Deutscher Automarkt 2020 Volkswagen bricht um 21 Prozent ein, Tesla legt um 55 Prozent zu

Der deutsche Automarkt ist 2020 auf das Niveau von 2010 geschrumpft. Immerhin gab es im Dezember noch einen Last-Minute-Boom - und der Anteil der Elektroautos wurde verdreifacht. Der große Gewinner: Tesla.
Blick nach unten: Die Marke VW blieb klarer Marktführer, verkaufte aber 21 Prozent weniger Autos

Blick nach unten: Die Marke VW blieb klarer Marktführer, verkaufte aber 21 Prozent weniger Autos

Foto: Peter Steffen/ dpa

Bundesweit sind 2020 so wenige neue Autos zugelassen worden wie seit zehn Jahren nicht. Mit 2,92 Millionen Neuzulassungen schrumpfte der deutsche Automarkt in der Corona-Krise um gut 19 Prozent, wie aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamts hervorgeht. Zum Jahresende waren die Verkäufe stärker als erwartet und milderten so den Rückgang. Im November hatte der Branchenverband VDA noch einen Rückgang um 20 Prozent vorhergesagt, zur Jahresmitte war er nach dem starken Einbruch im ersten Halbjahr von minus 25 Prozent ausgegangen.

Gut jeder fünfte Neuwagen zählte zum Segment SUV. Einen regelrechten Boom erlebten Wohnmobile - angesichts vieler Reisebeschränkungen und geschlossener Hotels eine in der Corona-Krise viel gefragte Alternative zum Reisen. Daher blieb dem Hersteller Fiat, der das Segment mit seinem Modell Ducato dominiert, als einziger Marke außer Tesla ein Absatzminus erspart.

Der Absatzeinbruch sei wirtschaftlich schwierig für die Branche, teilte Hildegard Müller (53), die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), am Freitag mit. "Für 2021 rechnen wir mit einer Erholung des deutschen Pkw-Marktes. Dennoch dürfte das sehr starke Vor-Corona-Niveau vorerst nicht erreicht werden."

Torschlusspanik im Dezember: Rekord dank gesenkter Mehrwertsteuer

Stärker eingebrochen waren die Zahlen zuletzt 2010. Nach einem Boom in Folge der Abwrackprämie gingen sie damals auf knapp 2,92 Millionen zurück.

Positive Zahlen brachte nun der Dezember. 311.394 Neuzulassungen in dem Monat entsprachen einem Plus von etwa 10 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Vom "höchsten Zulassungsvolumen, das jemals in einem Dezember erreicht wurde" sprach der VDA - trotz des Lockdowns in der zweiten Monatshälfte. 

"Viele Privatkunden haben zum Jahresende noch ein Auto gekauft, um von der Mehrwertsteuersenkung zu profitieren", erklärte Reinhard Zirpel, der Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller. Zum Jahreswechsel lief die als Corona-Konjunkturhilfe gedachte Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent aus.

Verkauf von Elektroautos verdreifacht

Deutliche Zuwächse gab es im vergangenen Jahr bei Elektroautos: Der Anteil rein batteriebetriebener Fahrzeuge an allen Neuzulassungen stieg mit 194.000 Autos auf 6,7 Prozent nach knapp 1,8 Prozent im Vorjahr.

Außerdem erreichten Fahrzeuge mit Hybridantrieb mit knapp 528.000 Neuzulassungen 2020 einen Anteil von 18,1 Prozent - darunter rund 200.000 Plug-in-Hybride. Gegenüber dem Vorjahr legten die Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden um 342 Prozent zu, Elektroautoneuzulassungen verdreifachten sich (plus 207 Prozent).

Das für 2020 ursprünglich ausgerufene, wegen der lange Zeit schwachen Marktentwicklung aber auf 2022 verschobene Regierungsziel von einer Million Elektroautos gerät offenbar in Reichweite: Dafür zählen nämlich batterieelektrische Autos und Plug-in-Hybride zusammen. Neue Zahlen zum Fahrzeugbestand wurden noch nicht veröffentlicht, aber Anfang 2020  gab es 539.383 Autos beider Antriebsarten im Land. Mit den knapp 400.000 Neuzulassungen wären heute - unter der Annahme, dass zugleich nicht allzu viele Elektroautos wieder abgemeldet wurden - schon mehr als 900.000 Elektroautos auf deutschen Straßen.

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Diese Elektroautos kommen 2021 auf den Markt

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Die Erhöhung der Förderung von Elektroautos durch den Bund von 3000 auf 6000 Euro mache diese preislich derzeit sehr attraktiv und führe zu einem enorm gestiegenen Interesse, erklärte der Automobilmarktexperte der Beratungsgesellschaft EY, Peter Fuß, und verwies zudem auf neue Modelle der Hersteller. Diese hätten im neuen Jahr nun "ein noch größeres Interesse", elektrifizierte Modelle in großer Zahl auf die Straße zu bringen, um die CO2-Vorgaben einzuhalten und Strafzahlungen zu vermeiden. Nun bleibe zu hoffen, "dass auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur in entsprechendem Umfang vorankommt".

Benziner verlieren stärker als Diesel

Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach erklärte, Deutschland sei 2020 "dank Förderung weltweit zum zweitgrößten Einzelmarkt für die Elektromobilität" aufgestiegen. Damit könne die Bundesrepublik "zunehmend eine Schrittmacherfunktion für die neue Antriebsform entwickeln". Kritisch sei allerdings, dass die hohen E-Autozulassungen noch zu mehr als 50 Prozent auf Plug-in-Hybriden beruhten, "die nur bei bestimmten Fahrprofilen und bei regelmäßigem Laden ökologisch sinnvoll sind", erklärte Bratzel.

In einer aktuellen Prognose gehe das CAM in den nächsten Jahren nun von weiteren Zuwächsen der Elektromobilität aus. Bis zum Jahr 2025 würden die jährlichen Neuzulassungen von E-Fahrzeugen auf rund 900.000 steigen, was dann einem Anteil von 27 Prozent an den Neuverkäufen entspreche. Dabei werde davon ausgegangen, dass der weit überwiegende Anteil von rund 65 Prozent reine Elektrofahrzeuge sein werde. "Eine große Herausforderung bleibt die Ladeinfrastruktur, die die Akzeptanz von E-Fahrzeugen und den künftigen Markthochlauf bremsen könnte", gab auch Bratzel zu bedenken.

Deutlich rückläufig waren 2020 die Neuzulassungen von Benzinern und Dieselautos - wenngleich sie noch immer das Gros des Neuwagenmarktes ausmachen: Benzinbetriebene Pkw sanken um 36,3 Prozent auf 1,36 Millionen Neuzulassungen, Diesel-Pkw um 28,9 Prozent auf knapp 820.000.

ak/DPA, AFP