Sonntag, 19. Januar 2020

Nachfolger von Ferdinand Piëch Pötsch - die beste aller schlechten Lösungen für VW

Hans Dieter Pötsch (rechts), Martin Winterkorn: Bisher war Pötsch allenfalls zweiter Mann im Vorstand. Jetzt muss er gegebenenfalls Winterkorn in die Schranken weisen

Schon einmal hat Hans Dieter Pötsch den Piëch-Porsche-Clan aus einer Notlage befreit. Als VW-Finanzvorstand sorgte er dafür, dass die Sippen trotz des verpfuschten Angriffs auf VW die Macht und die Milliarden behielten. Spätestens seitdem sind ihm die Familienmitglieder dankbar, unabhängig davon, ob sie auf der Seite Wolfgang Porsches oder Ferdinand Piëchs stehen. Pötsch könnte nun der richtige Aufsichtsratsvorsitzende sein, um Deutschlands wichtigstes Unternehmen wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

Die Situation war nach dem Krach der Granden und dem überstürzten Abschied Piëchs vom Aufsichtsratsvorsitz unhaltbar geworden. An der Spitze des Kontrollgremiums amtierte mehr als vier Monate ein IG-Metaller: Berthold Huber. Und vom Vorstandsvorsitzenden von VW, Martin Winterkorn, wusste man nicht, ob er seinen alten Job behalten würde oder lieber gleich in den Aufsichtsrat wechseln wollte. Das sorgte in der Belegschaft, aber auch im Top-Management für Verwirrung. Die Unsicherheit war groß - und das, während der Gewinn zu sinken droht und gleichzeitig der Konzern tiefgreifend umgebaut wird.

Nun herrscht Klarheit, zumindest vorerst. Winterkorn kümmert sich persönlich darum, dass das Unternehmen nun effizienter und schneller agiert. Daran wird er gemessen werden. Mit Pötsch, der das Unternehmen im Detail kennt, findet er nun einen guten Sparringspartner im Aufsichtsrat.

Lösung mit vielen Nachteilen

Natürlich hat die Lösung auch viele Nachteile: Bisher war Pötsch allenfalls zweiter Mann im Vorstand. Jetzt muss er gegebenenfalls Winterkorn in die Schranken weisen. So etwas klappt nur selten. Für die Deutsche Bank jedenfalls war es keine gute Idee, ihren Finanzvorstand Clemens Börsig zum Aufsichsratschef zu machen. Und auch unter Corporate-Governance-Aspekten ist es schlecht, einen Vorstand direkt in den Aufsichtsrat zu entsenden und nicht abkühlen zu lassen. Aber um derlei hat sich VW ohnehin nie geschert.

Allerdings ist Pötsch unter den Umständen noch die vielleicht beste aller möglichen Lösungen. Im Aufsichtsrat gab es nach der Absage Wolfgang Porsches keinen geeigneten Kandidaten, auf einen Mann von außen konnte man sich schon gar nicht einigen. Martin Winterkorn kurzfristig zum Chefkontrolleur zu machen, kam unter anderem für die Arbeitnehmerseite nicht in Frage. Er soll erst die wichtigste Marke des Konzerns, VW, wieder richtig zum Laufen bringen.

Wie lange Pötsch und Winterkorn nun ihre jetzigen Jobs behalten, ist offen. Ein Wechsel an der VW-Spitze kann durchaus vor Winterkorns Vertragsende 2018 stattfinden. Auch ein Vorteil der jetzt gefundenen Lösung.

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