Freitag, 21. Februar 2020

Elektroauto-Projekt vor dem Aus Paris zieht Carsharingprojekt Autolib' den Stecker

Elektroauto von Autolib': Das Pariser Carsharing-Projekt hat einen Verlust von 233 Millionen Euro angehäuft

Das großangelegte Pariser Elektroauto-Carsharing Autolib' steht vor dem Ende. Der zuständige kommunale Zweckverband verweigerte am Donnerstag einen Verlustausgleich von 233 Millionen Euro, den der Mischkonzern Bolloré als Betreiber gefordert hatte. Dies bringe faktisch die Kündigung des Vertrags zum 25. Juni mit sich, teilte der Verband mit. Autolib' war 2011 mit großen Hoffnungen gestartet - das staugeplagte Paris wollte damit Luftverschmutzung und Verkehrschaos reduzieren.

Die an die 4000 kleinen grauen Elektroautos konnten an gut 1100 Stationen am Straßenrand ausgeliehen und wieder abgestellt werden. Von einer "Revolution" für das durch Staus und Smog geplagte Paris sprach der frühere Bürgermeister Bertrand Delanoë zum Start Ende 2011.

Doch das Freiheitsversprechen wurde nicht eingehalten. Verbeult und schmutzig seien die grauen Kleinwagen, klagen viele Nutzer. Zudem übernachteten zunehmend Obdachlose in den Fahrzeugen. Die Zahl der Abonnenten halbierte sich innerhalb von zwei Jahren auf geschätzte 150.000.

Industrieller Bolloré droht mit Blitz-Stilllegung

Das Angebot schrieb schon länger rote Zahlen. Darüber sah die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo lange hinweg. Zum Eklat kam es erst, als der Autolib'-Betreiber und Großindustrielle Vincent Bolloré der Stadt eine saftige Rechnung präsentierte: 46 Millionen Euro solle die Stadt jährlich zuschießen, verlangte der zehntreichste Mann Frankreichs.

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Denn wie nun herauskam, schiebt Autolib' einen Schuldenberg von fast 300 Millionen Euro vor sich her. Noch Anfang 2017 hatte die sozialistische Bürgermeisterin Hidalgo versichert, es gebe "keine Verluste". Auf ihr Drängen hin beschlossen die Stadt Paris und die beteiligten Kommunen im Umland am Donnerstag, den eigentlich bis 2023 laufenden Vertrag mit dem Großindustriellen vorzeitig zu beenden.

Die Bolloré-Familie hat gedroht, die Autos sofort aus dem Verkehr zu ziehen. Damit dürften viele Pariser über Nacht wieder zu Fußgängern oder Metro-Fahrern werden. Rund 20.000 Menschen haben eine Internet-Petition zur Rettung von Autolib' unterschrieben. Auch in den sozialen Netzwerken machen Pariser ihrer Wut Luft: Eine "Schande" sei das Aus für Autolib', klagt eine Frau aus einer Vorstadt. Sie weiß nicht, wie sie künftig zur Arbeit kommen soll.

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