Peking greift nach Pirelli Heißer Reifen ist China Milliarden wert

Von mm-newsdesk
Formel-1-Reifen von Pirelli: Besserer Zugang zum asiatischen Markt

Formel-1-Reifen von Pirelli: Besserer Zugang zum asiatischen Markt

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Mit dem weltweit fünftgrößten Reifenhersteller Pirelli  wandert eine weitere italienische Traditionsfirma in die Hände von Chinesen. Der staatliche Chemiekonzern ChemChina kauft das Mailänder Unternehmen für insgesamt 7,1 Milliarden Euro.

Nach Angaben vom Sonntagabend bietet ChemChina 15 Euro je Aktie, hinzu kommt die Übernahme von Schulden in Höhe von fast einer Milliarde Euro. ChemCorp sichert sich mit dem über 140 Jahre alten Unternehmen den Zugang zum rentablen Premium-Reifen-Markt. Pirelli ist unter anderem Ausrüster der Formel 1.

Zuletzt waren bereits die italienischen Versorger Terna und Snam, der Turbinenhersteller Ansaldo und der Luxusjachtanbieter Ferretti von chinesischen Konzernen geschluckt worden. Die Unternehmen aus Fernost nutzen den schwachen Euro  zu einem Zeitpunkt, zu dem es erste Anzeichen dafür gibt, dass die europäische Wirtschaft die Talsohle durchschritten hat.

Die Pirelli -Aktie nahm am Montag Fahrt auf und legte mehr als zwei Prozent zu. Gerüchte über eine bevorstehende Einigung mit den Chinesen hatten das Papier des Continental -Konkurrenten bereits am Freitag in die Nähe eines 25-Jahres-Hochs katapultiert. Pirelli war es zuletzt gelungen, trotz sinkender Autoverkäufe in Europa seine Marge zu stärken. Im abgelaufenen Jahr war der Betriebsgewinn um fast sieben Prozent auf 838 Millionen Euro gestiegen. Continentals Gewinn hatte sogar um ein Viertel zugelegt.

Die Reifen-Sparte der Chinesen kauft zunächst den Anteil an Pirelli, der dem Investor Camfin gehört - das sind 26,2 Prozent. Danach soll ein Gebot für den Rest des Unternehmens folgen, das auch für die jährliche Veröffentlichung des Pirelli-Fotokalenders bekannt ist. Pirelli kann nach der Übernahme mit einer größeren Präsenz in China - dem größten Automarkt der Welt - rechnen, wo bisher Continental und Michelin aktiver waren. Das weniger rentable Geschäft mit Reifen für Lastwagen soll in die ChemChina-Tochter Aeolus eingegliedert werden.

Chinesen könnten auch bei Fiat einsteigen

Der Investor Camfin gehört mehrheitlich dem russischen Ölkonzern Rosneft  und einer Holding des Pirelli-Chefs Marco Tronchetti Provera, der an der Firmenspitze bleiben soll. Weitere Aktionäre sind die Banken Intesa Sanpaolo und Unicredit. Die Pirelli-Übernahme ist der fünftgrößten Kauf eines chinesischen Staatsunternehmens außerhalb der Volksrepublik.

Analysten sehen vor allem südeuropäische Automobilfirmen in Fokus des chinesischen Interesses. Den Auftakt hatte unlängst Dongfeng mit seiner Beteiligung an dem französischen Autobauer Peugeot  gemacht. Frank Schwope von der NordLB geht davon aus, dass auch Fiat in den nächsten Jahren einen chinesischen Anteilseigner bekommen wird: "Gerade die südeuropäischen Automobilkonzerne und Zulieferer sind gefährdet. Da ist chinesisches Geld willkommen." Den Finanzsektor ausgeklammert, haben chinesische Firmen seit Anfang 2014 zehn Übernahmen in Italien, der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone, gestemmt.

ts/dpa-afx/Reuters
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