit" anbieten. Im vergangenen Oktober sorgte er mit der Bestellung von 100.000 Teslas für Furore; der Tesla-Aktienkurs hatte danach bis dahin ungekannte Höhen erreicht. Unter Umständen könnte Hertz sogar noch deutlich mehr Teslas erwerben. Auch die Zusammenarbeit mit Polestar sei ein wichtiger Schritt für die Elektropläne, erklärte das Unternehmen.

Für Polestar kommt das Geschäft gerade recht. Das Unternehmen, das von dem Designer Thomas Ingenlath (57) geführt wird, will noch im ersten Halbjahr 2022 an per Spac-Börsengang an die US-Börse Nasdaq gehen. Angepeilt ist ein Börsenwert von 20 Milliarden Dollar. Der Riesendeal mit Hertz könnte helfen, die Investoren zu beruhigen, nachdem etliche der jungen, aggressiv auftretenden Elektroautobauer an den Börsen zuletzt unter Druck geraten waren. Polestar gehört dem chinesischen Geely-Konzern und dessen schwedischer Tochter Volvo Car. Die Volvo-Aktien legten am Montag um zeitweise mehr als sieben Prozent zu.

Polestar hat bislang zwei Modelle am Markt; Hertz will zunächst Polestar-2-Fahrzeuge bestellen, eine Mittelklasselimousine mit Schrägheck. Ingenlath hat aber bereits drei weitere Modelle angekündigt, darunter zwei SUVs. Im Jahr 2021 hat Polestar 29.000 Fahrzeuge verkauft – bis 2025 verspricht Ingenlath den Investoren  eine Verzehnfachung auf 290.000. Der Umsatz soll von aktuell 1,4 Milliarden Dollar auf 17,6 Milliarden Dollar im Jahr 2025 wachsen. 2021 machte Polestar noch einen Verlust von rund einer Milliarde Euro.

Die Modelle für Hertz sollen an Geschäfts- und Privatkunden vermietet und in Mitfahrdiensten eingesetzt werden. "Für viele Konsumenten ist es vermutlich sogar das erste Mal sein, dass sie ein Elektroauto fahren – und es wird ein Polestar sein", freute sich Ingenlath. Über die finanziellen Details des Geschäfts wurde nichts bekannt.

lhy/dpa